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B3 Biennale

(Einspieldatum: 26.05.2004)

Interviewserie: Berliner Galerien vorgestellt: [DAM] - Digital Art Museum

bilder

[DAM] - Digital Art Museum

Ausstellungsmacher: Wolf Lieser

Gründungsjahr: [DAM] März 2003 / Digital Art Museum ab 2000 im Internet ( dam.org )

Schwerpunkt des Ausstellungsraumes: "Digitale Kunst"

Aktuelle Ausstellung: "space.color.motion" mit Arbeiten von Manfred Mohr, 30.04. bis 22.06.04, (Di-Fr 12-18Uhr; Sa 12-16Uhr)

Nächstes Projekt: [DAM] in Kooperation mit dem Sony - Center Berlin: "Screening Digital Animation und Softwarekunst", mit Arbeiten von Gerhard Mantz, Manfred Mohr, Holger Lippmann. Eröffnung: 8. Juli 04 – 18.00Uhr, täglich zu sehen jeweils 12.00, 15.00Uhr und 18.00Uhr. Wechselndes Programm aller 2 Monate.

1. Was war Ihre Motivation eine Galerie zu gründen?

Wolf Lieser: Ursprünglich war ich selbst künstlerisch tätig. Parallel dazu habe ich im Bereich Management und Verkaufstraining gearbeitet, was mir genau so viel Spaß machte. Dabei fiel mir auf, dass es einen viel größeren Mangel an guten Vermittlern gab als an guten Künstlern. Übrigens geht mir das heute noch so, dass ich auf hervorragende Künstler stoße, die seit 10 oder 20 Jahren künstlerisch arbeiten, aber in keiner vernünftigen Galerie vertreten.

Als Vermittler fing ich (mit einer Partnerin) zunächst an, Kunstprojekte mit Künstlern in Unternehmen umzusetzen. Dabei drehte es nicht um das reine Art-Consulting, sondern um die Entwicklung von Ideen, die Synergien im Unternehmen freisetzen - gleich ob auf dem Gebiet des Marketings oder bei PR-Konzepten oder bei der Ausstattung mit Bildern. Es hat sich gezeigt, dass man sich durch veränderte Strukturen - auch ohne den Rückgriff auf den etablierten Markt - immer wieder ein neues Publikum erschließen kann, und das ist sehr spannend. Darin sehe ich auch immer noch ein Riesenpotenzial. Jedenfalls macht mir meine jetzige Tätigkeit so viel Spaß, dass ich den Abbruch meiner künstlerischen Karriere bis heute nie bereut habe.

2. Ihre Erinnerungen an Ihre erste Ausstellung?

Wolf Lieser: Naja ! Ich stellte einen Künstler aus England aus, der mit Airbrush fotorealistische Arbeiten machte. Das Konzept war, dass wir uns außerhalb der etablierten Ausstellungsorte Locations gesucht haben, um die Kunst nur über einen kurzen Zeitraum vor Publikum zu zeigen, um so eine größere Aufmerksamkeit zu erzielen. Das klappte auch ziemlich gut, aber zwischen damals und heute liegen Welten.

3. Gibt es für einen Galeristen die "perfekte Ausstellung"?

Wolf Lieser: Die perfekte Ausstellung? Darüber habe ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht. Es gibt für mich eher eine schlüssige Ausstellung bzw. schlüssige Konzepte, die funktionieren. Das wäre dann wahrscheinlich nahe einer perfekten Ausstellung. Als Galerist hat man es natürlich auch immer mit einem heterogenen Publikum zu tun, so dass eine perfekte Ausstellung nahezu unmöglich ist. Auch große Ausstellungen werden ja von professioneller Seite meist sehr unterschiedlich beurteilt.

4. Welche Auswirkungen hat das Internet auf Ihre Tätigkeit als Galerist?

Wolf Lieser: Bei der Beschäftigung mit digitaler Kunst ist das Internet natürlich nahe liegend. Das "Digital Art Museum" war der erste virtuelle Ort weltweit, der kunsthistorische und archivarische Informationen über digitale Kunst sammelte und zur Verfügung stellte. Damals lebte ich noch in London und fand mit dem "Digital Art Museum" die Unterstützung zweier Universitäten aus London und Brighton.
Zwar gab es bereits die Ars Electronica oder später das ZKM in Karlsruhe, hier konzentrierte man sich jedoch hauptsächlich auf zeitgenössische Tendenzen. Häufig wurde gezeigt, was die Technik alles leisten kann. Sich aber bspw. über die theoretische Herleitung oder die verschiedenen ästhetischen und konzeptionellen Ansätze oder auch über inhaltliche Aspekte digitaler Kunst zu informieren, war sehr schwierig. Das der Bedarf jedoch in dieser Hinsicht sehr groß ist, zeigt die weltweite Resonanz auf die Website dam.org, ob das die Zulu-Universität in Südafrika ist oder eine Institution aus Malaysia.
Natürlich spielte beim "Digital Art Museum" auch der Kostenfaktor eine Rolle: zwar ist eine Website, in dieser Qualität nicht gerade billig, aber immer noch günstiger als "ein Gebäude hinzustellen." Zum Konzept gehört übrigens auch, dass es sich um eine Non-Profit-Site handelt, Sie werden nirgendwo auf der Seite die Möglichkeit finden, einen "Einkaufskorb zu bestücken" oder Gebühren für Informationen zu bezahlen.
Ein weiterer Faktor war die Beobachtung, dass ein Teil meiner Kunden oder meiner potentiellen Kunden wenig Zeit haben ins Museum zu gehen. Das heißt, die Leute haben oft Jobs, die wenig Zeit übrig lassen. Hier sah ich eine Chance, diesem an digitaler Kunst interessierten Publikum einen Zugang zu ermöglichen, sich über das Medium zu informieren. Dennoch ist es natürlich auch wichtig für die Kunden einen Ansprechpartner zu haben. So gehört es weiterhin zum Konzept, Locations aufzumachen wie hier in Berlin das [DAM]. Nach Berlin sollen weitere folgen, aber zunächst muss sich das Projekt tragen und funktionieren, um dann von anderen Städten übernommen werden zu können.

5. Welche Erfahrungen machen Sie hier in Berlin - unter den gegebenen konjunkturellen Umständen - mit der Vermittlung und dem Verkauf von Kunst?

Wolf Lieser: Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich das Projekt hier in Berlin besser etabliert als ich es zunächst erwartet hatte, und ich bin mir weiterhin sicher, dass sich die digitale Kunst durchsetzen und ihre Position neben den anderen behaupten wird. Allerdings baute ich von Beginn an nicht darauf, allein von der Berliner Käuferszene zu leben. Aber hier vor Ort hat sich mittlerweile in Bezug auf digitale Kunst einiges getan, so wächst z.B. die Resonanz von Museen oder Kunstvereinen.
Was mir außerdem positiv auffällt, ist der Sog, den die Stadt auf ein internationales Publikum ausübt. So kommen Leute, die dam.org kennen und sich mit dem Thema beschäftigen, gezielt nach Berlin in die Ausstellungsräume. Das erhöht natürlich die Attraktivität Berlins als Standort. Berlin ist vielleicht sogar in Bezug auf die Vermittlung junger innovativer, zeitgenössischer Kunst interessanter als London, das zumindest vom Publikum her eher konservativ ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Adresse:
Tucholskystr. 37 | 10117 Berlin | Tel: 28098 135 | mail: berlin@dam.org
dam.org

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