Carl Wolff, Das Kulturforum als Landschaft, Sommersemester 2025, UdK Berlin, Foto: Carl Wolff

Studierende der UdK präsentieren 10 Positionen zur Aktivierung des Berliner Kulturforums.

Es ist ein längerer Weg durchs Niemandsland, den Besuchende auf sich nehmen müssen, um das Berliner Kulturforum zu erreichen. Besonders im Winter kann das Überqueren der ehemaligen Piazzetta (2024 umbenannt in Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz) ein trostloses Unterfangen sein. Doch am Ende der steinernen Freifläche, die in Kunstbibliothek, Gemäldegalerie und Kunstgewerbemuseum mündet, erstrahlt zur Eröffnung der Ausstellung Kulturforum JETZT! der Eingangsbereich in warmem, verheißungsvollem Glanz. Ebenso optimistisch präsentieren sich die Entwürfe der Architekturstudierenden, die im Rahmen der Schau noch bis zum 22. März im Foyer des Kulturforums zu sehen sind.

Mit dem Untertitel 10 Positionen zur Aktivierung des Kulturforums werden auf Plakaten und anhand von Modellen Zukunftsvisionen des Ortes entworfen. Es mag befremdlich wirken, unmittelbar beim Betreten eines Museums mit dessen Problemen konfrontiert zu werden. Die Architektur-Studierenden der Berliner Universität der Künste wissen jedoch mit ihren Innovationen die Fehlstellen des Areals gekonnt zu benennen. Ihre Ideen machen deutlich: Die bloße Etikettierung als solches genügt nicht, um im kollektiven Gedächtnis als echtes „Forum“ – also als Ort des gesellschaftlichen Zusammenkommens – verankert zu sein.

Responsive image
Yeeun Kang, Woohee Kim, The Bondary, Sommersemester 2025, UdK Berlin, Foto: Yeeun Kang, Woohee Kim

Die Konzepte setzen auf urbanes Leben: Die Schaffung von tatsächlichem Wohnraum innerhalb des Forums, die Begrünung der kargen Zwischenräume und eine Umgestaltung des öffentlichen Raums, die zum niederschwelligen Verweilen einlädt. Das Ziel ist ein aufenthaltsfreundliches Quartier für und mit Menschen, die dort ihren Alltag verbringen wollen. Dabei wird die kulturelle Identität der Bestandsbauten nicht ausradiert, sondern ihr Zwischen- und Zusammenspiel im öffentlichen Raum konsequent weitergedacht. Die angehenden Architekt*innen definieren die Freifläche nicht als Problemzone, sondern als Spielraum, dessen Potenzial vor allem durch die Teilhabe der Bürger*innen aktiviert werden muss. Diese Teilhabe soll durch eine Nutzung entstehen, die abseits der Bedeutung des Areals als Standort für Hochkultur Bestand hat.

Dass das Kulturforum einen Zweck erfüllt, steht hier außer Frage. Mit zahlreichen historischen und künstlerischen Sammlungen und Archiven beherbergen Kunstbibliothek, Gemäldegalerie, Neue Nationalgalerie, Kunstgewerbemuseum und Philharmonie einen wesentlichen Teil unseres kulturellen Erbes. Damit ist das Areal nicht nur ein kollektives Archiv und Kulturorgan, sondern auch der tägliche Arbeitsplatz hunderter Menschen. Auch sie hätten einen fußläufig erreichbaren Kaffee oder ein Feierabendbier verdient – an einem Ort für den Alltag, fernab des musealen Sendungsbewusstseins und doch als Teil der Identität des Quartiers als Ganzes.

Während die Ausstellung so zum Träumen einlädt, verfolgt die Berliner Kulturpolitik andere Pläne: Mit dem Neubau „berlin modern“ des Büros Herzog & de Meuron soll das Areal um einen weiteren „Kultursolitär“ ergänzt werden. Aus dieser Perspektive bleibt „Kulturforum JETZT“ eine akademische Fingerübung. Die Politik setzt weniger auf Transformation des Bestands als vielmehr auf neuen Glanz, um zusätzliches Publikum in die Museen zu locken.

Responsive image
Anne Jung, Lea Krüger, Das Kulturforum als (Insel)Oase, Sommersemester 2025, UdK Berlin, Foto: Anne Jung, Lea Krüger

Wer wissen möchte, wohin der Versuch führt, primär Passant*innen statt Verweilende zu gewinnen, findet mit einem kurzen Spaziergang zum benachbarten Potsdamer Platz, wo beispielsweise 2022 der seelenlose Konsumtempel „The Playce“ neben zahlreichen anderen Unterhaltungs- und Bürokomplexen eröffnet wurde, eine potenzielle Antwort. Ob es die Antwort ist, die wir für ein lebendiges Kulturforum suchen, darf nach diesem Ausstellungsbesuch umso mehr bezweifelt werden.

Mit Arbeiten von Finn Brunsch, Sophie Daum, Lara Grefer, Anna Jung, Yeeun Kang, Woohee Kim, Lea Krüger, Joss Pablo Pionschek, Nathan Reichenthal, Paula Riebel, Lukas Paul Ruhe, Jakob Stadtmüller, Marwin Seeber, Augusta Verbiesen, Elisabeth Weinbacher, Carl Wolff

Kulturforum JETZT! 10 Positionen zur Aktivierung des Kulturforums
Ausstellungsdauer: 22. Januar – 22. März 2026

Öffnungszeiten:
Di–So 10–18 Uhr

Foyer des Kulturforums
Staatliche Museen zu Berlin
Stauffenbergstraße 41
10785 Berlin
www.smb.museum