Arno Schidlowski
Jasmund #23
2005-2011
30,5 x 24 cm
C-Print (Handabzug vom Künstler)
© Arno Schidlowski | courtesy JO VAN DE LOO


Das Thema Landschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Kunstgeschichte. Seit jeher schöpfen Malerei, Musik und darstellende Künste ihre Motive und Inspirationen aus der Natur. Sie bewegt uns, stimmt uns nachdenklich und führt uns zum vermeintlichen Ursprung zurück. Auch für die Fotografie fungiert die Natur seit ihren Anfängen als Schule des Sehens, an der Format, Komposition und das Spiel mit dem Licht erprobt werden. Doch gerade an der Naturfotografie scheiden sich oft die Geister.

In der Wissenschaft etablierte das einst neue Bildmedium einen sachlich-dokumentarischen Standard zur exakten Wiedergabe der Realität. Komplexe Phänomene konnten so erstmals detailgetreu erfasst werden – scheinbar ohne den subjektiven Einfluss einer Künstler*innenhand. Gleichzeitig blieb die Natur jedoch das, was sie für die Malerei bereits war: Visuelles Experimentierfeld und emotionale Projektionsfläche für die großen existenziellen Fragen des Menschen.

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Arno Schidlowski
Jasmund #2
2005-2011
30,5 x 24 cm
C-Print (Handabzug vom Künstler)
© Arno Schidlowski | courtesy JO VAN DE LOO


Die beiden Werkreihen von Arno Schidlowski, die bis zum 12. April in der Alfred Ehrhardt Stiftung zu sehen sind, beweisen, dass Sachlichkeit und Romantik keine Gegensätze sein müssen. Seine stimmungsvollen Bilder sind so präzise wie poetisch. Während der aufwendige analoge Herstellungsprozess einen wissenschaftlichen Anspruch an Technik offenbart, strahlt das Werk selbst eine beinahe mystische Emotionalität aus. Ob nebelverhangene Wälder, Gewitterwolken am Horizont oder eine blasse Sonne über schemenhafter Vegetation: Die Fotografien reihen sich in eine Bildtradition ein, in der die Natur den Fixpunkt menschlicher Kontemplation bildet.

In seiner Serie Jasmund bezieht sich Schidlowski bewusst auf den wohl berühmtesten deutschen Romantiker: Caspar David Friedrich. Seine Bilder versetzen uns an die Küsten und in die Buchenwälder, die durch Friedrichs Pinselführung fest in unserem Sehgedächtnis verankert sind. Schidlowski gelingt in seinen Detailstudien eine Überlagerung von innerem Blick und äußerem Abbild – eine Fusion von Sachlichkeit und Gefühl.

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Arno Schidlowski
Der Sonne Mond #21
2011-2013
28 x 28 cm
Silbergelatineabzug (Handabzug vom Künstler)
© Arno Schidlowski | courtesy JO VAN DE LOO


Die Serie Der Sonne Mond ist Schidlowskis eigene Antwort auf seine Arbeit in Jasmund. Auch hier erzeugt er durch die intensive Auseinandersetzung mit den von ihm besuchten Orten eher eine Wiedergabe des Inneren als des bloß Sichtbaren. In Schwarz-Weiß-Fotografien erreicht er durch bewusste Lichtführung und radikale Bildausschnitte eine Abstraktion, wegen der sich die Aufnahme nicht mehr eindeutig verorten lässt und dem Werk eine besondere Dramatik verleiht.

Was aktuell in der Alfred Ehrhardt Stiftung präsentiert wird, ist keineswegs eine bloße Neuauflage der Romantik, sondern vielmehr ihre Fortführung in der Gegenwart. In dieser hat die Natur als kontemplativer Rückzugsort weiterhin Bestand und beharrt auf ihrer Relevanz. Arno Schidlowskis Werk stellt dies mit besonderer Eindringlichkeit unter Beweis.

Arno Schidlowski
Jasmund | Der Sonne Mond

10. Januar–12. April 2026

Öffnungszeiten:
Di–So 11–18 Uhr

Alfred Ehrhardt Stiftung
Auguststraße 75
10117 Berlin
www.aestiftung.de