(Einspieldatum: 25.02.2014)

Reflektiertes Chaos - Iza Tarasewicz im Polnischen Institut


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Copyright Polnisches Institut

Die Glasfront des Polnischen Instituts in der Burgstraße vis-à-vis der Museumsinsel ist in ihrer gesamten Breite verklebt. In der Mitte des lichtdurchlässigen Gemischs aus Hanf und Klebstoff befinden sich rechteckige Gebilde. Von diesen aus erstreckt sich ein fächeriges, strahlenförmiges Gebilde, das langen Haaren unter Wasser gleicht. Diese Fensterverklebung hat eine große ästhetische Anziehung und hüllt den Raum in ein sanftes Licht.

Im Raum selber befinden sich diverse Gebilde, einige von ihnen stehen auf dünnen, rechteckigen Stahlgestängen, andere Objekte – Leinen, Fasern, Asche - könnten der Werkstatt von Joseph Beuys entstammen.

„The Strange Attractors“ lautet der Ausstellungstitel der 1981 geborenen Künstlerin Iza Tarasewicz. Kuratiert hat die Schau der Spanier Lorenzo Sandoval. Tarasewicz verbringt derzeit als Stipendiatin der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit einen einjährigen Residenzaufenthalt am Künstlerhaus Bethanien.

Ihre Werke entwickelt Tarasewicz im Austausch mit dem australischen, in Prag lebenden Dichter, Kritiker und Künstler Louis Armand. Von der metaphysischen Poesie des Australiers ließ die Künstlerin sich inspirieren. So hat er eine Gedichtesammlung veröffentlicht, deren Titel für ihre Ausstellung Pate stand.

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„Ich möchte den offenen Charakter der Stadt in Szene setzen“, so die Künstlerin, die aus dem ostpolnischen Bialystok stammt. Dabei orientiert sie sich an der Chaosforschung, die mit mathematischen Methoden der Frage nachgeht, ob dem scheinbar unvorhersagbaren Wechsel zwischen Ordnung und Unordnung (Chaos) in komplexen-dynamischen Systemen, ein Muster zugrunde liegt, etwa in Wellenbewegungen, Wolkenbildung oder den Bewegungsmustern von Passanten in einer Fußgängerzone.

Dem Stand der Chaosforschung zufolge reagieren solche Systeme höchst sensitiv auf Veränderungen der gegebenen Anfangsbedingungen. Gerne zusammengefasst heißt das: Alles hängt mit allem zusammen und Zukunftsvoraussagen sind kaum möglich.

Um die Systeme zu visualisieren, in denen chaotische Bewegungen auftreten, werden Phasenraumdiagramme verwendet. Jede Bewegung innerhalb des Diagramms wird durch eine kreisende Umlaufbahn dargestellt, die man Attraktor nennt. „Seltsame Attraktoren“ – strange attractors – sind also Elemente, die das Verhalten der zu untersuchenden Realität beeinflussen, indem sie die Anfangsbedingungen verändern. Sie sind Katalysatoren unerwarteter Möglichkeiten.

Tarasewicz geht es jedoch um viel mehr als die reine Darstellung eines physischen Konzeptes. Ihr Ansatz ist vielmehr philosophisch und vielschichtig. Sie analysiert in ihrer Arbeit nicht nur die wissenschaftlichen Chaos-Darstellungen, sondern spielt auch auf die Instrumente der Physik an, welche die Darstellungen produzieren.

In dem sie ihre Komposition geschickt mit deren Repräsentation und Rezeption verwebt, thematisiert sie die Beziehungen zwischen Anziehung und Abstoßung, Kontrolle und Chaos, dem Erwartetem und dem Unerwartetem.

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Über die Poesie von Louis Armand schrieb der Kritiker John Kindsella, sie sei beides: “unmittelbar und reflektiv, vital und beständig”. Dies gilt in hohem Maße auch für Tarasewiczs Zugang an die „Chaostheorie“. Vor dem Hintergrund einer in schneller Entwicklung begriffenen Stadt wie Berlin ist dies ein intellektuell wie ästhetisch spannendes, wenn auch voraussetzungsvolles Gedankenspiel.

Ausstellung bis 03.04.2014

In Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Bethanien

Rahmenprogramm:
06.03.2014, 17:00 Uhr
Führung durch die Ausstellung in Begleitung der Künstlerin und des Kurators

27.03.2014, 19:00 Uhr
Finissage der Ausstellung
Vortrag von Louis Armand

Polnisches Institut Berlin
Burgstrasse 27
10178 Berlin
www.polnischekultur.de/

Inge Pett

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Daten zu Iza Tarasewicz:


- Bienal de Sao Paulo 2016

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