Alles auf dem stillgelegten Tempelhofer Feld erinnert an seine Vergangenheit, als hier noch Flugzeuge starteten und landeten. Noch heute zerteilen breite Flugbahnen die Landschaft. Das ist ein künstlicher Ort, der seit 2010 als große urbane Freifläche von der Berliner Bevölkerung zum Picknicken, Radfahren, Gärtnern oder Chillen genutzt wird.
Diese Atmosphäre haben Alexander Rosenkranz und Florian Merdes mit Fotografie und Ton eingefangen, aktuell zu sehen im Projektraum | Haus am Kleistpark. In der Ausstellung greifen beide Medien ineinander und bilden eine Werkeinheit, einen fotografisch-akustischen Raum. Im vorderen Ausstellungsbereich hängen zurückhaltende Schwarz-Weiß-Fotografien in Alurahmen. Sie zeigen die Landschaft in ihrer gleichtonigen Poesie. Graustufen und starke Schatten verleihen der unbestimmten Weite Spannung. Der Horizont kippt nach links in eine prekäre Schieflage, wie sie allenfalls aus einem Segelflugzeug im rasanten Auf und Ab hätte erlebt werden können.
Andere Fotografien gleichen einer Ästhetik, wie sie in einem hippen Fotomagazin zu finden sein könnte: Einziger Protagonist ist beispielsweise ein Busch. Er ist ein Solodarsteller, ein Egozentriker und doch ganz wild-struppig. Er steht vor einer an sich aufgeräumten, leeren Landschaft. Der Himmel in mattem Grau nimmt die halbe Bildfläche ein.
In einem anderen Raum liegen auf einem langen Tisch drei Fotobücher. Abgedruckt sind Farbfotografien mit ähnlichen Motiven wie im ersten Raum. Insgesamt wirkt die Ausstellung wie eine fotografische Wanderung über das Tempelhofer Feld, auf dem fotogene Arrangements aufgenommen wurden. Im dritten Raum ergänzt ein Zweikanal-Video mit weiteren Fotografien durch akustische Eindrücke vom Feld. So entsteht im Zusammenspiel von Fotografie und Ton langsam eine sinnliche Kartografie der Landschaft.
Am Rande der kleinen Ausstellung liegt eine Unterschriftenliste aus, mit der die Nominierung des Tempelhofer Feldes zum Weltkulturerbe unterstützt werden soll. Begründet wird dies mit dem hohen Freizeitwert und der Einzigartigkeit des Feldes. Der jetzige Zustand soll geschützt und festgeschrieben werden - eine Randbebauung und andere bauliche Veränderungen würden vorerst verhindert.
Im Kontext dieser Agenda erscheinen die Fotografien wie visuelle Zeugen, sie fixieren den aktuellen Zustand – eine große Fläche mit Himmelblick und Grün. Ein Ort für ein harmonisches Beisammensein, ein Mehrwert für die Stadt Berlin, den zu erhalten absolut lohnt.
Tempelhofer Feld
Alexander Rosenkranz & Florian Merdes
23. August – 27. Oktober 2024
Haus am Kleistpark - Projektraum
Grunewaldstr. 6/7
10823 Berlin
Hochparterre rechts
Kein barrierefreier Zugang
Dienstag – Sonntag
11–18 Uhr
Eintritt frei
www.hausamkleistpark.de







