(Einspieldatum: 19.04.2005)

Raffinierter überleben: das Projekt Produkt & Vision -

"Früher wurde Akt gezeichnet – heute guckt man sich eine Organisation an...", meint Henrik Schrat, Künstler und einer der Projektleiter von >Produkt und Visionen<.
Die Organisation, um die es in diesem Fall geht, ist der Cornelsen Verlag für Bildungsmedien. Im transdisziplinären Projekt >Produkt und Visionen< soll das Unternehmen aus verschiedenen Blickpunkten unter die Lupe genommen werden. Dabei erhoffen sich sowohl die am Projekt beteiligten Künstler, als auch die teilnehmenden Personen aus Wirtschaft und Wissenschaft neue Einblicke über die Parallelen und Unterschiede zwischen künstlerischem und unternehmerischen Handeln.

Nach zwei Jahre dauernder Vorarbeit fiel am 18.04.2005 mit dem Arbeitstreffen der beteiligten Parteien der "Startschuß" des Projektes. Erste Gesprächsergebnisse und das Projekt selbst wurden am Abend in der Kunstfabrik am Flutgraben e.V. vorgestellt. Moderiert wurde die Diskussion von Thomas W. Eller (Chefredakteur artnet). Auf dem Podium saßen Irina Pächnatz (Cornelsen Verlag für Bildungsmedien), Inis Klinger (osb-i, Systemische Organisationsberatung), Henrik Schrat (Projektleiter, Künstler) und Mari Brellochs (Projektleiter, Künstler, Vorstand Kunstfabrik am Flutgraben).

Für Schrat ist künstlerische Produktion ist immer schon reflektierte Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben. Wer die Strukturen unserer Gesellschaft näher betrachtet, kommt an ökonomischen und sozialen Prozessen nicht vorbei. Die >Produkt und Visionen< - Künstler verstehen Unternehmen als Arbeitsbereich: "Wir definieren Unternehmen vorläufig als eine unideologische Experimentierfläche, als Ort verschiedener Tätigkeiten, die sowohl in der Wirtschaft aufgrund wirtschaftlicher Ziele als auch in der Kunst aufgrund künstlerischer Ziele Profit, Sinn und Innovation erzeugen können." Als "Beuys Enkel" geht es den Künstlern um Vorschläge zur Veränderung und Verbesserung eines Unternehmens.

Cornelsen dient ihnen dabei als Modellunternehmen, welches die Künstler näher untersuchen wollen. Dabei werden weder eine neue Marketingstrategie noch eine Unternehmensberatung im herkömmlichen Sinne werden angestrebt. Auch soll kein konkretes Problem im Verlag gelöst werden. Cornelsen erhofft sich vielmehr neue Sichtweisen bzw. eine Loslösung von gewohnten Arbeits- und Produktionsprozessen. Als Gegengewicht zur künstlerischen Position wird die Organisationsberatung osb-i das Projekt mit kommunikativer Kompetenz und Organisationstheorie unterstützen - Vogelperspektive als Mehrwert!
Aus all diesen Vorgängen soll am Ende eine Ausstellung "herausdestilliert" werden sowie ein Reader und Katalog erscheinen. Über die Website produktundvision.com haben zudem alle Beteiligten und Interessierten die Möglichkeit, sich selbst einzubringen und auf Verlauf und Ergebnis von >Produkt & Vision< Einfluss zu nehmen.

Ob dieses eher ungewohnten Betätigungsfeld des Künstlers, wollte Thomas Eller die Diskussion immer wieder auf die Definition eines dem Projekt entsprechenden Kunstbegriffes lenken. Doch keiner der anwesenden Künstler ließ sich darauf ein. >Projekt und Vision< soll nicht als Kunstprojekt verstanden werden, sondern einen Erfahrungs- und Informationsaustausch mehrerer verschiedener Bereiche darstellen. Mit der Verneinung des Kunststatus verblasst auch der Vorwurf, daß sich die Kunst an die Wirtschaft verkaufe. Zwar geht es um Profit, doch nicht in finanzieller, sondern kultureller Hinsicht.

Ob >Projekt und Visionen< tatsächlich eine Alternative zum "raffinierten Überleben" darstellt bleibt abzuwarten. Vielleicht aber ist allein in der prozeßhaften Annäherung von scheinbar so verschiedenen Welten ein Gewinn zu verbuchen.






Stefanie Ippendorf

weitere Artikel von Stefanie Ippendorf




Kataloge/Medien zum Thema: Produkt und Visionen

top

Titel zum Thema Produkt und Visionen:

Raffinierter überleben: das Projekt Produkt & Vision -
Über die Schnittstellen zwischen Kunst und Wirtschaft
"Früher wurde Akt gezeichnet – heute guckt man sich eine Organisation an...", meint Henrik Schrat, Künstler und einer der Projektleiter von >Produkt und Visionen<.

top

zur Startseite





Berlin Karte Galerie Ausstellungen

Berlin Daily 20.10.2017
Installatives Konzert
20.30 Uhr: mit Maximilian Marcoll und Annie Garlid + „Amproprification #7: Weiss / Weisslich 17c, Peter Ablinger“ im Rahmen der Gruppenausstellung ECHOES
rk - Galerie, Möllendorffstraße 6 in 10367 Berlin

Anzeige
Atelier

Anzeige
berlin


Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Dorothée Nilsson Gallery




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
ART LABORATORY BERLIN




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Verein Berliner Künstler




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
ifa-Galerie Berlin




Anzeige Galerie Berlin

Werkabbildung
Alfred Ehrhardt Stiftung