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In unserer Reihe Reminiszenzen: Erinnerung an Uwe Büchler

von Martin Conrath (22.09.2021)


In unserer Reihe <em>Reminiszenzen</em>: Erinnerung an Uwe Büchler

Uwe Büchler, Wächter, Aquarell, 1985, Privatbesitz

Am 11.09.2006, genau fünf Jahre nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York City, dem Pentagon in Arlington, Virginia und – umgeleitet – in Stonycreek, Pennsylvania, ist Uwe Büchler, einer der Mitbegründer der Werkleitz Gesellschaft und ihr erster künstlerischer Leiter im Alter von nur 48 Jahren an den Spätfolgen einer Hepatitiserkrankung gestorben.

Uwe Büchler, geboren 1958 in Neunkirchen/Saar, studierte von 1981-89 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe Bildhauerei bei Wilhelm Loth und Michael Sandle, dessen Meisterschüler er wurde. 1989/90 kam er mit einem DAAD-Stipendium nach Wien und entwickelte ab 1991 unter dem Titel Atlantismechanismen plastische Arbeiten. Diese spiegelten die Alterungsprozesse im Meerwasser als archäologische Artefakte vor. Ihre Ironie bestand in der künstlerisch-künstlichen Überkrustung von Alltags- und Restmüllobjekten mit Sandauflagen, und ihr Arrangement geriet jeweils verblüffend museal.
1993 übernahm Uwe Büchler eine Lehrstuhlvertretung von Michael Sandle an der Karlsruher Kunsthochschule. Im gleichen Jahr taucht er als Gründungsmitglied der Werkleitz Gesellschaft (damals noch in Werkleitz an der Saale, heute in Halle an der Saale) auf und bereitete von Stuttgart aus die erste Werkleitz Biennale mit dem Titel Tapetenwechsel in Werkleitz und Magdeburg vor. 1996 bis 2000 sorgte Büchlers Arbeit als künstlerischer Leiter der Werkleitz Gesellschaft für einen grenzüberschreitenden und alle künstlerischen Sparten berücksichtigenden Respekt gegenüber allen Medien und Techniken, von denen er als Bildhauer auch eine erkleckliche Anzahl selbst beherrschte und zu präsentieren wünschte. In dieser Folge wurde 2002 die 5. Werkleitz Biennale in den Tagesthemen auch als documenta des Ostens vorgestellt.

Nach seinem Rückzug aus Werkleitz widmete Büchler sich wieder verstärkt der eigenen künstlerischen Arbeit und erhielt 2001 ein Arbeitsstipendium des Landes Sachsen-Anhalt. Der Künstler war fasziniert von seinem früh gefundenen Motiv der Wächter – mit Schutz- und Selektionsfunktionen zwischen verschiedenen Welten oder Bereichen davon ausgestattete aufrecht stehende Figurationen. Er arbeitete an deren zuerst statuarischer Auffassung, später zeichenhaft verknappt bis zu seiner letzten installativen Arbeit 2003. Darin sind die Wächter in einem horizontalen Bodenbild als flachem Relief, gebildet aus militärischen Tarnanzügen aus vielen Ländern, wiederzufinden. Angelehnt an die jeweilige Geografie und ihren Bewuchs unterscheiden sich diese Tarnungen zum Teil erheblich und widersprechen sich in ihren taktischen Aufgabenstellungen im Kontext der Installation deutlich.

Nach Abbau der Ausstellung in Magdeburg ließ Büchler diese Arbeit – auch aus ökonomischen Gründen – verschwinden, indem er die just erworbenen Uniformen selbst wiederum veräußerte. Sein künstlerisches Werk ist, bis auf die Arbeiten in Privatbesitz, aus der Öffentlichkeit mittlerweile verschwunden. Eine Erinnerung daran – wie sie für viele Kolleg*innen mit einer vergleichbaren Geschichte angemessen wäre –, erscheint mehr als gerechtfertigt .

buero-ix.de
werkleitz.de

Martin Conrath

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In unserer Reihe Reminiszenzen: Erinnerung an Uwe Büchler
In unserer Reihe Reminiszenzen erinnern wir an Künstler und Künstlerinnen, die nach ihrem Tod aus der Öffentlichkeit verschwunden sind. Heute ein Gastbeitrag von Martin Conrath

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