Berlin Daily 28.01.2021
Hybrid Talks »Natur«

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Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnung an Hans Scheib

von Theresa Hartherz (08.06.2014)
vorher Abb. Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnung an Hans Scheib

HANS SCHEIB, Selbst. 1980, Kaltnadelradierung

Bis auf die Flure sammelten sich die Besucher Mitte Mai in der Galerie Parterre Berlin. Anlass war die Verleihung des 9. Egmont-Schaefer-Preises für Zeichnung an Hans Scheib (*1949).

Ein Künstler, der seine Bekanntheit vor allem wegen seiner Holzskulpturen erlangte, mag als Gewinner eines Preises für Zeichnung zunächst überraschen. Jedoch nehmen die Kaltnadel-Arbeiten, für die Scheib den Preis erhielt, einen nicht zu verachtenden Platz in dessen Schaffen ein. Die Galerie Parterre nahm die Preisverleihung zum Anlass, das umfassende Werk auf die Selbstporträts zu konzentrieren und so, wie Christoph Tannert (Künstlerischer Leiter des Künstlerhaus Bethanien) bei der Eröffnung treffend formulierte, das “Hier-Sein” des Künstlers nach überstandener Krankheit zum Thema werden zu lassen.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der zahlreichen Selbstbildnisse Scheibs seit den späten 1970er Jahren. Auf gleicher Höhe hängend schlängeln sie sich bis in die Ecken des Galerieraumes und betonen damit die Fülle, in welcher sie vorhanden sind.
Neben Künstlerbüchern und den Kaltnadel-Arbeiten sind außerdem einige aquarellierte Zeichnungen zu sehen, die vor allem in ihrer Farbgebung und Linienführung auf eine intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Werk Egon Schieles schließen lassen.

Die expressive Linienführung Scheibs zieht sich durch die gesamten Arbeiten hindurch. Flüchtig und energisch skizzieren die tiefschwarzen Linien die Selbstporträts, dokumentieren Scheibs Erscheinung über Jahrzehnte hinweg. Nahezu alle muten düster an. Die Linienführung unterstützt dies, scheint fast aggressiv, erinnert an Korrekturen, an Übermalungen. In den meisten Arbeiten dominiert die Dunkel- über die Helligkeit. Das Schwarz wirkt formgebend und -auflösend zugleich. Aus diesem Kräfteverhältnis bricht vor allem das Porträt vom 12.12.2013 heraus, in dem der helle Untergrund die klaren, schwarzen Konturen auszufüllen vermag.

Es bleiben aber die offenen Konturen, genauso wie die energische Linienführung, die typisch für Scheibs Arbeit sind und so eine Verbindung zu seinen Holzskulpturen schaffen. Die grobe Bearbeitung des Holzes und die dynamische Nutzung der Kaltnadel machen die kraftvolle Einwirkung des Künstlers auf das Material sichtbar. Die Skulpturen des in Berlin aufgewachsenen Scheib rufen jene der “Brücke”-Expressionisten ins Gedächtnis, zeigen dabei aber eine eigene Formensprache. Unmittelbar und intensiv, teils verstörend skurril, manchmal auch ironisch machen sich die Arbeiten Leid und Schmerz zum Thema. Zum Verharren in ihrer Position gezwungen, scheinen die Figuren ständig von Vergänglichkeit bedroht.

Der in Potsdam geborene Hans Scheib, der an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden ein Bildhauerstudium absolvierte, arbeitete zunächst in Ost-Berlin als freiberuflicher Bildhauer, bis er 1985 nach West-Berlin übersiedelte. 1995 erhielt er gemeinsam mit Hella Rolfes, Christine Jackob-Marks und Reinhard Stangl den ersten Preis beim Wettbewerb "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" und engagiert sich für das Listros-Projekt, das sich für die Ausbildungsmöglichkeiten äthiopischer Jugendlicher einsetzt.

Die umfassende Ausstellung kann noch bis zum 6. Juli in der Galerie Parterre Berlin besichtigt werden.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 13 – 21 Uhr, Donnerstag 10 – 22 Uhr
Sonderöffnungszeiten an Feiertagen

Galerie Parterre
Danziger Straße 101, Haus 103
10405 Berlin
galerieparterre.de

Theresa Hartherz

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