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B3 Biennale

(Einspieldatum: 28.10.2017)

Eine Ausstellung ist eine Ausstellung ist eine Ausstellung...

Never Ending Stories. Der Loop in Kunst, Film, Architektur, Musik, Literatur und Kulturgeschichte im Kunstmuseum Wolfsburg


Werkabbildung

Yayoi Kusama
INFINITY MIRRORED ROOM - THE SOULS OF MILLIONS OF LIGHT YEARS AWAY, 2013
Installationsansicht Kunstmuseum Wolfsburg
Metall, Glas, Spiegel, Kunststoff, Acryl, Holz, Gummi, LED Lichtsystem, Acrylbälle, Wasser
287,7 x 415,3 x 415,3 cm, Sammlung HGN
© Yayoi Kusama. Courtesy of David Zwirner, New York; Ota Fine Arts, Tokyo / Singapore; Victoria Miro, London; YAYOI KUSAMA Inc.
Foto: Daniel Pilar


Im Loop setzt die Zeitlichkeit aus, ein Zustand von unendlicher Gegenwart tritt ein. Kein Zurückblicken, kein Vorwärtskommen, stattdessen die ewige Wiederholung des immer Gleichen. Damit einher geht eine Sinnentleerung der Handlungen, die im Alltag als Langeweile, im spirituellen Bereich aber auch als Befreiung empfunden werden kann. Albert Camus machte uns bekanntlich darauf aufmerksam, dass wir uns Sisyphos im Grunde „als einen glücklichen Menschen“ vorstellen müssen, der den Felsen zwar immer wieder den Berg hinaufrollen muss, dafür aber in der Absurdität der Wiederholung sein Schicksal als etwas Eigenes, ihm Gehöriges erfährt.

Werkabbildung
Max Beckmann
CAFÉ-INTERIEUR MIT SPIELSPIEGEL,1949
Öl auf Leinwand
61 x 46 cm, Privatsammlung
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Foto: Ursula Edelmann


Die neu eröffnete Schau „Never Ending Stories. Der Loop in Kunst, Film, Architektur, Musik, Literatur und Kulturgeschichte“ im Kunstmuseum Wolfsburg rückt die Endlosschleife in den Mittelpunkt. Die Botschaft: Der Loop, der uns heute prominenter Weise in Film und Musik begegnet, stellt weder eine neue, noch eine rein künstlerische, noch eine Erfindung des Westens dar. Ralf Beil, der Direktor des Museums und zugleich Kurator der Ausstellung, beleuchtet dieses allgegenwärtige Phänomen auf interdisziplinärer Basis von West nach Ost und von der Antike bis heute. Der Ouroboros, also die Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, ziert als Symbol für Ganzheitlichkeit eine altägyptische Schale, daneben ausgestellt findet sich das Motiv auch in mittelalterlichen Codices. Dass diese Idee noch heute fasziniert, zeigt das recht bizarre YouTube-Video einer sich selbst verschlingenden Schlange in einer Tierhandlung. An anderer Stelle steht Max Beckmanns „Café-Interieur mit Spielspiegel“ einem zu einer gif-Datei umfunktionierten Magritte-Gemälde gegenüber, da beide als Bild im Bild unendliche Wiederholung suggerieren.

Werkabbildung
Matthaeus Merian der Ältere / the Elder
DISS IST DER DRACHE, WELCHER SEIN EIGENEN SCHWANZ AUFFFRISST, 1618
in: Michael Maier, Atalanta Fugiens, Oppenheim: Johann Theodor de Bry
Kupferstich
20 x 15 x 5 cm, © Staatsbibliothek zu Berlin—Preußischer Kulturbesitz, Abteilung Historische Drucke, Nv 7886 (R)


In 14 Kapiteln und auf einer Fläche von 2.000 qm treffen Pop und Alltag auf Hochkultur, Bildende Kunst auf Film, Architektur, Musik und Literatur. Den Schwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit dem Loop in der zeitgenössischen Kunst, repräsentiert durch Künstler*innen wie Yayoi Kusama, Bruce Nauman, Rosa Barba, Francis Alÿs, Markus Raetz, Douglas Gordon, Bridget Railey oder Salla Tykkä. Spektakulär in ihren Dimensionen, stellt Gregor Schneiders 500 qm große Arbeit „Bad“ den Kern der Ausstellung dar: In einer begehbaren Installation von 21 exakt identisch aussehenden Räumen macht der Künstler den Loop räumlich erfahrbar: man geht von einem Bad zum nächsten und betritt doch immer wieder den gleichen Raum. Jeder Raum verfügt jedoch über einen Ausgang und so bestimmt jede*r – anders als Sisyphos – selbst den Zeitpunkt des Ausbruchs aus dieser „begehbaren 3D-Endlosschleife“, wie Beil sie im umfassenden Katalog zur Ausstellung nennt.

Werkabbildung
Gregor Schneider
BAD, 2014
21 Räume: Faserplatten auf Holzkonstruktion, 1 Leuchte, 2 Türen, 1 Duschkabine, 1 Spiegel, graue Fliesen auf dem Boden, weiße Decke, weiße und cremefarbene Wände,
je 220 x 330,6 x 266,4 cm, Sammlung des Künstlers
© Gregor Schneider © VG Bild-Kunst, Bonn 2017


Mit „Never Ending Stories. Der Loop in Kunst, Film, Architektur, Musik, Literatur und Kulturgeschichte“ ist Ralf Beil und seinem Team im wahrsten Sinne des Wortes eine „runde“ Ausstellung gelungen. Es liegt auf der Hand, dass ein so grundsätzliches Phänomen nicht erschöpfend behandelt werden kann. Die Schau bietet aber auf niederschwellige und dennoch keineswegs plumpe Art und Weise einen umfangreichen Überblick über die Idee des Unendlichen, des Kreises und der ewigen Wiederholung in Geschichte und Gegenwart.

„Never Ending Stories. Der Loop in Kunst, Film, Architektur, Musik, Literatur und Kulturgeschichte“
Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1, 38440 Wolfsburg
29.10.2017 – 18.02.2018
Öffnungszeiten: Di – So, 11 – 18 Uhr
Eintrittspreis inkl. Audioguide: 10€ / 8€ ermäßigt
kunstmuseum-wolfsburg.de

Anna Wegenschimmel

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Von einem Ausflug nach Wolfsburg: Im Kunstmuseum Wolfsburg dreht sich alles um den Loop. Im Loop setzt die Zeitlichkeit aus, ein Zustand von unendlicher Gegenwart tritt ein. Kein Zurückblicken, kein Vorwärtskommen, stattdessen die ewige Wiederholung des immer Gleichen.

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