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Ein Schloss, das keins mehr sein will. Zur Eröffnung des Humboldt Forums.

von chk (20.07.2021)


Ein Schloss, das keins mehr sein will. Zur Eröffnung des Humboldt Forums.

Humboldt Forum, Ausstellungsansicht "BERLIN GLOBAL", Foto: kuag

Es gab einmal ein Schloss in Berlin, das hat eine lange Geschichte. Doch um es kurz zu machen: das Schloss war dann mal weg - gesprengt und begraben unter einem Palast der Republik. Und jetzt ist es wieder da - auferstanden aus Ruinen - und nennt sich Humboldt Forum.

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Außenansicht: Humboldt Forum, Foto: kuag

Der von außen zur Schau gestellte barocke Schlosscharakter unterstreicht nicht gerade die Idee eines offenen, weltgewandten Forums. Aber auch hier wollen wir nicht mit einer Diskussion langweilen, die vielfach geführt wurde und selbst der unsäglichen Kreuzrekonstruktion keinen Einhalt gebieten konnte. “Es ist in keinem andern Heil... Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.”, steht nun auf der Kuppel. Es ginge lediglich um historische Detailtreue, hieß es und nicht um einen christlichen Absolutheitsanspruch. Schnell ließe sich an dieser Stelle die Kolonialismusdebatte ins Spiel bringen und aus unrühmlichen Diskussionen über verweigerte oder verzögerte Rückgaben gestohlener Objekte zitieren. In diesem Fall vertagen wir jedoch eine Analyse zur Präsentation von Raubkunst, zum Beispiel der Benin-Bronzen, in die Zukunft und widmen uns der Gegenwart. Denn schließlich ist heute der Tag, an dem das Humboldt Forum eröffnet wird.

Responsive imageHumboldt Forum, Ausstellungsansicht Kellergeschoss, Foto: kuag

Die ersten 100 Tage ist der Eintritt frei und zu sehen sind eine Vielzahl von Sonderausstellungen - vom Keller bis ins erste Obergeschoss lässt sich erfahren, inwieweit das Konzept eines offenen Hauses nicht an der Fassade abprallt.
Auf keinen Fall sollte man sich das rund 1.500 Quadratmeter große Kellergewölbe entgehen lassen. Hier befinden sich tatsächlich real existierende Reste des Schlosses, die von vergangenen Vor- und Umbauten erzählen und großartig präsentiert werden. Diese gehören zugleich zu den ältesten Spuren der Berliner Stadtgeschichte. Entdeckt wurden auch Sprengkrater, die durch die Sprengung des Schlosses 1950 entstanden (siehe Abb.). Mehr zur Historie gibts dann im Videoraum und Skulpturensaal sowie anhand von im ganzen Haus verteilten multimedialen Informationstafeln, den sogenannten Spuren.

Responsive imageHumboldt Forum, Ausstellungsansicht "schrecklich schön", Foto: kuag

“Schrecklich schön. Elefant - Mensch - Elfenbein” heißt eine Ausstellung im Erdgeschoss, die sich der durch den Menschen gequälten Kreatur des Elefanten widmet. Elfenbein hat seit Unzeiten die Menschheit fasziniert, sehr zum Leidwesen der Tiere. Anhand von 200 Objekten aus Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte werden ethische, globale, soziale und politische Bezüge aufgerollt. Sie offenbaren viel über unser Verhältnis zur Natur und Umwelt. Inmitten der Kunst- und Kultgegenstände aus Elfenbein prägt sich besonders ein permanent im Hintergrund zu hörendes Röcheln und Stöhnen ein. Erst ein großformatiges Video in einem kleinen Kabinett offenbart, dass es von einem sterbenden Elefanten stammt, dem seine Stoßzähne gewaltsam entnommenen wurden.
Mit der Ausstellung wird eines der Kernthemen des Forums angeschnitten: Fragen nach einer Veränderung des Bewusstseins im Hinblick auf Ökonomie und Ökologie. Ebenfalls im Erdgeschoss stößt man auf die für Kinder konzipierte Ausstellung Nimm Platz und, sozusagen im Vorübergehen, auf die eher lapidare Präsentation Einblicke. Die Brüder Humboldt. Das Leben und Wirken der beiden Humboldts - immerhin die Namensgeber des Ortes - durch Schlaglichter auf Texttafeln und Fensterbildern im Treppenhaus abzuhandeln, lässt deren humanistisch orientierten Forschergeist allerdings farblos zurück.

Responsive imageHumboldt Forum, Ausstellungsansicht "BERLIN GLOBAL", Die Tresortür, Foto: kuag

Mit der Rolltreppe geht es ins Obergeschoss. Die Ausstellungen BERLIN GLOBAL von Kulturprojekte Berlin und dem Stadtmuseum Berlin und Nach der Natur geben weitere Einblicke ins Haus.
BERLIN GLOBAL umfasst sieben Themenräume – Revolution, Freiraum, Grenzen, Vergnügen, Krieg, Mode und Verflechtung. Immerhin 4.000 Quadratmeter müssen bewältigt werden. Auf didaktisch anrührende Weise eröffnet ein riesiges 360-Grad-Kunstwerk des New Yorker Urban-Artist-Duos How and Nosm die Schau. Weltdenken, so der Titel, verweist auf die historisch vernetzte Stellung Berlins in der Welt. Die weiteren Themenräume widmen sich, in zum Teil bühnenbildreifer Inszenierung, ausgewählten Aspekten der Stadtgeschichte. Die Präsentation kommt ohne chronologische Aneinanderreihung aus und gereift den Charakter der Stadt Berlin auf. Dabei, so scheint es, lassen sich Stereotypen nicht vermeiden. Viel Spaß macht es trotzdem, in die Räume einzutauchen und die interaktiven, zum Teil raumgreifenden Installationen zu nutzen. Vertiefend und unterhaltsam können auf diese Weise verschiedenste Interessen bedient werden.

Responsive imageHumboldt Forum, Ausstellungsansicht "Nach der Natur", Foto: kuag

Auch in der Ausstellung Nach der Natur, mit der die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) das Humboldt Labor eröffnet, beeindrucken die partizipativen Möglichkeiten und die an eine Wunderkammer erinnernde Präsentation. Thema der Ausstellung sind die Wechselwirkungen von Umweltveränderung und dem Verlust von biologischer Vielfalt. Dazu lässt sich eine Vielzahl von Stimmen aus der wissenschaftlichen Forschung hören. Gleichzeitig animieren zahlreiche Installationen, bspw. zur Sprachvielfalt in unserer Welt, selbst zu forschen und vermeintlich Gewusstes zu hinterfragen.

Im September eröffnet dann der Westflügel der zweiten und dritten Etage. Dort sind das Ethnologische Museum und das Museum Asiatischer Kunst untergebracht.

Schon jetzt sind die gezeigten Ausstellungen in ein umfangreiches Programm eingebettet. Die Zukunft wird zeigen, ob sich dieses Schlossprojekt lediglich zu einem touristischen Hotspot entwickelt und als Bankettsaal für Politik und Wirtschaft dient. Oder, ob in den architektonischen und soziologischen Widersprüchlichkeiten eine offene Kultur gepflegt werden kann, die in und über die Grenzen Berlins hinaus Bedeutung gewinnt.

humboldtforum.org/de

chk

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