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GALLI Wer bis drei zählen kann, kann gerettet werden - Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin

von Daniela Kloock (07.02.2023)
vorher Abb. GALLI Wer bis drei zählen kann, kann gerettet werden - Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin

Galli
o.T. (Keilbild), 1988
emulsion, chalk and tempera on nettle
framed dimensions: 77 x 67 x 2.75 cm, 30 1/4 x 26 3/8 x 1 1/8 in
unique, (Galli/M 88-03/U)
Courtesy the artist and Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022 , photo: def image


Wenn aus Stühlen Arme wachsen, Waschmaschinen sich wandernd auf die Reise machen, wenn ein Haus, aus dessen Dach ein Arm ragt, zu malen anfängt, wenn alles ein großes Wirbeln und Wandeln ist, dann ist Galli nicht weit. Doch nicht von Comics oder ironisierenden Zitaten auf Vorbilder aus der Kunstgeschichte ist hier die Rede. Die Bilder der Berliner Künstlerin Galli sind gleichermaßen eigenständige wie eigenwillige Werke. Wer sich auf ihre Spur begeben will, kann derzeit in der Galerie Kraupa-Tuskany Zeidler eine kleine, aber feine Auswahl sehen.

Die Motive verweisen auf ein Reservoir überbordender Fantasie. Zu entdecken sind, wie eingangs angedeutet, zum Leben erweckte Gegenstände, aber auch zahlreiche rätselhafte Gestalten und Körper. Manche von ihnen in inniger Verschlungenheit verzwirbelt, andere so akrobatisch aus dem Gleichgewicht, dass sie vor den monochromen Hintergründen zu schweben scheinen. Nichts ist hier stabil, alles bewegt sich, mutiert, transformiert sich, scheint weder das eine noch das andere zu sein. Hände verbinden sich übergangslos mit Füßen, strecken sich ins Leere, greifen zu, verschlingen oder erwürgen sich gegenseitig. Hier ragt ein einzelnes schwarzes Bein wie ein großes Ausrufezeichen nach oben, dort schwingen zwei Arme eine bedrohlich wirkende Keule. Zartes und Wüstes gehen neben- und ineinander, und hinter manchem lauert ein abgründiger Witz.


Galli
oft sieht man die Zitrone kaum, 1989
acrylic, emulsion and chalk on nettle
150 x 180 x 2 cm, 59 x 70 3/4 x 3/4 in
unique, (Galli/M 89-01/U)
Courtesy the artist and Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, photo: def image


Wenn ein Bild den Titel „Noch ein MischiNessi“ trägt oder „oft sieht man die Zitrone kaum“ ist der Schalk nicht weit. Wortspiele, Balladen, Gedichte von Brentano oder das „Buch Hiob“, wie überhaupt Geschichten aus dem Alten Testament, aber auch Wortfetzen aus dem Radio oder komisch klingende Worte, all dies fließt in die Arbeiten der Künstlerin ein. Kein Wunder, dass es einen Katalog mit Gallis Arbeiten zusammen mit Anagrammen von Oskar Pastior gibt. Doch die häufig sprachspielerischen und hintersinnigen Titel sollen nicht illustrieren, sondern eher irritieren und eigene Assoziationen hervorrufen. In der Verbindung zu literarischen Texten, zur Sprache überhaupt, denkt man zuweilen an den Berliner Maler Walter Stöhrer. Auch er war ein rebellischer Einzelgänger, der gerne ganze Flächen ins Schwarze absinken ließ. Apropos Berlin. Die 1944 im Saarland geborene Künstlerin kam über die Werkkunstschule Saarbrücken 1969 in die Mauerstadt. Hier war, wie sie in einem Interview ausführt, zu dieser Zeit „die Hölle los“. Galli kommt in Kontakt mit der Cobra Bewegung, macht in Bremen Theater (als „Yvonne, Prinzessin von Burgund“ in der Inszenierung von Wilfried Minks), spielt die Rolle der malenden Chronistin in dem Film „Freak Orlando“ von Ulrike Ottinger. Aber vor allem studiert sie bei Martin Engelman, damals Professor für Freie Malerei an der HDK. Er konfrontierte seine SchülerInnen mit der Abstraktion, genau so wie mit der Lust an dekorativer Farbigkeit. Und so sind Gallis Bilder immer auf Messers Schneide zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, wobei ihr Messer der Pinsel bzw. der Bleistift ist. Denn „…ihre Bilder entstehen zumeist aus dem Geist des Zeichnerischen“, wie der Kunsthistoriker Thomas Deecke in einem lesenswerten Aufsatz im „Kritischen Lexikon der Gegenwartskunst“ ausführte (1/2012).


Galli, wer bis drei zählen kann, kann gerettet werden, exhibition view, Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin, 2022
Courtesy the artist and Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin
Photo: Def Image, copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2022


Das Geheimnis des Charmes der Bilder zu lüften scheint ein unmögliches Unterfangen zu sein. Mit Vernunft, Kategorisierungen oder Interpretationen kommt man Galli jedenfalls nicht bei. Dass der Mensch/die Welt, egal wie, in den Griff zu bekommen wäre, diesem Irrglauben stellt die Künstlerin mit ungebrochenem Mut ihre Einbildungskraft entgegen.

Ausstellungsdauer: 08.11.2022-11.02.2023

Öffnungszeiten: Dienstag-Samstag 11 - 18 Uhr

KRAUPA-TUSKANY ZEIDLER
Kohlfurter Straße 41/43
10999 Berlin
+49 30 68 81 27 10

Daniela Kloock

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