(Einspieldatum: 20.07.2017)

Ich und die Steckdose - Fotografien von Christiane Seiffert

Tableaux vivants. Fotografien von Christiane Seiffert


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Christiane Seiffert, Müde Pflanze, 2005, Ed. 11/30, 15 x 20 cm, Courtesy Haus am Waldsee

Kinder imitieren die Welt der Erwachsenen, erlernen Verhaltensmuster und entwickeln ihre eigene Sicht auf die Welt. Im Mittelpunkt der Orientierung stehen andere Menschen. Doch sind nicht auch Gegenstände, Architektur, Tiere oder Pflanzen nachahmenswert? Ja, unbedingt - den Beweis dafür liefert Christiane Seiffert (*1950 Lübeck).

In der Ausstellung „Tableaux vivants. Fotografien von Christiane Seiffert“ (20.7. - 9.9.2017) werden die Bilder der Künstlerin in den vorläufigen Räumlichkeiten des Haus am Waldsee im Bikini Berlin gezeigt. Bis zum 15.06.2018 wird die Ausstellungsvilla in Zehlendorf saniert und erweitert, sodass die Galerie aktuell auf der Dachterrasse des Bikini-Hauses Standort für weitere Ausstellungen ist. Christiane Seiffert macht den Anfang einer geplanten Reihe aus Ausstellungen, Künstlertalks und Buchvorstellungen.

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Raumansicht, Foto: Olga Potschernina

Mit viel Witz und Charme stellt die Künstlerin für die Ausstellung Postkarten oder eigene Fotografien nach, welchen sie das dazugehörige Selbstporträt gegenüber stellt, darauf zu sehen: Gegenstände, die auf den ersten Blick nicht zum Nachahmen geschaffen sind. Durch diese absurde Idee entwickeln die Arbeiten ihre eigene Komik, lassen das Alltagsleben in einem anderen Licht erscheinen, voller Ironie und Fantasie, erinnern entfernt an die Fotografien von Anna und Bernhard Blume.

Seiffert studierte Musik in Bremen und Berlin und widmete sich schon 1988 bei ihrer Performance „Barlach vor- und nachgestellt“ der Nachahmung von Gegenständen - in dem Falle Skulpturen.

Im Bikini Berlin gibt es nun zum Beispiel ein Foto einer stinknormalen Doppelsteckdose zu sehen - in jedem Haushalt vorzufinden. Auf der Fotografie ist die obere Steckdose frei, in der unteren steckt ein graues Kabel - nichts Besonderes. Doch daneben hängt das Porträt der Künstlerin - mit Brille und weit aufgerissenen Augen schaut sie in die Kamera, ihr Körper ist eingewickelt in ein graues Tuch, nasse Haare hängen herunter - wie frisch aus der Dusche. Siehe da, schon stellt sich ein anderer Blick auf die Steckdose ein - die Löcher für den Stecker werden zu Augen, die einen anschauen - die Steckdose ist zum Leben erwacht. Nasse Haare und Steckdosen vertragen sich zwar nicht - die Gegenüberstellung in ihrer Absurdität sehr wohl.

Auf dem Foto “Müde Pflanze” welkt eine solche im Topf vor sich hin. Wieder als Pendant die Fotografie der Künstlerin - auch sie lehnt an der Wand, der Arm hängt als Verlängerung in der Luft. Der Blick schweift ins Nichts, der Mund steht offen - durstig und erschöpft, wie die Pflanze. Schon will man beiden zur Hilfe eilen.

Ein weiteres Thema der Künstlerin ist das Nachahmen von Kunstwerken. Für die Interpretation von „Grave Art“ (1920) von Wassily Kandinsky setzte Seiffert sich an einen runden Tisch, geschmückt mit blauer Indianerfeder um den Kopf. Melancholisch schaut sie auf ihren Teller, rundherum selbstgebastelte Gebilde, eine unechte Blume auf einem Stab - plötzlich ist diese auch in Kandinskys Werk zu erkennen.

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Raumansicht, Foto: Olga Potschernina



Das sind nur einige wenige Interpretationen der Bilder in der Ausstellung und alle bringen sie den Betrachter doch wenigstens zum Schmunzeln. Es ist Seifferts ganz eigene Sicht auf die Dinge der Welt, eine die auch das Einfache bemerkt und das alltägliche umdeutet - sei es die Steckdose zu Hause, die eingehende Topfpflanze oder auch der Berliner Fernsehturm.

Tableaux vivants. Fotografien von Christiane Seiffert
20.07. - 09.09.2017

Bikini Berlin
Budapester Strasse 46
10787 Berlin
hausamwaldsee.de


Olga Potschernina

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Ich und die Steckdose - Fotografien von Christiane Seiffert
Ausstellungsbesprechung: Kinder imitieren die Welt der Erwachsenen, erlernen Verhaltensmuster und entwickeln ihre eigene Sicht auf die Welt.

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