(Einspieldatum: 12.08.2017)

Raumaneignung. In den Raum zeichnen im Haus am Kleistpark

„spuren“ im Haus am Kleistpark


Werkabbildung

Beate Terfloth, Neonkreis1, Foto: Beate Terfloth

„Eine theoretische und sinnliche Auseinandersetzung mit einer jahrtausend alten Technik“ - dem Zeichnen - das sei das Hauptanliegen der Ausstellung, sagt Jutta Kaddatz, Stadträtin für Bildung, Kultur und Soziales bei der Eröffnung des dritten Teils der Ausstellungsserie „In den Raum zeichnen“. Die Zeichnung steht oft am Anfang von kreativen Prozessen, erinnert aber auch thematisch an den alten kunsthistorischen Streit zwischen disegno und pittura, zwischen Skizze als geistige Konzeption eines Werkes und dessen Ausformulierung des konzeptionellen Ausgangspunktes. Durch die unterschiedlich künstlerischen Herangehensweisen werden Fragen nach der Unmittelbarkeit des Gestus und dem Schaffensprozess aufgeworfen, die sich in dieser Ausstellung auf die Aneignung des Raums beziehen.

„In den Raum zeichnen“ ist ein Kooperationsprojekt der Galerie Parterre Berlin, der Galerie Nord / Kunstverein Tiergarten und dem Haus am Kleistpark. Jede Galerie hat einen eigenen Schwerpunkt: „umreißen“, „verdichten“, „spuren“. Die dritte Ausstellung „spuren“ ist vom 16.06 - 13.08.2017 im Haus am Kleistpark zu sehen, wo 14 Künstler, unter anderem Ursula Sax (*1935 Backnang), Hartmut Böhm (*1938 Kassel) oder Axel Lieber (*1960 Düsseldorf), ihre Arbeiten zeigen.

„Die linearen Konstellationen in der Skulptur sollen sich räumlich ausdehnen, nach einer Grenzüberschreitung gefragt werden, die traditionell als eine an die Fläche gebundene, grafische Form auch dreidimensional verstanden werden kann.“, fasst Eugen Blume (bis 2016 Leiter des Hamburger Bahnhofs) die Intention der Künstler für die Ausstellung zusammen. Unter dem Oberbegriff Zeichnung treffen so die unterschiedlichsten Medien von Installationen über Videos und Objekten bis hin zu Skulpturen aufeinander.


Ka Bomhardt, Die dunkle Kammer, Foto: Ka Bomhardt

Der Titel der Ausstellung “spuren” ist sprachlich doppeldeutig - Nomen oder Verb? Hier werden Linien gespurt, die Zeichnungen als Spuren von Denkprozessen umgesetzt und Bahnen tatsächlicher und vorgestellter Bewegungen erfahrbar. Diesen kann man im rechten der drei Räume folgen, wo an durchsichtigen Nylonfäden die Arbeit der Künstlerin Ka Bomhardt (*1962 Hamburg) durch den Raum schwebt. Wie lebendig gewordene Zeichnungen erblickt man filigrane Fragmente von Uhren, Stühlen, Lampen, zwischendrin Teile einer Messingteekanne. Die Linien "hängen" an manchen Stellen durch, an anderen sind sie gestrafft. Diese Verzerrung bewirkt ein phantastisches Bild, das in seiner offenen Struktur und Spurenlegung an die Teeszene in Alice im Wunderland erinnert. Fehlen nur noch der Hase und der verrückte Hutmacher, die gleich um die Ecke springen und der Geschichte ihren Fortgang ebnen.


Ursula Sax, Lineament, Foto: Lukas Heibges

Ursula Sax ist mit fünf Werken vertreten, vier davon wurden für die Ausstellung aus der Berlinischen Galerie entliehen. Es handelt sich um Eisenskulpturen, Linien, die wie von freier Hand in den Raum gezeichnet scheinen. Ein wirrer Knoten, der wie der Anfang einer doch wieder verworfenen, durchgestrichenen Zeichnung wirkt, zittrige Linien, die an der Decke im Hauptraum hängen ähnlich wie die Großskulptur “Looping” der Künstlerin am Avus-Messegelände. Die Werke Sax` sind sehr unterschiedlich, lassen sich nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen. Sie sind abstrakt oder gegenständlich, unterschiedlichste Materialien kommen zum Einsatz: Holz, Metall, Stein, Ton oder eben eiserne Skulpturen.

Beate Terfloth (*1958 Hongkong) zeigt ein leuchtendes Werk aus Neonröhren, die sofort ins Auge springen. Die Licht-Linien erhellen den abgedunkelten Raum links und versprühen Energie. Ein nicht in sich geschlossener Kreis aus zwei Neonröhren - wie eine schnelle Lichtzeichnung eines Kreises im Raum. Ähnlich wie bei Sax imitieren die Werke einen hingeworfen zeichnerischen Gestus und kontrastieren ihn mit der Materialität, die so gar nicht in das gestische Raster passt.

Alberto Giacometti (1901-1966) wird als klassische Bezugsperson für die Künstler der Ausstellung genannt: „Das lineare und die äußerste Reduktion, die menschliche Figur, deren Volumen er bis zu einer vertikalen Verdünnung trieb, die den Strich als plastischen Ausdruck verstand.“, so Eugen Blume. Dieser Plastizität wird in der Ausstellung nachgespürt, Linien und Striche eignen sich den Raum an.

Künstler: OLAF BASTIGKEIT – Skulptur, HARTMUT BÖHM – Skulptur, KA BOMHARDT – Installation, CLAUDIA BUSCHING – Installation, CAROLA DINGES – Objekt, KERSTIN ERGENZINGER – Installation/ Elektronische Medien, RENATE HAMPKE – Objekt, AXEL LIEBER – Skulptur, JOHANNES PFEIFFER – Installation, EV POMMER – Skulptur, URSULA SAX – Skulptur, BEATE TERFLOTH – Objekt, ASAKO TOKITSU (Japan) – Ortsspezifische Zeichnung, BIGNIA WEHRLI (Schweiz) – Video/ Installation

Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags: 11 - 18 Uhr

Haus am Kleistpark
Grunewaldstraße 6-7
10823 Berlin
hausamkleistpark.de

Olga Potschernina

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Raumaneignung. In den Raum zeichnen im Haus am Kleistpark
Nur noch dieses Wochenende: Und hier unsere Besprechung: Hier werden Linien gespurt, die Zeichnungen als Spuren von Denkprozessen umgesetzt und Bahnen tatsächlicher und vorgestellter Bewegungen erfahrbar.

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