“Briefe aus der Wilcza“ war ein Highlight im diesjährigen BERLINALE - Panorama Programm. Jetzt läuft der Film im Rahmen des polnischen Filmfestivals filmPOLSKA an drei Abenden in drei verschiedenen Berliner Kinos (siehe unten).
Arjun Talwar, der seine indische Heimat verließ, um an der Filmhochschule in Łódź zu studieren, ist mit diesem „kleinen“ One-Man-Dokumentarfilm etwas gelungen, was Seltenheitswert hat. Mit scheinbar leichter Hand bringt er aktuelle Themen wie Rassismus, Nationalismus oder Rechtsextremismus in eine ganz außergewöhnliche kinematographische Form. Man fühlt sich an Filme von Agnès Varda oder Buster Keaton erinnert. Denn wie der berühmte Komiker der Stummfilmzeit bewegt sich auch Talwar staunend in der ihm fremden osteuropäischen Welt. Dabei entsteht wie nebenbei ein Portrait des modernen Polens mit seiner Geschichte und seinen aktuellen Problemen.
Es ist dieser quasi kindliche, unvoreingenommene Blick, mit dem der Regisseur das Leben in seiner Warschauer Straße beschreibt und der den Film so sympathisch und warm macht. Er hält bizarre, teils banale, aber auch viele komische alltägliche Szenen fest, die sonst im Kino nicht vorkommen. Ein Postbote, ein Schuhmacher, eine Metzgerin oder eine Kioskbesitzerin äußern sich ungehemmt über private und politische Themen. Welch unglaubliche Nuancen existieren, über das, was man gemeinhin nationale Eigenheiten nennt, erstaunt. Eine der unerwartetsten Sub-Geschichten des an vielen Geschichten reichen Films beginnt in einem Tanzstudio. Hier lernt Talwar zufällig einen Roma kennen, der dann tatsächlich der Erste ist, der ihn spontan als familienzugehörig bezeichnet. Der Regisseur wird zum Essen eingeladen, es wird getanzt und gelacht, als gehöre er schon immer dazu. Aber auch hier, wie über den ganzen Film hinweg, taucht immer wieder die Frage auf: Wie lange bleibt man überhaupt ein Fremder, bzw. wie lässt sich Fremdheit beschreiben?
Tiefgründige, komplexe Fragen sind das, die Talwar mit seinem herrlichen Akzent auf Polnisch kommentiert - mit ironischen Distanz bzw. einer guten Portion Humor. Eben wie Agnès Varda, der es immer wieder gelang, auch die schwierigsten oder traurigsten Themen augenzwinkernd zu behandeln. Wenn man so will, ist der Film auch eine gelungene ethnologische und philosophische Suche nach Verortung, nach (Selbst) Erkenntnis, nach der Offenlegung von Urteilen und Vorurteilen. Dabei ist dem Regisseur außerdem das Kunststück gelungen, mit Humor die Tragik des Lebens darzustellen.
13. 9. 2025: Bundesplatz Kino 20.30
14.9.2025: Klick Kino 20 Uhr
15.9.2025: FSK 20 Uhr
Der Regisseur ist an allen 3 Abenden anwesend.
Listy z Wilczej | Letters from Wolf Street
POL, DEU 2025
Regie: Arjun Talwar








