Zuerst zwei gute Nachrichten.
Erstens:
Der Zugang zu Kunst in Galerien unterliegt nicht mehr der “Hemmschwellen - Barriere”. (Besucher*innen haben sich emanzipiert.) Die Berliner Galerien werden vorzugsweise von kritischen, vermögenden und gebildeten Kunstliebhaber*innen besucht.Zweitens:
Kunst ist nicht mehr Treiber einer Gentrifizierung. (Die extrem hohe Nachfrage nach Gewerbeeinheiten erübrigt die Aufwertung durch eine Kunstzwischennutzung.)Die schlechte und erstaunliche Nachricht allerdings ist, dass über 84% der Galeristen*innen mit ihrem Wissensstand von heute keine Galerie mehr eröffnen würde.
Denn nur 12% der Galerien geben an, mehr als 1.000.000 € Jahresumsatz zu erwirtschaften. Hingegen haben fast 50% einen Jahresumsatz von unter 100.000 € und 35% von unter 50.000 €.
Diese Daten basieren auf einer repräsentativen Online-Umfrage, die der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und der Landesverband Berliner Galerien (lvbg) gemeinsam unter fast 200 Berliner Galeristen durchgeführt haben.
Von den drei größten Problemen, mit denen sich Galeristen*innen auseinandersetzen müssen, betreffen zwei unmittelbar die Politik. Zum einen wirkt sich im internationalen Bereich die Mehrwertsteuererhöhung von 7% auf 19% negativ aus, und zum anderen wird der mangelnde Einkaufsetat der Museen beklagt, wobei als weiterer gravierender Punkt die steigende Miete als relevanter Faktor identifiziert wird.
Die größten Kostentreiber sind Mieten, Messen und Personal.
Man kommt selten dümmer zurück.
Während 28% der Galerien gar nicht an Messen teilnimmt, kann man davon ausgehen, dass sich der Anteil von 27%, der 4 und mehr Messen pro Jahr bespielt, auch im internationalen Kunstmarkt bewegt. Dieses Segment gilt es sicherlich anzuvisieren, um als Galerie erfolgreich zu bestehen. Und hier setzt auch eine Handlungsempfehlung an, in der von einem Förderprogramm für die Teilnahme von Berliner Galerien an nationalen und internationalen Messen aus den Mitteln der Tourismusabgabe gesprochen wird.Denn, wenn sich bei den renommiertesten Galerien das jährliche Messebudget zum Teil auf über 200.000 € beläuft, kann man sich vorstellen, dass wenn keine Unterstützung von kleineren Galerien erfolgt, die Renommierteren bald unter sich bleiben.
Darüber hinaus wird die Förderung beim Aufbau digitaler Wettbewerbsstrukturen für junge und mittelständische Galerien empfohlen.
Die Berlin Art Week wird im Speziellen als positives Signal bewertet: als Attraktion für Kunstinteressierte, zur Imagestärkung Berlin als Kunststandort und zur Stärkung des hiesigen Kunstmarktes, wobei es nur gering zur Umsatzsteigerung in den Galerien beiträgt.
Letztendlich muss deutlich gemacht werden, dass Werke der bildenden Kunst dann doch mehr sind als das Anlageobjekt “Oldtimer” und, dass auch Werke für Künstler*innen, Galeristen*innen und Käufer*innen interessant sein können, deren Wert sich im vierstelligen Bereich bewegt.
Erfreulicherweise verliert der Faktor der mangelnden Kaufkraft, der in den vergangenen Jahren immer wieder als Nachteil gegenüber dem Rheinland ins Feld geführt wurde, in und um Berlin an Bedeutung.







