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Berlin Daily 19.09.2018
Führung

17 Uhr: durch die Ausstellung "Lorenzo Sandoval Shadow Writing (Algorithm / Quipu)" mit Dr. Christine Nippe
Schwartzsche Villa / Atelier | Grunewaldstraße 55 | 12165 Berlin

(Einspieldatum: 23.08.2017)

Ausstellungsbesprechung: Sigmar Polkes Editionen

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Sigmar Polke, Ohne Titel (Mönchengladbach), 1992, © The Estate of Sigmar Polke, Cologne, VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Photo baumann fotostudio gmbh

„Ich hab `ne Idee - mal schauen, ob ich dafür was finden kann.“ - diesen Satz ließ Sigmar Polke (1941 Oels - 2010 Köln) öfter fallen. „Spätestens zwei Wochen danach hatte er das Material zusammen.“, erinnert sich der Drucker und Galerist Mike Karstens, der mit dem Künstler eng befreundet war. Polke war ein neugieriger Mensch, er suchte die Herausforderung, lernte permanent neue Techniken für sein künstlerisches Schaffen. Nun kann man zum ersten Mal in Berlin sein umfassendes Editionswerk „Sigmar Polke - The Editions“ im me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht, sehen (28.04. - 27.08.2017). Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Sammler Dr. Axel Ciesielski (Kunstraum am Limes), aus dessen Sammlung die Editionen stammen.

Sigmar Polke zählt nach wie vor zu den renommiertesten deutschen Künstlern. Seine Werke sind international bekannt, die Arbeiten wurden unter anderen bei der documenta 5, 6, 7 gezeigt. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise wie bspw. Preis für Malerei auf der XIII. Biennale von São Paulo, Will-Grohmann-Preis, Kurt-Schwitters-Preis, Niedersächsische Sparkassenstiftung, Hannover, Großer Preis für Malerei auf der XLII. Biennale di Venezia, Goslarer Kaiserring, Praemium Imperiale, Kategorie „Malerei“ (Japan Art Association, Tokyo), Rubenspreis der Stadt Siegen, Roswitha Haftmann-Preis für das Gesamtwerk.
Unter Gerhard Hoehme und Karl Otto Götz absolvierte er 1967 sein Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf. Gemeinsam mit Konrad Lueg und Gerhard Richter entwickelte er den sogenannten Kapitalistischen Realismus. Immer wieder beleuchtete Sigmar Polke, oft auf humorvolle Weise, die Rolle der Kunst und des Künstlers in unserer Gesellschaft.


Sigmar Polke - Die Editionen, Installationsansicht, 2017, © me Collectors Room Berlin, Photo Bernd Borchardt

Die Editionswerke sind vielschichtig, es gibt mehr als 200 Werke in der Ausstellung. Die Technik des Siebdruckes ist vorherrschend, die Materialien reichen von Seidenpapier, zu Kunststoff oder Verpackungspapier. Häufig vergrößerte der Künstler Abbildungen, die er in Zeitungen und Zeitschriften oder in der Werbung entdeckte.

Im Urlaub auf Zypern ist dem Künstler die Idee für Werke wie Flopp, Hopp, Topp (1969) gekommen. Bei genauem Hinsehen fiel ihm beim täglichen Lesen der Zeitung mit „diebischer Freude“ ein Fehler im Bild auf. „Polke liebte Druckfehler. Er entdeckte, verkörperte und vergrößerte sie. Sah sie als Teil seines Lebens.“, sagt Kuratorin Tereza de Arruda. Polke begutachtete 17 Tage lang den Druck der Zeitung und stellte amüsiert fest - der Fehler kommt wieder. Der Fehler schien sich in der Druckmaschine selbst eingeschlichen zu haben. Polke sammelte die Zeitschriften und vergrößerte die betroffenen Bilder. Durch die Technik des Siebdrucks war der Fehler nicht mehr zu übersehen.

Neben diesen Arbeiten steht die berühmte Kartoffelmaschine. 1969 überlieferte Polke für die Intermedia `69 - eine Veranstaltung mit rund 50 Künstlern, unter anderem mit Bernhard Höke, Daniel Spoerri oder Klaus Staeck - eine Skizze für die Apparatur. „Wofür steht die Kartoffelmaschine? Eine Kartoffelpolitik? Gibt sie politische Hintergründe preis?“ fragt de Arruda. Vielleicht ist es aber auch schlicht ein “Apparat mit dem eine Kartoffel die andere umkreisen kann.“(1969) - wie der Werktitel preisgibt.


Sigmar Polke - Die Editionen, Installationsansicht, 2017, © me Collectors Room Berlin, Photo Bernd Borchardt

Eine Drehbewegung beschreibt auch die weibliche Figur in dem Werk „Proppellerfrauen“. „Es dreht sich immer alles um die Frau“ wird Polke zitiert. Zu sehen ist ein Propellerflugzeug, in dem eine Frau in doppelter Ausführung den Propeller ersetzt. Das Flugzeug ist in der Luft und fliegt auf die Erde zu, die einem Apfel mit Stiel gleicht, was die Geschichte von Adam und Eva weiterspinnen lässt.

Eine weitere Serie, „Der Kuchen ist alle?“ (2006), zeigt einen Siebdruck auf buntem, spiegelndem Verpackungspapier, wie es oft Geschenke zu Weihnachten oder Geburtstag verhüllt. Das Gedruckte liest sich in acht Bildern wie ein Comic. „Polke ist zu Hause, fährt in den Urlaub, es regnet, die Sonne scheint wieder, der Urlaub wird genossen, er ist wieder zu Hause, die Lampe wird eingeschaltet, der Kuchen ist alle.“ sagt Karstens.

Im Editionswerk „sieht man den Mut, den Sigmar Polke hatte. Er traute sich an neue Techniken, an neues Material heran.”, so die Kuratorin. Das macht die Ausstellung aus. Humorvoll, abwechslungsreich, poppig. Sigmar Polke war ein geliebter und beliebter Künstler. Viele wollten mit ihm arbeiten, wendeten sich mit Problemen und Anfragen an ihn. Dabei stellte er fest: “Zusammen arbeiten ist was ganz anderes als zusammenarbeiten.“.

Öffnungszeiten:
Dienstags bis sonntags: 12.00 bis 18.00 Uhr

me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht
Auguststraße 68
10117 Berlin
me-berlin.com

Olga Potschernina

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