Schwarz-Weiß-Fotografie auf Fotopapier, Foto: Karla Woisnitza, © Karla Woisnitza und VG-Bild Kunst, Bonn 2026
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In der Kommunalen Galerie im Schloss Biesdorf, gelegen in seinem beschaulichen Schlosspark am Rande Berlins, ist derzeit ein Kapitel einer engagierten kunsthistorischen Aufarbeitung der DDR-Kunst zu sehen. Unter dem Titel Publik Machen leistet die Reihe, in dessen Rahmen die Ausstellung Kosmos realisiert wurde, einen Beitrag, kulturpolitische Zusammenhänge und künstlerische Stimmen der DDR sichtbar zu machen. Untersucht wird das Wirken des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR (ZfK), das als staatliches Organ den Kulturbetrieb im Inland sowie im Ausland steuerte. Die Forschungsbasis bildet der ehemalige Sammlungsbestand des ZfK, der heute im Institut für Auslandsbeziehungen aufbewahrt wird. In der ifa-Galerie ist zeitgleich zur Schau im Schloss Biesdorf ein weiterer Teil der Ausstellungsreihe zu sehen (unsere Besprechung dazu, siehe hier ).
Im ersten Stock des Schlosses behandelt die Schau ausführlich die Netzwerke und das Schaffen jener Künstler*innen, die seit der Wende ins Abseits des öffentlichen Kulturdiskurses gedrängt werden. Den Auftakt macht eine künstlerisch-historische Einordnung, die bei dem Thema DDR-Kunst nicht fehlen darf. Mit DDR Noir reflektiert die erst kürzlich verstorbene Henrike Naumann genau jene Leerstelle im Diskurs, die auch die Schau selbst untersucht. Die Möbelinstallation verschiebt die Fragestellung vom Wissenschaftlichen ins Persönliche, denn sie bezieht durch ihre Begehbarkeit die individuelle Haltung der Besuchenden mit ein. Dieses so aktivierte Bewusstsein führt Besucher*innen wie ein roter Faden effektiv durch die Schau.
Mixed-Media-Installation (Möbel, Gemälde, Büste, Keramik), ifa-Kunstsammlung, Foto: Eric Tschernow, © Henrike Naumann
Ein Raum der Ausstellung ist der Plastik als Vorzeigedisziplin der DDR-Kunst gewidmet und zeigt zugleich, wie Kunstschaffende ideologische Vorgaben unterliefen, um vielschichtige, nichtlineare Werke zu schaffen. Künstler*innen waren von Repressionen betroffen, so etwa Wieland Förster, der ab 1968 mit einem etwa fünfjährigen Ausstellungsverbot belegt und in seinem Schaffen staatlich behindert wurde. Einige seiner Plastiken aus der Sammlung des ifa sind hier zu sehen. Dass diese vom ZfK angekauft wurden, verweist auf die Willkür und Wechselhaftigkeit, mit der Kunstschaffende vom Staat gefördert oder eingeschränkt werden konnten.
Die Vielfalt der künstlerischen Positionen innerhalb der DDR zeugt von einem Spannungsfeld zwischen politischer Weisung und künstlerischer Selbstverwirklichung, das viele Kunstschaffende in alternative Szenen, Sichtbarkeiten und Praktiken drängte. Immer wieder werden hier durch die Hervorhebung einzelner Positionen Akzente gesetzt. So wird das Wirken der Künstlergruppe Clara Mosch ausführlich thematisiert. Als Inkarnation der Avantgarde fanden sich 1977 in Karl-Marx-Stadt junge Künstler*innen zu einem Kollektiv zusammen und machten die „Vorzeigestadt“ zu einem Ort der Happenings, der Aktionskunst und weiterer ephemerer künstlerischer Formate, die heute zum großen Teil nur noch durch fotografische Dokumentation greifbar sind. Diese Vergänglichkeit war nicht nur ein künstlerischer Aspekt, sondern zugleich eine Strategie einer parallelen Kunstszene, die sich alternative Freiräume für künstlerische Praxis abseits der staatlich stark regulierten Öffentlichkeit schaffen musste.
Als Figur im Spannungsfeld verschiedener Interessen ist ein Raum dem Maler Otto Nagel gewidmet. Als Gründungsmitglied der KPD wurde er später SED-Mitglied und arbeitete zunächst engagiert im Kulturbund mit. Mitte der 1950er-Jahre wurde er Präsident der Akademie der Künste der DDR. Zugleich nahm er in der Formalismusdebatte eine nuancierte Haltung ein und warnte vor der Engstirnigkeit und Kleingeistigkeit einer ideologisch aufgeladenen Kulturpolitik. Das zwischen 2024 und 2025 entstandene Werk von David Polzin aus der Reihe Möbel und Objekte aus der post-imperialen Phase Deutschlands, das im Zusammenhang mit Nagel gezeigt wird, heißt – wie passend – Zwischen den Stühlen.
