LNdB Kunst und Platte von Kunstateliers Leben Lernen 2024, © Kevin Fuchs

Felix Hawran (Kulturring) im Gespräch mit art-in-berlin über die Lange Nacht der Bilder im Bezirk Berlin Lichtenberg. Die Lange Nacht der Bilder wird vom Bezirksamt Lichtenberg in Kooperation mit dem Kulturring in Berlin e. V. veranstaltet, unterstützt von der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH.

Carola Hartlieb-Kühn: Zum Leitmotiv: Nah an der Kunst: Was macht für Euch den besonderen Reiz aus, Kunst nicht in klassischen Museumskontexten, sondern direkt an den oft verborgenen Produktionsorten der Kreativen erfahrbar zu machen?

Felix Hawran: Lichtenberg ist ein großer, langezogener Bezirk und allein dadurch sehr divers in seinen verschiedenen Stadtteilen. International eher bekannt für Museen zur Stasi-Geschichte, beherbergt er jedoch durch seine Industrievergangenheit zahlreiche größere Atelierkomplexe, in denen hunderte Künstler*innen Platz finden. Hier gibt es für Besucher*innen einmal im Jahr die Gelegenheit, sich auf Entdeckungstour und den direkten Austausch mit verschiedensten Kreativen direkt an den Orten ihres Schaffens zu begeben. Außerhalb der Langen Nacht der Bilder sind zahlreiche Orte nicht ohne Vereinbarung begehbar und können keine festen Öffnungszeiten wie klassische Museen bieten. Für die Künstler*innen ist dieses jährliche Event eine willkommene Gelegenheit, sich mit ihren Ateliers einem großen Publikum präsentieren und sich mit anderen Kreativen im Bezirk vernetzen zu können.

Carola Hartlieb-Kühn: Neben offenen Türen bieten viele Orte Mitmach-Angebote und sechs geführte Touren zu Fuß und per Rad. Welches kuratorische Konzept steckt hinter diesen Formaten, um Hemmschwellen zur zeitgenössischen Kunst abzubauen?

Felix Hawran: Durch die relativ weiten Entfernungen im Bezirk ist es wichtig, Touren für die verschiedenen Stadtteile anzubieten, um möglichst die gesamte Geographie und die dortige Kunst einzubinden. In Vierteln wie Weitlingkiez oder Herzbergstraße können zahlreiche Orte zu Fuß erlebt werden, andere Ortsteile sind weitläufiger und können somit besser per Rad oder Tram erschlossen werden. Wir planen die Touren jedes Jahr neu gemeinsam mit erfahrenen Tourguides, um uns nicht zu wiederholen und sicherzustellen, dass für jede/n etwas dabei ist. Weniger ist mehr ist hier definitiv wichtig, die Angebote sollen nicht ermüden sondern Lust auf mehr machen und auch Raum für die eigene Erkundung im Anschluß an Touren bieten.

Carola Hartlieb-Kühn: Seit dem Start 2007 ist das Festival auf 47 Kunstorte angewachsen. Wie hat sich die künstlerische Infrastruktur in Lichtenberg über die letzten 19 Jahre gewandelt, und welche Rolle spielt die Lange Nacht der Bilder dabei?

Felix Hawran: Einerseits ist der Bezirk viel internationaler und offener geworden in den letzten Jahren, andererseits sieht man ganz klar die bekannte Dynamik, dass die kreative Szene mehr und mehr aus dem Berliner Zentrum verdrängt wird und in Randbezirken auf bessere Bedingungen und bezahlbare Räume trifft. Die Lange Nacht trägt sicher seit vielen Jahren dazu bei, dass über die einzelnen Orte hinweg ein Netzwerkgedanke entstanden ist, man sich gegenseitig entdeckt, schätzen lernt und bei Herausforderungen unterstützt.

Carola Hartlieb-Kühn: Mit der Malerin Lili Yuan und der Band Mitsune setzt die Eröffnung im Kulturhaus Karlshorst auf interkulturelle Akzente. Welche Botschaft möchtet Ihr mit dieser Auswahl für die Vielfalt der Lichtenberger Kulturszene senden?

Felix Hawran: Es ist stellvertretend für die Vielfalt, die tatsächlich in den zahlreichen Kunstorten mittlerweile herrscht. Artists aus der ganzen Welt, aus verschiedensten Bereichen der Kunst, von jungen Kollektiven bis zu erfahrenen und etablierten Künstlerinnen und Künstlern kommt hier alles zusammen.

Carola Hartlieb-Kühn: Mit einem gedruckten Faltplan, Eurer Internetseite und Programmen bis Mitternacht zieht die Veranstaltung Interessierte aus ganz Berlin an. Was sind aus organisatorischer Sicht die größten Herausforderungen – und was wäre für Euch ein gelungener Abschluss dieses Abends?

Felix Hawran: Die größte Herausforderung ist wie so oft, dass die Finanzierung jährlich neu gesichert werden muss und dadurch auch ein konstanter Wissenstransfer durch Personalwechsel die Regel ist. Gleichzeitig gibt es eine gewisse Erwartungshaltung von Seiten der Kunstorte, die wir nicht immer erfüllen können. Wir bieten die Plattform und weben das Netz, sorgen für Sichtbarkeit. Trotzdem sind wir auf pünktliche Anmeldungen, spannendes Programm und Öffentlichkeitsarbeit der Orte angewiesen, um daraus ein besonderes Event entstehen zu lassen. Gelungener Abschluss ist schwierig, da es ja ein dezentrales Event ist. Am meisten würden wir uns freuen, wenn wie im letzten Jahr mehrere Tausend Menschen sich an diesem Abend auf Entdeckungstour begeben und idealerweise noch Feedback via der QR Codes geben, die an den Orten aushängen werden.