Mihut Boscu Kafchin, DNA & Electric Circuits in Space, 2013, Courtesy Art Collection Telekom
Bisher waren im Me Collectors Room, der "Präsentationsfläche" des Kunstsammlers Thomas Olbricht, meist private und internationale Kunstsammlungen zu sehen. Die aktuelle Ausstellung präsentiert nun mit der Art Collection Telekom erstmals eine Unternehmenssammlung und zeigt Positionen aus Ost- und Südosteuropa.
Die Männer sitzen auf kleinen Hockern vor einer Wand, auf die Engelsflügel gemalt sind, sie blicken selbstbewusst in die Kamera, in Arbeitskleidung, eine Zigarette im Mund. Angels with Dirty Faces (2008) nannte der kroatische Künstler Igor Grubic, geb. 1969 in Zagreb, die von ihm porträtierten Bergarbeiter und bezog deutlich Stellung gegenüber den Protagonisten der gesellschaftlichen Wandlung. Das Auseinanderbrechen der Republik Jugoslawien, die Instrumentalisierung ethnischer und religiöser Konflikte, brutale Gewalt und jahrelange Angst haben sich tief in die Gesellschaften Osteuropas gegraben. Dramatische Veränderungen in den Alltagsstrukturen und Wertesystemen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bestimmen bis heute das Gefühl der Hoffnung auf eine bessere Zukunft - kontinuierlich, doch nach wie vor äußerst fragil.
Igor Grubic, Angels with Dirty Faces, 2006, Courtesy Art Collection Telekom
Dieses Grundgefühl mehrerer Generationen, die Suche nach neuen Lebensentwürfen, die Entscheidung, welche Erinnerungen es wert sind zu bleiben, sind Hintergrund der für die Ausstellung ausgewählten Werke. So lässt die bosnische Künstlerin Šejla Kamerić, geb. 1976 in Sarajevo, in ihrer Arbeit Fragile Sense of Hope (2013) Zeichen der Belagerung ihrer Heimatstadt sprechen: mit Blattgold aufgetragene Streifen liegen gitterartig auf Glasscheiben. Sie erinnern an das Abkleben der Fensterscheiben durch die Bewohner, die es so vor dem Zersplittern schützen. Nach dem Abziehen blieben unregelmäßige Spuren, die nun als Träger des zarten Gefühls der Hoffnung sind und der Ausstellung den Titel gaben.
Sejla Kameric, 30 years after, 2006, Courtesy Art Collection Telekom
Die Art Collection Telekom ist eine junge Sammlung, seit vier Jahren fördert das Unternehmen die lokalen Kunstszenen in Ost- und Südosteuropa. Bisher wurden 150 Werke von 33 Künstlerinnen und Künstlern angekauft - Malerei, Grafik, Fotografie sowie Video und Film. Aktuelle osteuropäische Kunst ist aus der internationalen Kunstszene nicht mehr wegzudenken, seit einigen Jahren widmen ihr Museen wie die Tate Modern in London oder das Centre Pompidou in Paris sogar eigene Abteilungen.
Für Berlin hat das Kuratorenteam aus Nathalie Hoyos und Rainald Schumacher 75 Exponate ausgewählt. Sie ermöglichen einen eindringlichen Blick auf die Situation der Kunst in den traumatisierten Ländern.
Danica Dakić, geb. 1962 ebenfalls in Sarajevo, die bereits mit ihren Filmprojekten auf der documenta beeindruckte, arbeitet mit Bewohnern eines Heimes zum Schutz für Kinder und Jugendliche in der Nähe ihres Heimatortes. Mit ihrem Filmprojekt Isola Bella (2007/08) gab sie ihnen eine Bühne für ihre Träume und Hoffnungen und die Möglichkeit, von der passiven zur aktiven Rolle zu wechseln.
Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Experten- und Künstlergesprächen, Filmvorführungen sowie Angeboten für Kinder und Jugendliche ergänzt. Mit einem digitalen Museumsführer auf iPads können die Besucher zusätzliche Informationen, beispielsweise über Interviews mit den Künstlern, erhalten.
Fragile Sense of Hope
Art Collection Telekom
bis 23.11.2014
Me Collectors Room
Stiftung Olbricht
Auguststraße 68
10117 Berlin
Di-So 12-18 Uhr
me-berlin.com
Berlin Daily 13.05.2026
Panel-Talk: Zusammen wachsen
19 Uhr: über Künstlerinnen - Netzwerke. U.a. mit Christine Düwel, (GEDOK Brandenburg, IGBK), Katharina Schilling (SALOON Berlin), Zuzanna Skiba (VdBK 1867) im Rahmen der Ausstellung On Her Way. Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 B
Fragile Sense of Hope. Die Art Collection Telekom im Me Collectors Room
von Dr. Barbara Borek
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