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Quo vadis? Ein digitales Format auf einer Reise wohin? - The Last Museum in den KW

von Maximilian Wahlich (14.05.2021)
vorher Abb. Quo vadis? Ein digitales Format auf einer Reise wohin? - The Last Museum in den KW

Nora Al-Badri, AFU This Is Not a Hackerspace (Filmstill aus The Last Museum, 2021); Courtesy die Künstlerin

Die KW Institute for Contemporary Art haben mit KW Digital ein neues Projekt entwickelt, dass Zusammenhänge oder Verknüpfungen vom digitalen und physischen Raum ins Zentrum rückt. In diesem Rahmen ist jetzt online die Ausstellung The Last Museum zu sehen. Neumodisch als Pop-up-Schau gepriesen, behauptet sie sich als hybrides Format. Der Ausstellungstitel Das letzte Museum verweist auf eine Buchvorlage des Autors Brion Gysin. Dessen Text handelt von einem Investor, der ein Pariser Hotel kauft, es über den Atlantik transportieren und in Amerika wieder errichten möchte. Passend zur der Erzählung, wo ein Ort mitsamt seiner Geschichte und örtlichen Struktur einfach verlagert wird, thematisiert die Ausstellung das Spannungsverhältnis digitaler Räume zwischen globaler Präsenz und lokaler Einbettung.

Sechs Künstler*innen wurden eingeladen, an dem Projekt mitzuwirken. Dem folgte die Aufgabenstellung, ein skulpturales Werk als Intervention an einem spezifischen Ort zu installieren. Der Arbeitsprozess wurde aufgezeichnet und von dem Web-Entwickler Jules LaPlace zu einem interaktiven Mitschnitt komponiert.

Die ausgewählten Orte variieren stark: Ein Hackerraum in Berlin, eine Forschungseinrichtung in den Rocky Mountains oder ein rappelvolles Elektrogeschäft in Sao Paulo. Auch der konkrete Gegenstand der Werke ist sehr unterschiedlich: Während Jakrawal Nilthamrongs von Brandfällen im thailändischen Hochgebirge berichtet und nachgebaute Brandsätze in die trockene Steppe setzt, erzählt Charles Stankievech über die veränderte Wahrnehmung von Landschaft, die sich mit technischen Entwicklungen und militärischen Einsätzen verflechtet. Nicole Foreshew befasst sich wiederum mit sogenannten Message Sticks, einer alten Kommunikationstechnik, die sich dem kolonialistischen Blick entzieht, da sie von den meisten (westlichen) Menschen nicht decodiert werden kann.

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Zohra Opoku, The Myths of Eternal Life (Filmstill aus The Last Museum, 2021); Courtesy die Künstlerin

Die Vielheit an Themen wird auf verwirrend ähnliche Weise in ein und dasselbe Format gepresst. Die Positionen lassen sich damit kaum voneinander unterscheiden. In allen Werken besteht die Interaktion darin, über den Bildschirm zu sausen bis sich der Mauspfeil in ein kryptisches Zeichen verwandelt. Durch Anklicken werden die Benutzer*innen auf die nächste Seite geführt, manchmal ploppt aber nur ein kleines Fensterchen mit einem weiteren Video auf, so dass sich Film- und Tonspur übereinander lagern. Auffällig ist auch der Grundton der poetisch-assoziativen Erzählung vieler Werke. Dieser stream of consciousness leitet einen schnell von einem Zitat des Religionswissenschaftlers Mircea Eliade über den etymologischen Ursprung des Wortes Eisen zu einem Foto eines Eisenfelsen mit der Bildbeschriftung Rene Magritte, La clef de verre, 1959, blendet im nächsten Moment das gleichnamige Gemälde eines eiförmigen Felsen des belgischen Surrealisten ein und schließt mit einem Zitat von Clarice Lispector über das Ei. An ganz anderer Stelle, in der Arbeit von Juliana Cerqueira Leite, lässt sich über ein Feld in der oberen rechte Ecke ein kleines Fenster öffnen, wo ein Mund zu sehen ist, der in verschiedenen Stimmlagen hastig monologisiert.

Nicht nur die formale Gleichförmigkeit aus kleinen Bildschirmen und ähnlicher Navigation fällt auf. Ebenso wundert, dass alles an den Werken beabsichtigt scheint. In den ausstellungsbegleitenden Texten wird jedes Fragment aufgeschlüsselt. Ferner scheint den künstlerischen „Interventionen“ ein wichtiges Moment abhanden gekommen: Die Störung, der Eingriff und die Interaktion gehen mit dem Zufall einher und diese nicht berechenbaren Folgen fehlen in der Aufbereitung. Auch werden der skizzierte Gedankenstrom, die Verkettung von Assoziationen, sonst subjektiv und willkürlich, von einem übergeordneten Konzept beherrscht. Die Navigation durch die Kunstwerke verfolgt stringent eine Linie, ein Weiter und Zurück und ein Anfang und Ende. Somit pendeln die Werke unentschlossen zwischen Intervention, interaktiver Ansprache und komplexer Selbsterklärung.

Künstler*innen:
Nora Al-Badri, Juliana Cerqueira Leite, Nicole Foreshew, Jakrawal Nilthamrong, Zohra Opoku und Charles Stankievech

www.kw-berlin.de

Maximilian Wahlich

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