(Einspieldatum: 18.05.2017)

„Wir müssen uns streiten“ - kulturelle Integration und Zusammenhalt

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Keyvisual Kulturelle Integration

Zwar seien es keine 95 Thesen wie bei Luther, sondern nur ein Bruchteil, scherzte Monika Grütters. Dennoch liege ein „heftiges Ringen um eine gemeinsame Vorstellung“ hinter den 28 Beteiligten der Initiative kulturelle Integration, betonte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Sie zitierte Kurt Tucholsky, demnach die Deutschen nie so außer sich gerieten, wie wenn sie zu sich kämen.

Am Dienstag stellte die Initiative in der Stiftung Brandenburger Tor ihre 15 Thesen zum „Zusammenhalt in Vielfalt“ vor, die sie anschließend Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichte. Als „Meilenstein“ bezeichnete Grütters diesen Schritt in die gemeinsame Zukunft, den BürgerInnen in Vereinen, Initiativen und Verbänden, Kultur- und Bildungseinrichtungen, in Kirchen und Religionsgemeinschaften, bei den Sozialpartnern, in den Medien, in den Städten und Landkreisen gemeinsam gegangen sind. Angesichts der verschiedenen, manchmal divergierenden Interessen und Befindlichkeiten eine Quadratur des Kreises, so sollte man meinen.

Entsprechend groß war die Neugierde auf das Ergebnis. Der Raum war berstend voll, viele Besucher – darunter zahlreiche prominente Vertreter aus Politik und Kultur – mussten zur Live-Übertragung in den unteren Stock des Liebermann-Hauses ausweichen.

Auslöser für die Initiative kulturelle Integration war ein Disput zwischen Olaf Zimmermann, dem Moderator der Initiative kulturelle Integration und Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, und Bundesinnenminister Thomas de Maizière über den leidigen Begriff „Leitkultur“.

Der Minister machte noch einmal klar, dass der Terminus, der bei vielen Bürgern negative historische Assoziationen geweckt und so eine Welle der Empörung ausgelöst hatte, ebenso durch „Richtschnur“ oder „einendes Band“ ersetzt werden könne. Jedoch betonte er, dass das Grundgesetz, das laut These 1 die Grundlage für das Zusammenleben der Menschen in Deutschland bildet, nicht ausreiche, um gutes Zusammenleben zu definieren. „Werte wie Höflichkeit, Respekt, Streitbereitschaft und Toleranz, die jedem gut zu Gesicht stehen, atmet unser Grundgesetz zwar, fordert sie aber nicht ein.“

Voraussetzung dafür, dass die Einwanderer unsere Lebensgewohnheiten übernehmen könnten, sei es, die kulturellen Gepflogenheiten zu formulieren, einen eigenen Standpunkt zu definieren. Dazu bedürfe es einer gesunden Streitkultur. „Vieles müssen wir aushalten“, warnte er, keinesfalls jedoch dürfe Liberalität mit Gleichgültigkeit gleichgesetzt werden. Die Debatte dürfe nicht vom Ergebnis her gedacht werden, sie selbst sei das Ziel.

„Wir müssen uns streiten“, forderte auch Aydan Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, die in Deutschland eine „Narrative für eine Geschichte der Vielfalt“ vermisste, während Thorben Albrecht, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, vor allem den Wert der Arbeit als Kulturgut hervorhob – und zwar für die gesamte Gesellschaft. „Vorurteile gegenüber Fremden fruchten oft da, wo es soziale Probleme gibt.“

Die 15 Thesen zum „Zusammenhalt in der Vielfalt“ liegen vor, nun gelte es, sie zu verbreiten, betonte de Maizière. Wie steinig der Weg jedoch werden kann, blitzte bereits in der Diskussionsrunde „Wie hältst Du es mit der Religion oder gesellschaftlichem Zusammenhalt“ auf, an der neben dem Innenminister Vertreter der großen monotheistischen Glaubensgemeinschaften in Deutschland teilnahmen. So besagt These 4, dass Religion auch in den öffentlichen Raum gehöre, dass Religionen in der Öffentlichkeit sichtbar auftreten und aktiv am öffentlichen Leben mitwirken dürften.

Moderator Hans Jessen fragte die Diskussionsteilnehmer nach dem jeweiligen Wunschpartner aus der Runde. Sympathie spiele eine untergeordnete Rolle, erklärte Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden. Er wandte sich spontan Aiman Mazyek, Vorsitzendem des Koordinationsrates der Muslime, zu: „Aber wir sollten reden“.

Mehr zu den Thesen: http://kulturelle-integration.de/thesen/

Inge Pett

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„Wir müssen uns streiten“ - kulturelle Integration und Zusammenhalt
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