Seit 2019 ist das Frauenmuseum, ein Netzwerk für und von Berliner Künstler*innen, in der Reihe Kammerspiele zu Gast in der Galerie im Tempelhof Museum. Das Frauenmuseum feierte in diesem Monat sein 30-jähriges Bestehen im Kunstquartier Bethanien – von Beginn an wanderte der Künstler*innenbund ohne festen Standort durch Berlin. Konsequent scheint daher, dass die beiden Mitglieder Beate Spitzmüller und Judith Brunner in der Ausstellung sight•seeing urbane Räume dekonstruieren und die gesellschaftskritische Frage aufwerfen: Wer gestaltet unsere Städte und für wen?
Judith Brunners Gemälde, etwa die Arbeit moves11_crawl_Athen OAKA_Calatrava, bestechen durch ihre haptische Materialität und eine suggestive Farbigkeit. Gepflückt aus dem Alltag scheinen die architektonischen Strukturen, die Brunner in schwindelerregende Abstraktionen verwandelt. Je nach Standpunkt ruft die Verschiebung der Perspektive das Moment einer optischen Täuschung hervor. Es ist eine malerische Herausforderung: Die Rezeption wird zum Akt der Aneignung.

Beate Spitzmüller zeigt in der Galerie sowohl fotografische Arbeiten als auch mit der Videoarbeit DAYbyDAY einen intimen Einblick in ihren künstlerischen Schaffensprozess: Kleine Zeichnungen, die Spitzmüller täglich zu Papier bringt, weisen auf den Rhythmus der Zeit, seine ständige Wiederholung und die Erkenntnis, dass nie etwas so ist wie zuvor. Auch in der Serie fotografischer Collagen Three Times a Day verweist Spitzmüller auf die Momenthaftigkeit unserer Eindrücke in alltäglichen Straßenszenerien. Die vielschichtigen Überlagerungen laden dazu ein, näher zu treten und über die Gleichzeitigkeit des Lebens nachzusinnen.
Verortet im Spannungsfeld von Zeit und Raum, fordern die Werke zur präzisen Beobachtung auf. Wie auch der Titel sight•seeing durch einen schlau gesetzten Punkt impliziert, geht es hier nicht um das passive Flanieren und Genießen, sondern das aktive Innehalten und Hinterfragen. Die Werke beider Künstler*innen sind vereint in ihrer Vielschichtigkeit und reflektieren den urbanen Raum als Konstrukt. Sie sensibilisieren dafür, wie wir die Gestaltung unserer Städte oft als gegeben akzeptieren, statt visionäre Entwürfe zu wagen, die den Menschen und seine Perzeption konsequent in das Zentrum der Planung rücken.
4. Juni, 19 Uhr
Artist Talk mit Beate Spitzmüller, Judith Brunner und Kunsthistorikerin Julia Rosenbaum
4. Juli, 16 Uhr
Finissage mit den Künstlerinnen
Laufzeit
01.05. bis 05.07.2026
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 13 bis 18 Uhr
Donnerstag ab 10 Uhr
Galerie im Tempelhof Museum
Alt-Mariendorf 43, 12107 Berlin
www.hausamkleistpark.de







