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Das (hornsche) Universum in einer Perle - Rebecca Horn im Martin-Gropius-Bau

von Stefanie Ippendorf (09.10.2006)


Das (hornsche) Universum in einer Perle - Rebecca Horn im Martin-Gropius-Bau

>Das Universum in einer Perle< - so lautet der Titel der neuen Arbeit, die Rebecca Horn explizit für ihre Retrospektive im Berliner Martin- Gropius-Bau angefertigt hat. Mit der sich 18m in die Höhe erstreckenden, sich bewegenden Spiegelskulptur möchte die Künstlerin "das Blau des Himmels und die Tiefe des Ozeans im Schwebezustand" halten und den "Menschen zum winzigen Teil einer Geburtsszene werden" lassen. Untermalt wird die Installation aus goldenen Trichtern und Spiegelflächen von einer Komposition Heyden Chisholms, der eigens für das Werk eines von Rebecca Horns Gedichten vertont hat. Soviel zur neusten Arbeit der inzwischen 62 jährigen Künstlerin...

Glücklicherweise ist die Ausstellung im Gropius - Bau als umfassende Werkschau der "Donnafugata" (Iso Camartin) konzipiert, so daß uns Rebecca Horns spannendes Frühwerk nicht vorenthalten bleibt. Auf der bereits in Düsseldorf, London und Lissabon gezeigten Ausstellung >Bodylandscapes< basierend, wurde die Berliner Schau um einige neue Werke ergänzt und das Hauptaugenmerk auf die Zeichnungen der Künstlerin gerichtet. Neben den ca. 90 Arbeiten auf Papier sind auch Horns Installationen, Skulpturen, Filme und Texte zu sehen, so daß man z.B. im Falle von >Cornucopia, Séance für zwei Brüste< (1970) den Verlauf einer Werkentwicklung von der Skizze bis hin zum künstlerischen Endprodukt verfolgen kann. Die Künstlerin wendet sich jedoch nicht nur zum Skizzieren ihrer Ideen dem Medium der Zeichnung zu. Besonders innerhalb der letzten vier Jahre sind ganz freie "ihre eigene Flugbahn beschreibende Zeichnungen" entstanden, deren Formate Horns eigenen Körpermaßen entsprechen.

Bekanntheit erlangte die gebürtige Michelstädterin vor allem durch die körperbezogenen Arbeiten aus den frühen 1970ern. Dabei war es eigentlich ein "Betriebsunfall" während der Studienzeit, der die Künstlerin zu jener Thematik getrieben hatte. Durch das ungeschützte Arbeiten mit Polyester und Fiberglas erlitt Horn 1967 eine schwere Lungenvergiftung, die ihr eine langen Aufenthalt im Krankenhaus und Sanatorium einbrachte. Aus dieser Zeit stammen erste Skizzen zu den Körperskulpturen und Körperextensionen, d.h. Gerätschaften, die idealer weise vom Betrachter bzw. einem "Performer" benutzt werden sollen, um die Sensibilität für den eigenen Körper zu schärfen. Dazu zählt auch >Einhorn< (1970) - eine der berühmtesten Arbeiten Rebecca Horns überhaupt.

Neben dem Reich der Einhörner und Körperprothesen gibt es noch einen weiteren wesentlichen Strang in Horns Oeuvre - den der kinetischen Arbeiten. Mit einem Schweizer Uhrwerk vergleicht die Künstlerin selbst die Präzisionsarbeit, die Werken wie >Les Amants< (1991) zugrunde liegt. Bei den Liebenden selbst handelt es sich um eine Mischung aus Champagner und Tusche, die von einer Maschine wild auf die Museumswand gespritzt wird und in triefenden Schlieren zu Boden läuft - malen und malen lassen, könnte hier die Devise lauten.

Mit Installationen wie >Der Eintänzer< (1978) oder >Wounded Stones< (1997) zeigt Horn außerdem, daß Kunst nicht immer bierernst genommen werden muß: beim >Eintänzer< läßt sie einen tangotanzenden Tisch seine einsamen Runden durch das Museum drehen, während in >Wounded Stones< das Blut einiger "erdolchter" Steine die Wand beschmutzt. Dagegen erscheinen die Vitrinenarbeiten, die zusammen mit >Das Universum in einer Perle< im Lichthof des Gropius - Baus ausgestellt sind verstaubt und anachronistisch: mit einer fast schon kitschigen Materialästhetik aus Fundstücken buhlen sie um die Gunst des Betrachters.

Nichtsdestotrotz: die Rebecca Horn Retrospektive bietet die Möglichkeit, in alle noch so entlegenen Ecken und Winkel des hornschen Universums vorzudringen - und das ist wesentlich größer als eine Perle!

Abbildung: Rebecca Horn, Wounded Stones, 1997

Rebecca Horn.
Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Filme 1964 - 2006
05.10.2006 - 15.01.2007

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

Mi. bis Mo.: 10 – 20h
www.gropiusbau.de

Filmprogramm im Kinosaal
Mi. bis Fr., So. und Mo. 16h: >La Ferdinanda< (1981), 85 min.
Mi. bis Fr., So. und Mo. 17.30h: >Busters´s Bedroom< (1990), 104 min.
Sa. 12h: >La Ferdinanda<, im Anschluß >Buster´s Bedroom<

Filmprogramm in der Ausstellung
Mi. bis Mo. 12h: >Performances I<, >Simon – Sigmar<, >Performances II<, >Berlin- Übungen in neun Stücken<, >Der Eintänzer<, >Cutting through the past<

Stefanie Ippendorf

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