Der in Berlin und Basel lebende Kulturwissenschaftler Kito Nedo wird mit dem Justus Bier Preis für Kurator:innen ausgezeichnet. Den mit 5.000 Euro dotierten Preis erhält er für das Ende letzten Jahres stattgefundene Ausstellungsprojekt »Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau« in Potsdamer Kunsthaus DAS MINSK.
Kito Nedo (*1975 in Leipzig) arbeitet als freier Journalist, Autor und Kritiker für verschiedene deutschsprachige und internationale Medien. Bereits 2017 erhielt den ADKV-Art-Cologne-Preis für Kunstkritik. Seit Ende 2024 arbeitet er als freier Redakteur für die Kulturprojekte Berlin.
In der Jurybegründung heißt es:
"Die Ausstellung „Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau“ im MINSK Kunsthaus in Potsdam, kuratiert von Kito Nedo, überzeugt durch ihre kuratorische Konzeption, historische Tiefenschärfe und gesellschaftliche Aktualität. Sie widmet sich dem ostdeutschen Plattenbau nicht als nostalgischem Relikt oder sozialhistorischer Randnotiz, sondern als ambivalentem Erbe der Moderne – und damit als Schlüsselthema gegenwärtiger Debatten um Wohnen, Gemeinschaft und soziale Verantwortung.
Der programmatische Titel „Wohnkomplex“ entfaltet eine produktive Doppelbedeutung: Er verweist zugleich auf die architektonische Typologie wie auf die sozialen, politischen und emotionalen Verflechtungen des Wohnens. Die Ausstellung macht sichtbar, dass der Wohnungsbau der DDR Teil einer internationalen Moderne war – getragen von dem Anspruch auf soziale Gleichheit, kollektive Fürsorge und Fortschritt, zugleich aber geprägt von Normierung, Kontrolle und strukturellen Widersprüchen. Der Plattenbau erscheint hier weder verklärt noch pauschal delegitimiert, sondern als historisch gewachsenes Projekt mit offenen, bis heute wirksamen Fragen.
Besonders hervorzuheben ist die außerordentliche Qualität und überraschende Vielfalt der künstlerischen Arbeiten, die historische DDR-Positionen mit zeitgenössischer Kunst auf Augenhöhe zusammenführen. ...
Flankiert wird das Projekt durch eine von Lamm & Kirch gestaltete Publikation im Distanz Verlag, redaktionell betreut durch Kevin Hanschke und Ulrike Techert, die den konzeptionellen Anspruch der Ausstellung auf überzeugende Weise fortschreibt. Der Band überzeugt durch gestalterische Klarheit, inhaltliche Tiefe und die sorgfältige Verbindung von Bild, Text und Kontextualisierung – und etabliert „Wohnkomplex“ nachhaltig als Referenzprojekt über die Laufzeit der Ausstellung hinaus. ..."
Der jährlich verliehene JUSTUS BIER PREIS für Kurator:innen wird getragen von der Helga Pape-Stiftung Jens und Helga Howaldt, Hannover.
Jury
Prof. Dr. Stephan Berg, Kurator und Kritiker (Vorsitzender der Jury seit 2015)
Lars Brandt, Schriftsteller, Bonn
Hilke Wagner: Direktorin Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Prof. Thomas Wagner, Kritiker, Heppenheim/Bergstraße
Prof. Thomas Weski, Kurator, Berlin
Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 16. April 2026, um 19 Uhr im MINSK Kunsthaus
in Potsdam statt.







