Christian Kobald, Heinz Bude, Anne Katrin Stork, Lou Favorite, Wibke Behrens

„Karrieren (Bildender) Künstler*innen in Berlin – wer und was bringt die Kunstproduktion nach vorn?“ hieß eine Diskussionsveranstaltung, die im Vorfeld am 16. September 2016 anlässlich der Auszeichnung künstlerischer Projekträume und -initiativen 2016 in der Bar Babette stattfand. Im Zentrum der Diskussion, die von Christian Kobald aus Wien(Spike Art Quarterly) moderiert wurde und an der Wibke Behrens (Koalition der Freien Szene, Sprecherin KuPoGe), Heinz Bude (Soziologe), Lou Favorite (Künstler), Anne Katrin Stork (Projektraumbetreiberin super bien!) teilnahmen, stand das Selbstverständnis von Projekträumen.

Die meisten Projekträume – rund 130 - sind lose in dem „Netzwerk freier Berliner Projekträume und – initiativen e.V.“ versammelt, das den Künstlern oder Kuratoren und Betreibern als Interessengemeinschaft die Möglichkeit für Kooperation und Austausch bietet.

Einig war man sich in der Diskussion darüber, dass das Phänomen Projektraum eine Reaktion auf die mannigfachen Formen der Ungleichheit im Kunstbetrieb war und ist. Die Ansätze und Modelle fallen – wie soll es anders sein - höchst unterschiedlich aus, wie auch unter den Diskussionsteilnehmern schnell deutlich wurde: so begreifen einige den Projektraum als Ort der Begegnung oder als Lebensraum, etwas mitzugestalten und sich mit dem innerstädtischen Gefüge auseinanderzusetzen, wie etwa Anne Katrin Stork betonte. Darin stimmte sie mit Heinz Bude überein, der hier die Möglichkeit sah, gegen die Verflachung des öffentlichen Raumes vorzugehen.

Lou Favorite hingegen wies daraufhin, dass es sich um erkämpfte Freiräume handelt. „Man muss böse bleiben“, sagte er, was so viel bedeutet, Versäumnisse und Fehlentwicklungen in der Galerienlandschaft auch weiterhin „kämpferisch“ zu kompensieren. Aber wie Christian Kobald hervorhob, müssen auch Künstler finanziell überleben können, weshalb es wichtig sein, ihnen auch innerhalb dieses Rahmens Werkzeuge an die Hand zu geben. Dass es auch innerhalb dieser Szene Initiativen gibt, die sich als Projektraum verstehen, die aber kommerziell ausgerichtet einen selbstverwalteten Betrieb aufbauen vergleichbar mit Produzentengalerien, unterstreicht einmal mehr Kobalds Argument. Kobald stellte jedoch auch die Frage, ob die Projektförderung nicht ein Übel sei, das den Weg in die Institutionalisierung fördere. Naturgemäß argumentierten die Künstler dagegen. So warf Anne Katrin Stork ein: Diese Subventionierung hat nichts mit Bittstellen zu tun, sondern die Stadt Berlin erfahre durch die Aktivitäten der Szene eine gewinnbringende Förderung.

Um aber letztendlich der Institutionalisierung zu entgehen, sollte man eine Geschichte erzählen, stellte Heinz Bude fest, und außerdem muss man den Begriff der Institution neu überdenken. Und einen ersten Ansatz hierzu lieferte er auch: Eine Institution muss im Gegensatz zu einer Organisation keine Effizienz haben, vielmehr geht es um die Lesbarkeit der Welt als Kriterium der Institution.

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