(Einspieldatum: 02.12.2011)

Das Projekt Khoj und die Kunstszene Delhis


Köperl/Winkler, Passenger-Propelled-Rickshaw, Aktion, 2010, © Köperl/Winkler

Ausstellungsbesprechung:

Fahrrad-Rikschas dominieren, obwohl mittlerweile in weiten Teilen Indiens größtenteils durch motorbetriebene Modelle ausgewechselt, gerade in Delhi noch immer das Straßenbild. Die Galerie des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in Berlin stellt momentan das Projekt “Khoj” als Beispiel der sich rasant entwickelnden indischen Kunstwelt aus. Die internationale Künstlervereinigung aus Delhi entstand vor 14 Jahren mit dem Ziel, Künstlern in Indien eine Möglichkeit des Austauschs, der Diskussion und der Entwicklung ihrer Projekte zu ermöglichen. Das Projekt wird innerhalb der Ausstellungsreihe “connect” in der ifa Galerie gezeigt, zuvor wurden Künstlerorganisationen aus Vietnam und Brasilien vorgestellt. Die Reihe will einen Einblick in globale Kunstszenen ermöglichen, die derzeit nicht im Fokus der westlichen Welt stehen.

Fahrrad-Rikschas erscheinen also passend als Einstieg in die indische Kunstwelt. Sie sind einerseits umweltfreundlich, andererseits lebensgefährlich; vorallem lassen sie den weniger erfahrenen Passagier leicht Mitleid für den meist kleinen, eher dünnen Fahrer empfinden. Die Künstler Sylvia Winkler und Stephan Köperl wollen mit ihrem Projekt „The PPR Experience“ (2010) der existierenden Hierarchie zwischen Passagier und Fahrer trotzen, indem in ihren umgebauten Rikschas die hinten sitzenden Passagiere die Pedale betätigen, während der Fahrer vorne das Lenken übernimmt. Somit entsteht eine Arbeitsteilung, die nur bei kooperativer Zusammenarbeit erfolgreich sein kann.

Kooperation wird auch innerhalb des in dem vorgestellten Projekt Khoj großgeschrieben. Das Projekt, das aus dem immensen Mangel an Fördermitteln für Künstler in Indien entstand, ist in einem Haus im Außenbezirk im Süden Delhis angesiedelt und besteht aus Ateliers und Büroräumen, sowie einer Bibliothek und einer Galerie mit Ausstellungsmöglichkeit für die Künstler. Außerdem werden Workshops und Stipendien an lokale Künstler angeboten. Finanziert wurde das Projekt zunächst durch private Spenden, mittlerweile ist es Teil des Triangle Networks und wird durch eine Partnerschaft mit der Ford Foundation unterstützt.

Die Ausstellung in der ifa Galerie will keine Überblicksausstellung der letzten 14 Jahre des Projektes darstellen, sondern einen Einblick in die Schaffensprojekte der beteiligten Künstler gewähren, die von Performances bis zu ortsspezifischen Installationen reichen.
Eine der Künstlerinnen des Projekts, Hema Upadhyay, säte während eines Workshops in Berlin (erstmals entstand die Arbeit im indischen Mysore) mit Hilfe von Grassamen einen nie gesendeten Brief an ihre Eltern auf ein Stück Erde im Ausstellungsraum. Während des Workshops “gediehen” die Wörter prächtig, nun sind sie überwuchert und in der Dürre erstarrt.

Mit Grenzen, politisch, geographisch sowie in den Köpfen der Menschen, beschäftigt sich Bani Abidi’s Video „The News“ (2011). Auf zwei nebeneinander stehenden Fernsehapparaten werden zwei Nachrichtensprecherinnen, eine aus Indien, eine aus Pakistan, gezeigt, die die aktuellen Geschehnisse je aus der Sicht des eigenen Landes berichten. Andere Künstler, wie Rohini Devasher und Abhishek Hazra, befassen sich mit Umweltfragen, der Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft, sowie mit Fragen der Wissensvermittlung.


Die begleitenden Texte an den Wänden und im Katalog der Ausstellung sind spannend und aufschlussreich. Sie lassen einen, mehr noch als die gezeigten Werke, die eher repräsentativ zur Illustration des Konzeptes als zum Einblick in die beträchtliche Kunstszene Indiens dienen, die Ausmaße des inspirierenden Projektes Khoj nachvollziehen.

In Indien und weit darüber hinaus – Connect: Khoj
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)
Linienstr. 139/140
10115 Berlin
Ausstellungsdauer: bis 2.1.2012, freier Eintritt
Öffnungszeiten: Di – So 14 – 19 Uhr
ifa.de

Teresa Reichert

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