Colectivo Los Ingrávidos, Film still, El Nido del Sol, 2021, Foto: © die Künstler*innen.

Das mexikanisches Filmkollektiv Colectivo Los Ingrávidos erhält den diesjährigen Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung 2026. Das Kollektiv wurde 2012 in Tehuacán gegründet und ist inspiriert von den Werken der historischen Avantgarden und deren Engagement, Form und Inhalt als widerständige Strategien gegen entfremdende Lebenswirklichkeiten zu aktivieren.

Jurybegründung:

„Mit seinen vielfältigen filmischen und videobasierten Arbeiten zielt das Filmkollektiv Colectivo Los Ingrávidos darauf ab, Bedeutungszusammenhänge und Strukturen etablierter audiovisueller Medien zu entschlüsseln und die ihnen zugrundeliegende Ideologie offenzulegen. Indem sie analoges und digitales Filmmaterial, Archivalien, Mythologie, Agitprop, sozialen Protest und dokumentarische Poesie verknüpfen, hinterfragen ihre Werke sowohl die Formen als auch die Inhalte von Medien wie nicht zuletzt dem Kino kritisch. Die Arbeit des Kollektivs ist darum bemüht, dem Gefühl der Entfremdung entgegenzuwirken, das die Medien hervorgebracht haben. Ihre Werke lassen sich als visuelle Gewebe und akustische Klangteppiche beschreiben; sie brechen verfestigte Strukturen auf und legen verborgene politische Möglichkeiten von Medien offen. Auf diese Weise dokumentieren die Filme und Videos von Colectivo Los Ingrávidos kollektive Auseinandersetzungen, insbesondere ihre Ausprägung im Zeitalter des Anthropozän. Klänge und Bilder verschmelzen zu hypnotischen Collagen, loten sensorische Grenzen aus und eröffnen eine dekolonisierende Sicht auf die Welt. Ihre kritische und kollektive Praxis sowie ihre Texte wie das Manifest Thesis of the Audiovisual ebnen einen, wie Colectivo Los Ingrávidos selbst sagt, ‚kosmopolitischen Weg, audiovisuelle Kunst neu zu denken und zu formen ‘.

Die Jury verleiht den Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung 2026 an das Colectivo Los Ingrávidos, um einerseits ihre einzigartige Arbeitsmethodik zu würdigen und um es ihnen zu ermöglichen, ihre forschungsbasierte Praxis einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.“

Jury:
Antonia Alampi (Künstlerische Leiterin, Spore Initiative, Berlin),
Emma Enderby (Direktorin, KW Institute for Contemporary Art, Berlin),
Charlotte Klonk (Professorin für Kunst und Neue Medien, Humboldt-Universität zu Berlin; Mitglied des Stiftungsrats der Schering Stiftung),
Damian Lentini (Stellvertretender Direktor, Ludwig Forum Aachen),
Jenna Sutela (Künstlerin, Berlin).

Bisherige Preisträger*innen:
Cornelia Renz (2005),
Nairy Baghramian (2007),
Renata Lucas (2009),
Wael Shawky (2011),
Kate Cooper (2014),
Hiwa K (2016),
Anna Daučíková (2018)

Rabih Mroué (2020)
Kameelah Janan Rasheed (2022)
Sung Tieu (2024)

Die Auszeichnung wird bereits zum neunten Mal in Kooperation mit dem KW Institute for Contemporary Art vergeben und ist 15.000 Euro dotiert sowie einer Einzelausstellung in den KW.