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"Inside" der neue Film von Vasilis Katsoupis mit Willem Dafoe kommt in die Kinos

von Daniela Kloock (11.03.2023)


"Inside" der neue Film von Vasilis Katsoupis mit Willem Dafoe kommt in die Kinos

Inside, © SquareOne/Steve Annis | Filmkritik von Daniela Kloock

„Inside“ war eines der Highlights der BERLINALE. Der Film hinterfragt auf humorvoll und kluge Weise Sinn und Zweck von (bildender) Kunst und ist eine hinreißende One-Man-Show von Willem Dafoe. Der Schauspieler brilliert einmal mehr in diesem als Survival-Thriller annoncierten Spielfilmdebüt des griechischen Regisseurs Vasilis Katsoupis.

Diesmal spielt Dafoe den hochprofessionellen Kunsträuber Nemo. Sein Auftrag: in einem New Yorker Penthouse eines Star-Architekten und Kunstsammlers soll er Gemälde stehlen v. a. ein Selbstporträt von Egon Schiele. Zunächst läuft alles nach Plan. Er schafft es, in das Appartement einzudringen. Doch dann schlägt das Sicherheitssystem Alarm, und die Falle schnappt zu. Alle Ausgänge sind verriegelt, der Kontakt zu den Komplizen außerhalb unmöglich. Und so verbringt der total isolierte Nemo - da beginnt bereits die Parabel - Tage, Wochen und Monate in dem durchdesignten Loft mit Ausblick auf die Millionenstadt.

Sein Überlebenskampf gilt zunächst der irre gelaufenen Technologie („hallo Smart City“), einer elektronischen Klimaanlage, welche ihn abwechselnd mit tropischer Hitze oder eisiger Kälte terrorisiert. Strom und Wasser sind abgestellt und nur ein paar Kaviardosen und hochwertige Spirituosen vorrätig. Schnell werden zahlreiche Paradoxien dramaturgisch lustvoll ausgespielt. So wie Luxus sich hier zum Mangel transformiert und eine Robinson Crusoe Insel (Natur) zum grausamen goldenen Käfig (Hochkultur) mutiert, so wird aus der Angst vor Entdeckung der Wunsch Gefunden-zu-Werden. Qualvoll ist es für Nemo auf den Monitoren der Überwachungskameras menschliche Gegenüber zu sehen, zu denen er keinen Kontakt aufnehmen kann. Es bleibt seiner Fantasie überlassen, den Pförtner, vor allem aber eine hübsche Putzfrau so zu halluzinieren, als wären sie leiblich da.

Anwesend bzw. materialisiert sind hingegen die reichlich vorhandenen Kunstwerke. Die Bilder an den Wänden, die Skulpturen und Objekte werden nach und nach zu veritablen Kommunikationspartnern. Für Nemo bekommen sie eine Stimme, – sie spiegeln seine Stimmung, seinen Gefühlszustand. Und er arbeitet sich an diesen sprichwörtlich ab. Er verändert und zerstört viele der wertvollen Werke, dabei erhalten sie eine neue Funktion. Diese Korrespondenzen und überraschenden Interaktionen zu beobachten und mit zu verfolgen ist ein Hochgenuss, auch und vor allem durch das großartige Spiel des Protagonisten.

Katsoupis hat mit dem Kurator Leonardo Bigazzi einen weiteren renommierten Profi engagiert, um passende Kunstwerke für den Film auszusuchen - ja sogar zu beauftragen. Man entdeckt Bilder von Francesco Clemente (sein Bild entstand eigens für den Film) neben Maurizio Cattelan, Albrecht Fuchs oder Florian Slotawa, um nur einige zu nennen. Jedes der Kunstwerke korrespondiert mit einem Gefühlszustand Nemos, der immer tiefer in sein Ich eindringt, seine Grenzen, seine Ängste und seinen Zorn durcharbeiten muss. Die Zeit löst sich im Laufe des Geschehens ebenso im Nichts auf wie Fragen nach Logik, Stringenz oder einem Plot.

Vieldeutig und wohltuend schweigsam ist dieser Film. Es geht um die Kraft des Überlebenswillens wie um eine komplexe Hinterfragung der Bedeutung und des Wertes von Kunst. Das Ganze kann aber genauso als eine weitere Variante eines Corona „Lock-Down“ Horrortrips verstanden werden wie als Kritik an den kunstzerstörenden Klimaaktivisten. Auch als Einführung in die Theorien von Karl Marx ließe sich der Film verwenden, zentrale Begriffe wie Waren-, Tausch- und Gebrauchswert werden hier herrlich konkret veranschaulicht. Wem das alles zu viel Deutung ist, für den mag „Inside“ einfach nur eine pfiffige, leicht böse Komödie sein, die den Alp-Traum eines Superreichen aufs Korn nimmt, der nichts mehr fürchtet, als dass seine Kunstsammlung zerstört werden könnte.

Inside
Regie: Vasilis Katsoupis
Besetzung: Willem Dafoe
Kinostart: 16. März 2023

Daniela Kloock

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