Es ist ein junges Bäumchen, das darauf wartet, eingepflanzt zu werden. Blätterlos ragen seine Äste aus dem noch sehr dünnen Stamm, die Wurzeln sind in einem Packet verschnürt. Die Bronzeskulptur Trees & Roots #4 (2011) der luxemburgischen Künstlerin Su-Mei Tse (*1973, lebt in Luxemburg und Berlin) ist eine Metapher für die durch Fortbewegung geprägte menschliche Existenz und die Suche nach einem neuen Ort. Der für einen Neuanfang vorbereitete Baum steht außerdem für die Möglichkeit, in der Fremde ein neues Zuhause zu finden, so der kurze Text auf dem Titelkärtchen.
Die auf diese Weise positiv stimmende Skulptur ist in einer Art Zwischenraum installiert, die Besuchenden begegnen ihr nachdem sie die breiten Treppen des prächtigen Aufgangs der Kunsthalle Karlsruhe heraufgekommen sind, noch bevor sie zur Tür gelangen, die zur Ausstellung Inventing Nature führt. Interessanterweise hat Trees & Roots #4 vor Besuch der Schau eine andere Konnotation als hinterher. Doch hierzu an späterer Stelle mehr.
Anlässlich des 175. Jubiläums der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und kurz vor ihrer Schließung für umfassende Sanierungsarbeiten versammelt Inventing Nature zahlreiche Werke aus über 500 Jahren Kunstgeschichte. Werke, in denen sich unser wandelndes Verhältnis zur Natur spiegelt. Ergänzt werden die Sammlungsbestände durch zeitgenössische Positionen, so dass an vielen Stellen ein spannungsvoller Dialog entsteht: Epochen- und medienübergreifend werden immer wieder Bezüge und Verbindungen offenbar, wobei den einzelnen Werken genügend Luft für ihre ganz eigene Wirkung und den Besuchenden ausreichend Spielraum für individuelle Rückschlüsse und Assoziationen gelassen wird.







