(Einspieldatum: 02.05.2014)

Kunstwerke im Dialog - Die 8 der Wege: Kunst in Beijing


bilder

He Xiangyu, The Death of Marat, 2011, silicon, hair, textile, 175 x 50 x 35 cm, ProWinko Collection NL; Courtesy ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN I BEIJING

Ai Weiwei ist schon da – wenn auch in einer ganz anderen Position, als in seiner großen Ausstellung im Gropius-Bau. Hier liegt er mit dem Gesicht auf dem Betonboden, in Lebensgröße, jedoch bewegungslos. Die männliche Figur aus Silikon mit dem Titel "The Death of Marat" ist eines der Exponate in den Uferhallen und Teil einer spannenden Ausstellung zur chinesischen Kunstszene.

Marat ist als tragische, durchaus ambivalent zu sehende politische Figur in die Geschichte eingegangen – der 1986 geborene Künstler He Xiangyu wagt sich mit seiner Arbeit aus dem Jahr 2011 an eine kritische Auseinandersetzung mit dem derzeit bekanntesten Künstler Chinas. Xiangyu lebt und arbeitet in Beijing, wird vertreten von der Galerie Alexander Ochs und ist einer der jungen, vielfältigen Künstler der chinesischen Hauptstadt, die in den Berliner Uferhallen im Wedding präsentiert werden.

Das Kuratorenteam bestehend aus Guo Xiaoyuan (Kuratorin, Kunstkritikerin und -managerin, seit 2010 als stellvertretende Direktorin des Minsheng Art Museums in Shanghai tätig) sowie den Berlinern Künstlern Thomas Eller und Andreas Schmid, die u.a. auch als Kuratoren tätig sind, zeigt Einblicke in die zeitgenössische junge Kunstszene Beijings. Gut ausgebildet an hervorragenden Akademien, suchen und erfinden sich die Kunstschaffenden in den gesellschaftlichen Veränderungen immer wieder neu, arbeiten in unterschiedlichen Medien und im Dialog mit "Ordnung und Chaos". Andreas Schmid, der selbst längere Zeit in China lebte und dort u.a. Kalligraphie studierte, hat seit über 30 Jahren Kontakte zur chinesischen Kulturszene aufgebaut und besuchte mit seinen Kollegen monatelang Ateliers und Werkstätten. 23 Künstler folgten ihrer Einladung, an der Berliner Ausstellung "Die 8 der Wege: Kunst in Beijing." teilzunehmen.

Zhao Zhao, Euro, 2007, suite of 4 prints, no. 3 photography 60×90 cm, courtesy of ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN I BEIJING

"Der rätselhafte Ausstellungstitel meint sowohl unsere eigene kuratorische Reise wie auch die künstlerischen Ansätze, die wir auf unseren Wegen entdeckt haben“, erläutern die Kuratoren. "Wir haben Künstler einer Generation kennengelernt, die sich neue Möglichkeiten, ja auch Freiheiten erarbeitet haben und uns ein bisher unbekanntes China zeigen." Initiiert wurde die sehenswerte Ausstellung, die jedoch nicht den Anspruch eine Überblicksausschau erhebt, von der Gesellschaft für Deutsch-Chinesischen kulturellen Austausch e.V. Deren Vorsitzende, Professor Yu Zhang, betont die Bedeutung der 2008 gegründeten Institution, die mit vielen Austauschprogrammen eine kulturelle Brücke zwischen den beiden Ländern und Kulturen schlägt. Anlass war die 20jährige Städtepartnerschaft von Peking und Berlin, Schirmherren der Schau sind der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der chinesische Botschafter Shi Mingde.

Die Kunstwerke für sich sprechen zu lassen, auch dies ein Anliegen der Kuratoren, die den Besuchern vor allem Möglichkeiten eröffnen wollen, sich ganz auf diese Sprache einzulassen. So wurde die Eingangssituation von dem in England und China aufgewachsenen Künstlers Colin Siyuan Chinnery gestaltet. Seine Installation "Aftersounds" (2014) gleicht einem engen Korridor, es ist wenig sichtbar und viel hörbar. Rauchschwaden vernebeln die Sicht, während Klänge aus den historischen Hutongs in Beijing "raus aus Berlin, durch die engen Gassen des alten Pekings“ in die Ausstellung begleiten. Chinnery sammelt und sortiert seit einigen Jahren charakteristische Töne und Geräusche, vom Schuhmacher, Bäcker oder Latrinenreiniger, die vom Vergessen bedroht sind und im akustischen Archiv des Museums in Shijia-Htong gesammelt werden.

Auch die Fotografien des Konzeptkünstlers Zhao Zhao (u.a. Euro, 2007), Videoinstallationen von Sun Yuan und Peng (z.B. If seeing is not an option, 2013, single-channel video, 9´02) oder Artefakte von Wang Sishun sind Beispiele für Künstlerpersönlichkeiten, die sich – anders als in den gängigen westlichen Vorstellungen – durchaus im Spannungsfeld von Öffentlichkeit und Privatheit bewegen können.

Wang Sishun, Uncertain Capital, 2009 – until now sculpture cast from 1 Yuan coins, 20×20×20 cm, 61 kg courtesy of Wang Sishun and Long March Gallery

In seiner Arbeit Uncertain Capital (2009 bis heute) analysiert Wang Sishun Geldströme. Der gezeigte Metallwürfel wiegt rund 120 Kilogramm und besteht aus so vielen eingeschmolzenen 1-Yuan-Münzen, wie sie der Erlös einer früheren Version der Arbeit erbracht hatte. Aus diesem Erlös entsteht der nächste Würfel, ein "working process", mit dem der Künstler Transformationsprozesse thematisiert, einen ironisch-kritischen Blick auf das Kunstgeschäft und die Autorenschaft wirft.

Um einen fundierten Einblick in die Vielfalt der Kunstszene Beijings zu erhalten, abseits der Konzentration, vielleicht auch Reduktion aus westlicher Sicht auf das Werk von Ai Weiwei, sind "Die 8 der Wege" nicht nur eine Option, sie sind ein MUSS.

Es ist ein Katalog im Nicolai Verlag Berlin erschienen, er ist zum Preis von 24,95 Euro auch in den Uferhallen erhältlich. Die Ausstellung wird von einem Filmprogramm begleitet, jeden Mittwoch um 19.00 Uhr, vom 7. Mai bis zum 9. Juli. Führungen durch die Uferhallen finden jeweils sonntags um 15 Uhr statt.

Die 8 der Wege – Kunst in Beijing
bis 13. Juli 2014

Uferhallen
Uferstraße 8
13357 Berlin

Mi – Sa 13 – 20
So / Feiertage 11 – 18
http://www.die8derwege.info

Dr. Barbara Borek

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