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Künstlerhaus Eisenhammer: Im Gespräch mit dem Maler Robert Seidel

von chk (21.10.2021)
vorher Abb. Künstlerhaus Eisenhammer: Im Gespräch mit dem Maler Robert Seidel

Robert Seidel, Glück zu, 2021, Mischtechnik auf Papier, 50 x 70 cm
Foto: Sebastian Komnick / © Robert Seidel / Courtesy: ASPN, Leipzig / vertreten durch die VG Bild


Das Künstlerhaus Eisenhammer ist ein Ort in der Spreewaldgemeinde Schlepzig, wo Künstlern und Künstlerinnen ein freier Denk- und Arbeitsraum für unkonventionelle Ansätze und experimentelle Zusammenarbeit geboten wird. Voraussetzung ist die Bewerbung um ein Stipendium des Fördervereins aquamediale e.V.. Thematische & atmosphärische Eingebundenheit in das kulturelle Leben der Lausitz, das Interesse am künstlerischen Experiment mit Wirkung auf die Region oder ein gewünschter Diskurs mit den Bürgerinnen & Bürgern sind einige der Kriterien, die erfüllt werden sollten. Mehr dazu auf der Website des Künstlerhaus Eisenhammer.

Die Stipendiat*innen, die 2021 vor Ort arbeiten oder gearbeitet haben, sind: Robert Seidel, Franz Rentsch, Julia Eichler, Alex Besta, Maidje Meergans, Maria Lüdeke, Gabriela Jolowicz und Ingar Krauss.. Wir freuen uns, Ihnen einige der Stipendiat*innen auf art-in-berlin näher vorstellen zu können. Dieses Interview führten wir mit dem Maler Robert Seidel:

Carola Hartlieb-Kühn: Lieber Robert Seidel, Sie haben Malerei bei Neo Rauch an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert. Inwieweit hat Ihre Ausbildung Ihr Verständnis von Malerei geprägt?

Robert Seidel: Das Studium in Leipzig war sehr prägend. Wie ich Bilder lese und wahrnehme, welche Kriterien ich an Malerei stelle, hat ganz klar mit Leipzig zu tun.

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Robert Seidel, Castro, 2019, Eitempera auf Leinwand, 110 x 170 cm
Foto: Sebastian Komnick / © Robert Seidel / Courtesy: ASPN, Leipzig / vertreten durch die VG Bild


CHK: Sie malen Ihre Bilder in klassischer Eitempera-Technik - eine Technik, deren Anfänge bis in die früheuropäische Tafelmalerei zurückreichen. Was fasziniert Sie heute noch an dieser Technik?

RS: Ich finde es interessant, in einer malerischen Tradition zu stehen und mit einer klassischen Technik aktuelle Themen zu bearbeiten. Das spannt einen großen Bogen, hat viel mit Handwerk, Demut, aber auch mit Ausprobieren zu tun … Mich fasziniert es, der matten Sprödigkeit, der Eitempera Glanz ab zu ringen, ich kann die Farbe lasierend, fett oder mager auftragen, ich kann die Farbe abkratzen, runterwaschen … über die Jahre sind wir ein sehr gutes Team geworden.

CHK: Im Gegensatz zu Ihrem Rückgriff auf eine alte Technik, sind Ihre Motive in der Gegenwart verankert. Sie widmen sich Landschaften, Architekturen, Menschen, Alltagsgegenständen genauso auf wie den Strukturen von Computerspielen. Welche inhaltlichen Bezugspunkte sind für Sie wichtig, um für Sie zum Bildthema zu werden?

RS: Ein persönlicher Bezug zum Bildthema ist unerlässlich und meist der erste Impuls.

CHK: Zum Teil finden sich bei der formalen Behandlung Ihrer Bildthemen Anklänge an die Pop Art bspw. an den Maler R. B. Kitaj. Geht es Ihnen beim Aufgreifen kunstgeschichtlicher Verweise um eine grundsätzliche Befragung von Malerei und ihren Möglichkeiten?

RS: Mich interessiert Malerei als Werkzeug. Mit Hilfe der Malerei kann ich mir Sachverhalte erklären und die Dingwelt durchdringen.

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Robert Seidel, He Menglai 3, 2020, Eitempera auf Leinwand, 50 x 35 cm
Foto: Sebastian Komnick / © Robert Seidel / Courtesy: ASPN, Leipzig / vertreten durch die VG Bild


CHK: Sie haben im Frühjahr dieses Jahres ein Arbeitsstipendium im Künstlerhaus Eisenhammer, Schlepzig erhalten. Gibt es im Vergleich zu Ihren anderen zahlreichen Auszeichnungen und Stipendien etwas Besonderes oder Überraschendes, was Sie während Ihres Aufenthaltes im Künstlerhaus Eisenhammer erlebt haben?

RS: Ich durfte das Haus als erster Stipendiat, quasi einweihen, das war schon besonders. Außerdem hat mich der persönliche Einsatz der ehrenamtlichen Mitarbeiter und die Identifikation mit dem Haus und der Region Spreewald stark beeindruckt.

CHK: Ich habe gelesen, dass Sie während Ihres Aufenthaltes in Schlepzig mit regionalen Erdpigmenten experimentiert haben. Können Sie darüber etwas sagen?

RS: Da ich auch im Atelier mit Pigmenten arbeite, bot es sich an, in einer Region, wo das Graben in der Erde eine lange Tradition hat, mein Wissen darüber zu vertiefen.

Bei dem regionalen Pigment handelt sich um Eisenocker, welches durch einen komplexen, chemischen Prozess entsteht. Ganz grob gesagt, handelt es sich um Oxidation eisenhaltiger Erde.

Die Farbe hat einen gelbbraunen, warmen durchsichtigen Charakter. Die aufgebrachte Erde habe ich gesiebt, gefiltert und mit verschiedenen Bindemitteln zu Farben verarbeitet. Da sich die Fundstelle in Raddusch befand, habe ich die Farbe Radduscher Ocker getauft.

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Robert Seidel, Zu, 2021, Mischtechnik auf Papier, 50 x 70 cm
Foto: Sebastian Komnick / © Robert Seidel / Courtesy: ASPN, Leipzig / vertreten durch die VG Bild


CHK: Inwieweit haben sich Ihre Experimente auf Ihre Motive oder Bildthemen ausgewirkt, die in dieser Zeit entstanden?

RS: Die Motive waren schon vorher präsent, aber im Umgang mit Pigmenten und deren Wertigkeit hat sich was getan.

CHK: Mit was beschäftigen Sie sich aktuell? Beziehungsweise, was sind Ihre nächsten Projekte?

RS: Gerade bereite ich meine Einzelausstellung Die Sonne wackelt vor. Die Ausstellung wird am 27. Nov bei Gerhard Hofland in Amsterdam eröffnen und läuft dann bis 22. Januar. Außerdem habe ich im Rahmen des NEUSTART KULTUR Stipendienprogramm 2021 der VG Bild-Kunst ein Projektstipendium erhalten und arbeite an einer Portraitserie mit dem Titel F60, dazu kann ich allerdings nicht viel sagen, da es sich noch ganz am Anfang befindet.

Mehr über den Künstler auf Instagram: _robert_seidel_

chk

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