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Dem eurozentrierten Blickwinkel entgegenwirken

von Dr. Barbara Borek (12.06.2015)
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"Geniale Dilletanten": FM Einheit musiziert mit Hammer, Fotograf Wolfgang Burat

Das Goethe-Institut wird einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf den Süd-Süd-Dialog legen und so dem eurozentrierten Blickwinkel vieler afrikanischer oder südamerikanischer Länder entgegenwirken. Diese und andere Positionen sowie eine Fülle von Projekten stellten der Präsident Klaus-Dieter Lehmann und der Generalsekretär Johannes Ebert vorgestern in Berlin vor.

Mit knapp 160 Instituten in 98 Ländern fördert das Goethe-Institut die deutsche Sprache und Kultur. Darüber hinaus werden Programme entwickelt, die das Verständnis der Kulturen untereinander fördern, nicht alleine in Bezug auf Deutschland. "Kunst und Kultur benötigen Strukturen, um sichtbar zu sein", betont Lehmann, "und diese Strukturen müssen dann mit Inhalten gefüllt werden."

So seien nicht nur die afrikanischen Länder von europäischer Seite her differenzierter zu betrachten, auch der innerafrikanische Dialog sei schwach ausgeprägt. Hier bietet seit dem Frühjahr dieses Jahres das gemeinsam mit der Siemens Stiftung initiierte Internetportal Music in Africa musicinafrica.net eine Plattform zum Austausch über den afrikanischen Musiksektor. Regionale Büros in Südafrika (Johannisburg), DRC (Kinshasa), Kenia (Nairobi), im Senegal (Dakar) und Nigeria (Lagos) wurden bereits eröffnet.

Seit 2010 liefert mokoloprojects.org ein ähnliches Angebot für den Bereich Film und Fernsehen, von 2015 bis 2017 wird das Projekt Centers of Learning for Photography in Africa die neuen Entwicklungen in der Fotografie-Szene aufnehmen. Junge Festivals wie das Lagos Photo Festival oder das Addis Foto Fest fördern vor allem afrikanische Künstler. Doch es fehlen Orte für eine professionelle Ausbildung, hier sollen Initiativen durch das Goethe-Institut unterstützt und neue ausgebaut werden.

Das Goethe-Institut unterstützt die Kreativwirtschaften in Osteuropa mit Kooperationen, stellt Plattformen der Kommunikation zur Verfügung. Dies ist ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Arbeit. "Wir bringen in den Ländern der östlichen Partnerschaft Akteure aus Kultur und Bildung zusammen“, so Ebert. Vor allem junge Menschen sollen gefördert, freie und lokale Kunstszenen bestärkt und ein Austausch mit deutschen Künstlerinnen und Künstlern erreicht werden. Beispiele zur Stärkung der Zivilgesellschaft sind die Ausstellung zur deutschen Subkultur der 1980er Jahre "Geniale Dilletanten", die in diesem Sommer erst in Minsk und danach im Münchner Haus der Kunst zu sehen ist oder der Club Transmediale, der im September nach Sibirien reist.


Pressefrühstück: Generalsekretär Johannes Ebert, Präsident Klaus-Dieter Lehmann, Fotograf Bernhard Ludewig

Auch und gerade in Gebieten, die sich in einer angespannten politischen Lage befinden wie der Ukraine, engagiert sich das Goethe-Institut. In sogenannten Mapping-Prozessen wird eine Professionalisierung der Kulturarbeit unterstützt und eine Übersicht der ukrainischen Kulturszene erarbeitet. An fünf "runden Tischen" in fünf Städten sollen wichtige Themen zur kulturpolitischen Entwicklung diskutiert werden. Immer gehe es darum, so Ebert, Möglichkeiten zu schaffen, dass "die Projekte in den Kulturen ihre eigene Form finden".

Für die deutsche Hauptstadt stellt sich in den nächsten Jahren eine eigene Aufgabe der kulturellen Positionierung: Seit 2009 beteiligt sich das Goethe-Institut intensiv an den Diskussionen und Planungen zum Humboldt-Forum in Berlin im Schloss-Bau, das an diesem Wochenende Richtfest feiern wird. Und das nicht nur aufgrund der Tatsache, dass Klaus-Dieter Lehmann als ehemaliger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Initiator einer Idee der Nutzung des Schlossbaus für nicht-europäische Sammlungen war.

Die sich dramatisch entwickelnde Situation der Flüchtlinge weltweit fließt ebenso in die Überlegungen zu neuen Programmen im Kultur- und Bildungsbereich mit ein. Vorlese- und Sportprojekte für Kinder in Flüchtlingscamps, Maßnahmen zum Erhalt des kulturellen Lebens und Unterstützung von Kunstschaffenden in Krisengebieten – dies alles sei zwar ein "bescheidener Beitrag", so Ebert, doch die "Gefahr einer verlorenen Generation" könne neben der humanitären Katastrophe auch für die Kultur nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Das Goethe-Institut als größte deutsche Mittlerorganisation wird so weiter eng mit lokalen Kunstszenen zusammenarbeiten und gleichzeitig den Kulturaustausch mit Deutschland fördern. Über Kultur und Bildung die Zivilgesellschaften stärken – und jungen Menschen weltweit die Chance zur Teilhabe geben, dieser Auftrag wird außerordentlich ernst genommen.

goethe.de

Dr. Barbara Borek

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