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Berlin Daily 22.10.2019
Künstlergespräch mit Sven Drühl

19 Uhr: und dem Kunsthistoriker Harald F. Theiss im Rahmen d. Ausst. Floating Landscapes
St. Matthäus am Kulturforum, Berlin

(Einspieldatum: 23.09.2019)

Christina Ramberg und ihre grandiosen Torsofiguren im KW Institute for Contemporary Art

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Christina Ramberg, Probed Cinch, 1971, Courtesy Privatsammlung/Private Collection, New York. Installationsansicht / installation view The Making of Husbands: Christina Ramberg in Dialogue in den / at KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 2019, Foto / photo: Frank Sperling

Der von Kleidern geformte Körper steht mit Mittelpunkt des hierzulande weitgehend unbekannten Werks von Christina Ramberg (1946-1995). Jetzt ist im KW Institute for Contemporary Art ein kleiner Ausschnitt daraus zu sehen. In der Ausstellung The Making of Husbands. Christina Ramberg in Dialogue werden ihre Bilder und Zeichnungen mit Arbeiten von 14 Künstlerinnen und Künstlern konfrontiert, darunter Gishlaine Leung, Senga Nengudi, Alexandra Bircken und Ana Pellicer, die sich mit verschiedenen Aspekten der Identität auseinandersetzen.

Mysteriös, faszinierend und düster sind die Bilder, die Christina Ramberg in altmeisterlicher Manier mit Acryl auf Hartfaserplatten malte. Ihren Blick richtete die US-amerikanische Künstlerin auf den Körper und seine Transformationen unter dem Einfluss der Werbung und dem wachsenden Normierungsdruck. Ihre zu Torsi reduzierten Figuren sind mal unbeschreiblich weiblich: Sie tragen aufreizende Schlüpfer und Korsetts, wodurch Mann sich ihrer sexuellen Anziehungskraft nicht entziehen kann. Mal stecken die kopflosen, stummelarmigen Geschöpfe in Kleidern, die wie Harnische, Mumien oder Insektenpanzer anmuten. Kleider sind einerseits wandelnde Gefängniszellen, in die sich Menschen freiwillig einsperren, um attraktiver zu wirken. Sie sind andererseits Projektionsflächen für erotische Fantasien, die beim Anblick der spärlich bekleideten Frauen so richtig in Gang kommen.

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Christina Ramberg, Black Widow, 1971, Courtesy Illinois State Museum, lllinois Legacy Collection. Installationsansicht / installation view The Making of Husbands: Christina Ramberg in Dialogue in den / at KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 2019, Foto / photo: Frank Sperling.


Sündhaft schöne Dessous

Christina Ramberg war eine bedeutende Vertreterin der Chicago Imagists, einer Künstlergruppe, die, aus der dortigen School of the Art Institute hervorgegangen, eine von Surrealismus, Comics, Werbung, Outsider Art und Trödelfunden inspirierte figurative Kunst praktizierte. Bereits als SAIC-Studentin sorgt Ramberg Anfang der 70er Jahre für Aufsehen. Ihre minutiösen Bilder, darunter Black Widow und Probed Cinch sind ambivalent. Sie zeigen tatsächlich den fragmentierten, zum Fetisch und Objekt der männlichen Begierde verkommenen weiblichen Körper. Zugleich verbergen sie nicht, dass auch die Künstlerin von den sündhaft schönen, schwarzen Dessous, vor allem von den seidig glänzenden Korsetts und Miederhöschen fasziniert ist. Ihre späteren Gemälde muten wie Materialbilder oder Reliefs an. Die geschlechtslosen oder androgynen Torsofiguren sind von einer schwarzen Linie umrandet, die sie zusammenhält und ihre Grenzen markiert. Sollen sie dadurch vor dem Zerfall oder Entgrenzung geschützt werden? „Mein Ziel ist, meinen Obsessionen und Ideen den stärksten und kohärentesten visuellen Ausdruck zu verleihen“, schrieb die Künstlerin in einem undatierten Notizbucheintrag.

