(Einspieldatum: 29.04.2014)

Neuer Adel in alten Räumen. Digitale Tapisserien und Aquarelle von Magret Eicher

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Tapisserie "Lob der Malkunst" im P103 Mischkonzern, Foto: Alexander Abramov©galasascha

Kunst und Küche gehen in Restaurant und Bar [P103] Mischkonzern an der Potsdamer Straße eine erfolgreiche und ernst zu nehmende Liaison ein: Seit dem letzten Jahr bietet das Ladenlokal nicht nur Kaffee, Wein und Tapas an. Die Besitzer laden Künstler ein, den Raum als Ausstellungsort zu entdecken, die Gäste sind Teil des Konzeptes.

Und es sind viele an diesem Abend. Die Vernissage ist gut besucht, die Besucher stehen vor den digitalen Tapisserien und Aquarellen von Margret Eicher, diskutieren mit der Künstlerin, ein Glas Prosecco in der Hand. Die Werke passen perfekt ins Ambiente, und erst auf den zweiten Blick wird sichtbar: Die großformatigen Wandteppiche sind in einem industriellen Verfahren gewebt, repräsentative Herrschaftsinsignien treffen hier auf profane Repliken.

So könnte die weibliche Figur, die aus dem vergoldeten Rahmen auf ihr Publikum blickt, auch unter den Gästen stehen. Sie ist ein Zitat der Schauspielerin Scarlett Johansson, das sich in Margret Eichers „Lob der Malkunst“ (2013) selbstbewusst und sinnlich mit dem moralisierenden Frauenbild des holländischen Barockmalers Jan Vermeer verbindet und über die männlichen Protagonisten Gerhard Richter und Martin Kippenberger zu richten scheint. Wem gebührt der Lorbeerkranz der Malerei? Sie alle sind Besucher der Paris Bar an der Kantstraße, eine jener West-Berliner Instanzen, in der Kippenberger seine halbe Lebenszeit verbrachte und die Mauerfall und Mittehype unbeschadet überstanden hat.

Tapisserie "Apokalypse" im P103 Mischkonzern, Foto: Alexander Abramov©galasascha

Hergestellt in Flandern und präsentiert in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen und Sammlungen, weisen Eichers Werke auf der Folie von Reichtum und aristokratischem Habitus auf gesellschaftliche Themen: Macht und Moral, Geschlechterbeziehungen und -rollen, gelebte und mediale Wirklichkeit.

Magret Eicher, geboren 1955 in Viersen am Niederrhein, lebt und arbeitet im nordbadischen Ladenburg. Nach einem Studium in den 1970er Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf, entwickelte die Konzeptkünstlerin seit den 1980er Jahren die Copy Collage – eine serielle Vervielfältigung und Bearbeitung von Motiven aus der Presse – und ist heute vor allem durch ihre Tapisserien bekannt. In ihnen hinterfragt die Künstlerin die Macht der Bildkommunikation, nutzt triviale Zeichen der (Medien-)Herrschaft als Spiegel zur Kritik.

Neben den barocken Bilderteppichen wählte die Kunsthistorikerin Constanze Musterer, Kuratorin der Ausstellung, eine Anzahl von digitalen Aquarellen aus. Diese "Aquawords" imitieren die Aquarelltechnik, eine "schnelle" Technik, die den Augenblick vermeintlich festhält. Margret Eicher sucht jedoch Motive aus Pressebildern oder zeigt Porträts, beispielsweise von Science-Fiction-Figuren wie Batman, die sie manipuliert. So führt sie die Betrachter aus der eigenen Wirklichkeit in die Räume der medialen Wirklichkeit, fordert sie auf, "den eigenen Augen nicht zu trauen".

Zur Ausstellung ist die erste Edition der Künstlerin in Form einer Zeitung erschienen, die zusammengesetzt die Kopie einer ihrer Tapisserien ergibt. Für 5 Euro ist sie im Mischkonzern erhältlich.

Sonntag, den 4. Mai 2014, 11 Uhr: Magret Eicher im Gespräch mit Constanze Musterer

Margret Eicher. Neuer Adel
bis 10. Mai 2014

P 103 Mischkonzern
Potsdamer Straße 103
10785 Berlin
täglich geöffnet von 9 bis 24 Uhr
http://p103.de


Dr. Barbara Borek

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