Das internationale Designfestival, das vom 12. bis 20. Mai in Berlin stattfindet, versteht sich selbst als Seismograph "aktueller Tendenzen im Design". Dabei findet der Designmai erst zum fünften Mal statt - was ihn aber nicht daran hindert, mit einem großen Selbstbewusstsein aufzutreten. Der Designmai hat sich innerhalb kürzester Zeit als Plattform der Berliner Designszene, aber vor allem als Ort des internationalen Austausches einen Namen gemacht.
Auf die Fahnen schrieb sich dieses Motto auch Tiger Translate, angekündigt als "non-profit Kunst Festival", das im Rahmen des Designmai am 11. und 12. Mai seine Türen öffnete. Tiger Translate sind 75 asiatische Künstlerinnen und Künstler, die von einer international besetzten Jury ausgewählt wurden, um das Konzept in der Welt zu vertreten. Bisher fand das Festival in Shanghai, Auckland, Dublin und New York statt - als finaler Veranstaltungsort steht Peking fest. Zum übergeordneten Thema der Berliner Ausstellung "Rise" fanden sich Arbeiten von 26 asiatischen und fünf deutschen Künstlern in den Räumen des ehemaligen 103-Clubs in der Monbijoustraße.
Die Bereiche bildende Kunst, Design, Fotografie, Video Art und Urban Art bzw. Street Art wurden in unterschiedlicher Gewichtung präsentiert. Die Illustrationen einiger asiatischer Künstler verknüpften orientalische Ornamentik mit urban icons und japanischem Mangastil. Aus der Reihe fiel die Street Art Installation von Nomad, nämlich eine Riesenkatze aus Müll- und Holzresten, die plastisch in den Raum hineinragte.
Initiiert und finanziert wurde Tiger Translate vom Bierriesen Tiger aus Singapur, der das Festival gleichsam als Werbeplatz benutzt. Adam Gerard, der eigens abgestellte Botschafter von Tiger, erklärt: "Wir von Tiger beer präsentieren ein frisches, modernes Asien und wollen es in die Welt tragen. Dazu bieten wir jungen Künstlern die Gelegenheit, zu reisen und eine Plattform zu bekommen." Mitunter wurde das Motto "Rise" von den Künstlern als Logo für Tiger beer interpretiert, und auch das Firmen-Logo tritt in den Arbeiten verschiedentlich in Erscheinung. Damit wirken sie wie Werbetafeln und lassen die Grenze zwischen Kommerz, Kreativität und Kunst verschwinden.
"Ich verstehe meine Auftragsarbeit für Tiger Translation wie einen kommerziellen Job", meint der Berliner Video-Künstler Luke Bennett. Er müsse lediglich das Logo ab und zu unterbringen, ansonsten ließe Tiger beer den Künstlern allen Freiraum. "Ich finde diese Art der Werbung viel interessanter als die konservative Werbung von deutschen Biermarken. Kunst und Austausch über Kunst zu fördern ist doch eine sinnvolle Kampagne", so Bennett weiter. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Designwelt mit diesem Verständnis auch das Kunstverständnis revolutioniert. Schließlich gehören sämtliche Künstler/Designer von Tiger Translate der Gruppe Tiger Asian Kinetic Artists (AKA) an, deren Agenturen u.a. für Firmen wie Daimler Chrysler, Nike oder Diesel arbeiten.
Bleibt zu hoffen, dass subversive Künstler wie Nomad von Tiger beer weiterhin gesponsort werden. Nomads Müllkatze steht wie eine Persiflage auf das Tiger-Logo neben den Werbetafeln. Zusammen mit der Aussage "I ususally try to avoid thinking" könnte seine Arbeit gerade als Aufruf zum Nachdenken verstanden werden.
Berlin Daily 16.01.2026
Vorspiel
19 Uhr: mit audiovisuellen Performances und Live-Sets verschiedener Berliner Medienkunstinitiativen + eintägige Ausstellung. panke.gallery und Panke Club | Gerichtstraße 23 | Hof 5 | 13347 Berlin
Veranstaltungen im Rahmen des Designmai: Tiger Translate 07 - Kunst Festival
von Inga Haese
Weitere Artikel von Inga Haese




Kommunale Galerie Berlin

Deutscher Künstlerbund e.V.

Haus am Kleistpark | Projektraum

Galerie Alte Schule im Kulturzentrum Adlershof

Alfred Ehrhardt Stiftung
Künstlerbiografien
Meldungen art-in.de