Foto: Julia Hartmann, © Erika Stürmer-Alex / Karla Woisnitza / VG Bild-Kunst, Bonn, 2026
Besonders eindrucksvoll werden Strategien der Parallelität, aber auch die Ambivalenz des künstlerischen Schaffens innerhalb der DDR etwa am Briefeschreiben illustriert. Zwischen Kommunikationsmittel und Werk oszillieren die gezeigten Text- und Kunststücke und zeigen, wie Privates und Politisches ineinandergreifen. Außerdem machen sie die Vernetzung der Kunstschaffenden als Überlebensstrategie sichtbar. Auch hier richtet sich die Schau direkt an die Besuchenden und fragt: „Liebe*r Ausstellungsbesucher*in, von wann stammt Ihr letzter handgeschriebener Brief?“
Meinen schicke ich heute ab. Mit Grüßen aus dem Osten.
Mit: Tina Bara, Wolfgang E. Biedermann, Manfred Butzmann, Carlfriedrich Claus, Fritz Cremer, Wieland Förster, Ingrid Goltzsche-Schwarz, Renate Göritz, René Graetz, Karl-Heinz Jakob, Wilhelm Klotzek, Therese Koppe, Gregor-Torsten Kozik (Schade), Sylvie Kürsten, Toni Florence Mau, Michael Morgner, Alex Müller, Henrike Naumann, Charlotte Elfriede Pauly, David Polzin, Nuria Quevedo, Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke, Herbert Sandberg, Elizabeth Shaw, Erika StürmerAlex, Hans Vent, Karla Woisnitza u. a
Kosmos: Agenden, Netzwerke, Freundschaften
29. Juni – 27. September 2026
Öffnungszeiten:
täglich von 10 – 18 Uhr
Freitag 12 – 21 Uhr
Dienstag geschlossen
Schloss Biesdorf
Kommunale Galerie
Alt Biesdorf 55
12683 Berlin
Website
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Cosmos: Artistic Networks of the GDR on view at Schloss Biesdorf (Carla Huttenloher)
At the Kommunale Galerie in Schloss Biesdorf, nestled in its tranquil park on the outskirts of Berlin, a chapter of a highly dedicated art-historical reappraisal of GDR art is currently on display. Under the title Publik Machen (Making Public), the series—within which the exhibition Kosmos was realized—contributes to making cultural-political contexts and artistic voices of the GDR visible. It examines the activities of the Center for Art Exhibitions of the GDR (ZfK), which, as a state organ, steered the cultural landscape both domestically and abroad. The research is based on the former collection of the ZfK, which is now held at the Institute for Foreign Cultural Relations (ifa). Simultaneously with the show at Schloss Biesdorf, another part of the exhibition series can be seen at the ifa Gallery.
On the first floor of the palace, the exhibition deals in detail with the networks and work of those artists who have been pushed to the sidelines of public cultural discourse since the Wende. The opening is an artistic-historical contextualization, essential when discussing the subject of GDR art. With DDR Noir, the recently deceased Henrike Naumann reflects on the very void in discourse that the exhibition itself investigates. The furniture installation shifts the inquiry from the scientific to the personal, as its immersive, walk-in nature incorporates the individual stance of the visitors. This activated awareness effectively guides visitors through the show like a common thread.
One room of the exhibition is dedicated to sculpture (Plastik) as a showcase discipline of GDR art, while simultaneously demonstrating how artists subverted ideological requirements to create multifaceted, non-linear works. Artists were affected by repression, such as Wieland Förster, who was banned from exhibiting for about five years starting in 1968 and saw his creative work obstructed by the state. Some of his sculptures from the ifa collection are on view here. The fact that these were purchased by the ZfK points to the arbitrariness and volatility with which artists could be supported or restricted by the state.
The diversity of artistic positions within the GDR testifies to a tension between political directives and artistic self-fulfillment, which pushed many artists into alternative scenes, visibilities, and practices. Accents are repeatedly set by highlighting individual positions. For instance, the work of the artist group Clara Mosch is explored in depth. As the incarnation of the avant-garde, young artists formed a collective in Karl-Marx-Stadt in 1977 and transformed the "showcase city" into a place for happenings, performance art, and other ephemeral formats, most of which are now only tangible through photographic documentation. This transience was not only an artistic aspect but also a strategy of a parallel art scene that had to create alternative spaces for artistic practice away from the heavily state-regulated public sphere.
One room is dedicated to the painter Otto Nagel as a figure within the field of tension between various interests. A founding member of the KPD, he later became an SED member and initially worked with great commitment in the Kulturbund. In the mid-1950s, he became President of the Academy of Arts of the GDR. At the same time, he took a nuanced stance in the Formalism debate and warned against the narrow-mindedness and pettiness of an ideologically charged cultural policy. David Polzin’s work, created between 2024 and 2025 from the series Möbel und Objekte aus der post-imperialen Phase Deutschlands (Furniture and Objects from the Post-Imperial Phase of Germany), shown in connection with Nagel, is aptly titled—how fitting—Zwischen den Stühlen (Between the Chairs).
Strategies of parallelism, as well as the ambivalence of artistic creation within the GDR, are particularly impressively illustrated by the example of letter-writing. The exhibited textual and artistic pieces oscillate between communication medium and artwork, showing how the private and political intertwine. Furthermore, they make the networking of artists visible as a survival strategy. Here, too, the exhibition addresses the visitors directly, asking: "Dear exhibition visitor, when was the last time you wrote a handwritten letter?"
I am sending mine off today. With greetings from the East.




