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(Einspieldatum: 20.12.2017)

Kinosaal statt Museumsraum: Videoart at Midnight

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Courtesy Videoart at Midnight

Videokunst im Ausstellungsraum stellt immer eine Herausforderung dar. Für Ausstellungsmacher*innen, weil der Sound nicht die gesamte Ausstellung beherrschen aber trotzdem die ungeliebte Lösung mit Kopfhörern vermieden werden soll. Elegant aber teuer löst eine sogenannte „Klangdusche“ mit punktueller Beschallung das Problem, da hier der Sound nur direkt unter den Lautsprechern hörbar ist. Meistens werden Videoarbeiten jedoch in separierten Black Boxes gezeigt, die allerdings viel Platz in Anspruch nehmen – ein weiteres Problem. Für Besucher*innen besteht die Herausforderung in der Rezeption dieses zeitbasierten Mediums: Kaum einen Film sieht man von Anfang bis Ende, weil man entweder mittendrin dazustößt oder in größeren Ausstellungen gar nicht die Zeit und Konzentration aufbringen kann, alle Videoarbeiten komplett anzuschauen. So bekommt Videokunst im Ausstellungsraum oft nicht die verdiente Aufmerksamkeit.

Eine gänzlich andere Rezeption erfahren Videoarbeiten, wenn sie aus dem Ausstellungsraum heraus geholt und in den Kinosaal transferiert werden. Vor allem als Rahmenprogramm zu Einzelausstellungen bieten Museen diese Möglichkeit immer häufiger an, prädestiniert dafür sind Langfilme wie etwa von Harun Farocki, Omer Fast oder Clemens von Wedemeyer. Auch im Rahmen von Filmfestivals werden in Kinosälen vielfach Videoarbeiten gezeigt, die ebenso bereits im Ausstellungskontext präsentiert wurden. Dass sich auch Künstler*innen mit dem oft fließenden Kontinuum zwischen Videokunst und Kinofilm auseinandersetzen, zeigt Julian Rosefeldt, der aus seiner breit rezipierten Installation „Manifesto“ mit Cate Blanchett einen Kinofilm entwickelt hat.

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links: Ivo Wessel / rechts: Olaf Stüber, Courtesy Videoart at Midnight

Das Format „Videoart at Midnight“ entstand 2008 als Antwort auf die genannten Herausforderungen. An je einem Freitag im Monat laden Olaf Stüber und Ivo Wessel eine Künstlerin oder einen Künstler ein, um Mitternacht ihre Videoarbeiten auf großer Leinwand im Babylon-Kino gegenüber der Volksbühne zu zeigen. Nach einer kurzen Einführung vonseiten der Gastgeber und des Künstlers oder der Künstlerin heißt es dann „Film ab“. Anders als in einer Ausstellung sind die Besucher*innen dabei im Dispositiv Kino platziert, sie wandern nicht von einem Werk zum nächsten, sondern konzentrieren sich voll und ganz auf das, was auf der Leinwand passiert – von Anfang bis Ende. Nicht nur die riesige Leinwand und Soundausstattung im Kino, auch das Flair zu später Stunde sorgen für eine ungewohnte und eigenwillige, aber sehr intensive Auseinandersetzung mit der gezeigten Videokunst.

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film still: Pola Sieverding – The Epic, 2016, © Pola Sieverding, Courtesy Videoart at Midnight

Ohne den übergeordneten Kontext einer Ausstellung oder eines kuratierten Filmfestivals steht in diesem Format das Werk alleine im Mittelpunkt. Stüber und Wessel setzen dabei auf Niederschwelligkeit: „Admission is free and everybody is welcome.“ Am letzten Freitag fand bereits die 90. Ausgabe von „Videoart at Midnight“ statt. Nach Stefan Panhans, Mathilde ter Heijne, Antje Majewski, Douglas Gordon, Hito Steyerl, Marcel Odenbach, Candice Breitz, Hiwa K oder Agnieszka Polska stellte die deutsche Künstlerin Pola Sieverding vier ihrer Arbeiten vor. Aufgrund einer Kooperation mit „The Berlin Sessions“ wurde die Künstlerin diesmal ausnahmsweise von einem anderen Künstler, nämlich Gregor Hildebrandt, ausgewählt. Bei dieser Reihe der KW Institute for Contemporary Art porträtieren Berliner Künstler*innen andere Künstler*innen, um Netzwerke von Kulturschaffenden der Stadt sichtbar zu machen. Zu sehen waren Sieverdings „Girls with Guns“ (2004), Ausschnitte von „Face to Face“ (2010), „Close to Concrete“ (2011) und „The Epic“ (2016). Vor allem in der letzten Arbeit, in der Sieverding zwei Boxer im dramatischen Oberlicht in dunkler Umgebung während eines Kampfes in Zeitlupe zeigt, offenbaren sich die Vorzüge der Präsentation auf einer Kinoleinwand: Gebannt verfolgen die Zuschauer*innen, wie die nackten Oberkörper als physikalische Objekte in Szene gesetzt werden und sich die Energie der Schläge auf die wabernde Muskelmasse überträgt. Wer sich für Videokunst interessiert, dem bieten Stüber und Wessel auch im kommenden Jahr die Gelegenheit, sie im Rahmen von „Videoart at Midnight“ auf der großen Leinwand neu zu sehen.

Ende 2018 wird Videoart at Midnight übrigens gemeinsam mit allen Künstlern und Künstlerinnen, die in den letzten 10 Jahren zu Gast waren,"10 Jahre Videoart at Midnight" feiern und ein Festival zum Jubiläum organisieren.

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kw-berlin.de

Anna Wegenschimmel

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