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Installationsansicht / installation view The Making of Husbands: Christina Ramberg in Dialogue in den / at KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 2019, Foto / photo: Frank Sperling


Torsi der Diversität

Dass Christina Ramberg dieses Ziel erreicht hat, macht ihre Ausstellung im KW Institute for Contemporary Art deutlich. Anhand der 14 gezeigten Bilder und der ihnen vorausgegangenen Zeichnungen wird ihr künstlersicher Weg erfahrbar, der mit gegenständlichen weiblichen Torsi begann und zu abstrahierten Menschenfiguren führte. Durch ihre Beschaffenheit, die muskulösen Schultern und Brustkörbe könnte es sich dabei um Männer handeln. Bei genauer Betrachtung fällt aber auf, dass die Torsi Korsetts, Büstenhalter, Miederhöschen und T-Strings über ihren maskulinen Schlüpfern tragen. Andere wiederum sehen wie Schaufensterpupen aus, denen die Künstlerin weibliche Haare in der Schultergegend und einen Schnurrbart an der Stelle, wo sich der Penis befindet, verpasste. Abgesehen von der Vermischung der weiblichen und männlichen Elemente muten ihre Bilder wie eigentümliche, sich auflösende Architekturen an. So zum Beispiel ist Vertical Amnesia (1980) eine Komposition aus (gemalten) Möbel- und Kleiderstoffen, Teilen eines Stuhles, dessen Maserung an weibliche Haare erinnert, und Papier: vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Menschen aus vergänglichem Material gebaut sind.

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v.l.nr./f.l.t.r.: Ghislaine Leung, SHROOMS, 2016, Courtesy die Künstlerin / the artist und / and ESSEX STREET, New York. Ana Pellicer, Anillo liliputense, producto de exportación, 1981, Courtesy die Künstlerin / the artist, Ringier AG / Sammlung Ringier (CH) und / and Gaga Fine Arts, Mexico-Stadt und /and Los Angeles. Installationsansicht / installation view The Making of Husbands: Christina Ramberg in Dialogue in den / at KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 2019, Foto / photo: Frank Sperling.


Christina Rambergs Bildern und Zeichnungen stehen in den KW Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstlern gegenüber. Alexandra Bircken und Senga Nengudi zeigen ihre aus Büstenhaltern und Damenstrümpfen bestehenden Installationen, also Dinge, von denen sich auch die amerikanische Malerin inspirieren ließ. Eine enorme körperliche Präsenz hat der überdimensionale Kupferring, eines der Juwelen, die Ana Pellicer schuf, um sie der New Yorker Freiheitsstatue aus Anlass ihres hundertjährigen Bestehens anzulegen. Nachtlichter in Form von Pilzen, gelbe Shrooms (2016), die Ghislaine Leung in der KW-Halle verteilte, passen zu Rambergs kleinem Gemälde 10 Watt Night Lamp (1977). Dieses und die anderen Bilder führen vor, dass sie ihrer Zeit voraus war. Sie befasste sich mit Körperidentitäten und Geschlechterkonstruktionen in einer Zeit, als das noch nicht sehr verbreitet war. Ihr Werk hat auch heute nicht an Aktualität verloren. Ein großes Lob für die Kuratorin Anna Gritz, dass ihre Ausstellung dazu beiträgt, die großartige Künstlerin Christina Ramberg zu entdecken.

The Making of Husbands
Christina Ramberg in Dialogue:
Alexandra Bircken, Rachal Bradley, Sara Deraedt, Gaylen Gerber, Frieda Toranzo Jaeger, Konrad Klapheck, Ghislaine Leung, Hans-Christian Lotz, Senga Nengudi, Ana Pellicer, Richard Rezac, Diane Simpson, Terre Thaemlitz, Kathleen White

bis 5. Januar 2020

KW Institute for Contemporary Art
KUNST-WERKE BERLIN e. V.
Auguststraße 69, 10117 Berlin

Öffnungszeiten
Mi–Mo 11–19 Uhr, Do 11–21 Uhr
Dienstags geschlossen

www.kw-berlin.de

Urszula Usakowska-Wolff

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Titel zum Thema KW Institute for Contemporary Art:

Christina Ramberg und ihre grandiosen Torsofiguren im KW Institute for Contemporary Art
Ausstellungsbesprechung: Der von Kleidern geformte Körper steht mit Mittelpunkt des hierzulande weitgehend unbekannten Werks von Christina Ramberg (1946-1995).

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