Ausstellungsansicht / Detail: Pierre Huyghe, Liminals, 2025. Filmstill. Foto: art-in-berlin

Die Erwartungen waren groß, die Vorfreude nicht minder: Der französische Künstler Pierre Huyghe bespielt mit seiner Installation Liminals die Halle am Berghain. Ein Künstler also, der spätestens seit der dOCUMENTA (13) im Blick des öffentlichen Interesses steht und immer wieder überraschte - sei es durch seine posthumanistischen Ansätze oder seine simulierten Systeme (die Hündin Human mit rosa Pfote oder die Biosphären zur Skulptur Projekte Münster lassen grüßen). Hinzu kommt ein Ausstellungsort, der durch seine schiere Größe und die rohe Betonästhetik eine besondere Dynamik für Huyghes installative Arbeit versprach. Und nicht zuletzt die künstlerische Thematik, die sich auf der Basis von Quantenexperimenten mit Konzepten des Ungewissen auseinandersetzt.

Responsive image
Ausstellungsansicht / Detail: Pierre Huyghe, Liminals, 2025. Filmstill. Foto: art-in-berlin

Doch was in der Theorie wie die perfekte Symbiose aus ortsspezifischer Monumentalität und intellektuellem Tiefgang wirkte, entpuppte sich vor Ort als eine ernüchternde Diskrepanz zwischen konzeptionellem Anspruch und visuellem Erleben. Zu sehen ist in der riesigen, abgedunkelten Halle auf einer monumental großen Leinwand ein rund 55-minütiger Film im Loop. Dieser wird von Sound und Vibrationen getragen, die in manchen Momenten den Raum und die Körper der Besuchenden physisch durchdringen. Abgesehen von Eindrücken durch die Geräuschkulissen folgt der Blick einem Wesen mit Frauenkörper (warum eigentlich?) mit einem Kopf, dessen Gesicht ein schwarzes leeres Loch in Gänze ausfüllt. Mal kriecht dieses Wesen über eine unendlich karge Steinwüste, die an einen Meeresboden ohne Wasser erinnert. Mal läuft und tastet es sich aufrecht gehend voran. Mal liegt die Figur auf dem Boden und versucht, diesen scheinbar körperlich wahrzunehmen. Detailaufnahmen zeigen die Hände und Finger, wie sie sich in die Erde bohren oder sich verformen. Landschaft und Figur erscheinen in einem steten Rhythmus voneinander getrennt und wieder vereint. Laut Begleitmaterial kam für bestimmte Szenen im Film ein auf Quantenrauschen basierendes KI-Modell zum Einsatz, was den Titel der Installation Liminals unterstreicht: Er deutet auf den Schwebezustand hin, in dem Dualitäten wie Bewusstsein und Materie, Gleichzeitiges und Ungleichzeitiges, Vergangenheit und Zukunft, organisch / anorganisch, Existenz und Nichtexistenz ineinanderfließen. Wie in einem Quantensystem sollen sich die Zustände überlagern, um - so der Anspruch - “... Zustände des Ungewissen [zu]verkörpern und Quanteneigenschaften in Sinneserfahrungen [zu]übersetzen.”

Responsive image
Ausstellungsansicht / Detail: Pierre Huyghe, Liminals, 2025. Filmstill. Foto: art-in-berlin

Dieser Anspruch manifestiert sich am ehesten in jenen flüchtigen Momenten, in denen virtuelle, von Lichtreflexen durchsetzte Regentropfen auf den Boden prasseln, Lavagestein emporquillt oder das Wesen einen Stein in seinen dunklen Gesichtshohlraum aufnimmt und wieder von sich gibt. Es sind jedoch – gemessen an der Gesamtlänge des Films – nur wenige solcher Augenblicke, die eine tatsächliche Aura entfalten und in den Bann ziehen. Vielleicht liegt das Scheitern der Vermittlung im Thema selbst begründet: Quantenphysik ist ihrem Wesen nach kontraintuitiv. Der Film wählt jedoch einen Weg, der diese Widersprüche glättet und nicht herauszufordert.

Öffnungszeiten:
Freitag – Montag: 13:00 – 21:00 Uhr
Dienstag – Donnerstag: 15:00 – 21:00 Uhr

Schulzeiten: Montag und Freitag 13:00 – 15:00 Uhr
Reizreduzierte Zeiten: Dienstags 15:00 – 19:00 Uhr

LAS Art Foundation präsentiert
Pierre Huyghe: Liminals

Ausstellungsdauer: 23. Januar – 8. März 2026

Halle am Berghain
Am Wriezener Bahnhof, 10243 Berlin