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    Berlin Daily 17.07.2018
    Film und Gespräch
    19 Uhr: Displaced: Black and Queer in Africa. Ein Film von Siv Greyson und Ncumisa Mdlokolo
    f3– freiraum für fotografie, Waldemarstraße 17, 10179 Berlin

(Einspieldatum: 23.01.2018)

Einen Tiger hinter dem zerrissenen Tiger zerrissen zu malen, hallo?

bilder

Eckart Hahn
Papiertiger, 2016
Acryl auf Leinwand
100 x 130 cm
Privatsammlung, Tübingen


Eine weiße Leinwand birgt unendliche Möglichkeiten, sie bedeutet Chance, vielleicht sogar Aufforderung an den Maler. Der 1971 in Freiburg geborene Künstler Eckart Hahn gestaltet sie mit Acrylfarbe in fotorealistischer Manier und mit handwerklicher Perfektion: Sein Umgang mit Schatten, Glanzlichtern und Stofflichkeit erinnert an altmeisterliche Traditionen. Nicht selten fallen in Beschreibungen seiner Gemälde die Begriffe „Trompe l´oeil“ oder „zentralperspektivischer Illusionismus“ als Charakterisierung.
Hahns Ikonographie allerdings hat wenig mit jener der Alten Meister gemeinsam. Seine Gemälde eröffnen surreale Bildwelten, in denen etwa ein Origami-Schwan auf einem Gorilla sitzt, eine Löwin an roten Seilen hängt, eine Schlange sich selbst durch einen Haken zieht oder ein Storch einen goldenen Sack am Kopf balanciert. Sein Zugang zur Malerei ist offenbar ein spielerischer. Vor knalligen, einfarbigen Hintergründen inszeniert er häufig Tiere, die von Seilen umgeben oder gefesselt sind. Die Szenerien sind leicht zu identifizieren, die Geschichten hinter den Bildern geben allerdings Rätsel auf. Beim Betrachten drängen sich beinahe unendliche Bezüge zur Kunstgeschichte, zur Mythologie oder zur Politik auf – das Gemälde „Cocoon“ zeigt etwa das Wappentier der USA mit verbundenen Augen. Hahn arbeitet mit Assoziationsketten, manche davon sind gewollt, die allermeisten wahrscheinlich nicht. Damit nimmt er die Aufforderung der weißen Leinwand zwar an und gestaltet sie, ihre Bedeutungsoffenheit nimmt er ihr aber nicht.

Werkabbildung
Eckart Hahn
Koko, 2010
Acryl auf Leinwand
180 x 180 cm
Privatsammlung, Wuppertal


In sechs Räumen zeigt das Haus am Lützowplatz noch bis 8. April die erste institutionelle Soloausstellung des Künstlers in Berlin. 30 Gemälde, zwei Leuchtkästen und eine Skulptur werden in der Schau „Der schwarze Hund trägt bunt“ gezeigt, die danach in die Neue Galerie Gladbeck und in das Museum Villa Roth in Burgried wandert. Der eigenwillige Titel stammt von Hahn selbst und verweist auf Michael Köhlmeiers Hörbuch „Zwei Herren am Strand“, in dem sich die beiden befreundeten Herren Winston Churchill und Charlie Chaplin über den Umgang mit ihren Depressionen unterhalten.

Werkabbildung
Eckart Hahn
Kalif, 2015
Acryl auf Leinwand
90 x 60 cm
Privatsammlung, Stuttgart


Zur Ausstellung erscheint eine gleichnamige Publikation, die von Cai Wagner in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler herausgegeben wurde. Darin tritt Hahn als „Muse“ in Erscheinung, wie Wolfgang Ullrich es in seinem Text formuliert: 55 Kulturschaffende waren eingeladen, sich je ein Werk von Hahn auszusuchen und sich davon zu einem Beitrag inspirieren zu lassen. Von humorvoll über wissenschaftlich bis abstrus reichen die Ergebnisse. Der Koch Andreas Neubauer kreierte etwa ein Rezept zu einem Gemälde, die deutsche Schauspielerin Karoline Schuch versetzt sich in den Schwan hinein, der einen goldenen Sack am Kopf trägt: „Du, ich möchte bitte einmal einfach in Ruhe hier mein Zellophan-Detox-Säckchen runtermeditieren und dann bin ich auch wieder ganz bei dir. Ist das möglich?!“ Treffend auf den Punkt bringt es auch der Wiener Künstler Manfred Peckl, der sich eine der eindrucksvollsten Arbeiten ausgesucht hat. „Papiertiger“ aus dem Jahr 2016 zeigt einen naturalistisch gemalten Tiger, der sich allerdings an manchen Stellen in eine reine Tapete und Fassade seiner selbst aufzulösen scheint. Es ist ein Spiel mit verschiedenen Bildebenen, mit der Frage nach Wirklichkeit und Abbildung. Oder wie Peckl es formuliert: „Dieser Künstler frißt sein Bild noch während des Malens. Einen Tiger aus der? Wirklichkeit eines Plakatdrucks in die? Realität einer? erfundenen Welt zu malen, echt? Einen Tiger hinter dem zerrissenen Tiger zerrissen zu malen, hallo?“

Eckart Hahn. Der schwarze Hund trägt bunt
19. Januar – 8. April 2018
Haus am Lützowplatz
Lützowplatz 9, 10785 Berlin
hal-berlin.de/ausstellung/der-schwarze-hund-tragt-bunt/
eckarthahn.com/
Öffnungszeiten: Di – So, 11 – 18 Uhr
Eintritt frei

Publikation:
ECKART HAHN. DER SCHWARZE HUND TRÄGT BUNT
Herausgegeben von Cai Wagner
Hardcover, 272 Seiten
ISBN 978-3-95476-221-7
Buchhandelsausgabe: 49,- Euro
Preis in der Ausstellung: 35,- Euro

Anna Wegenschimmel

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Titel zum Thema Eckart Hahn :

Einen Tiger hinter dem zerrissenen Tiger zerrissen zu malen, hallo?
Ausstellungsbesprechung: Eckart Hahn im Haus am Lützowplatz

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