Bis einer weint, © Neela Keane

englisch below

Der Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V. (BFF) vergibt alle zwei Jahre einen Förderpreis für den fotografischen Nachwuchs. Das Thema der diesjährigen Ausschreibung Spielen versammelt eine Vielzahl von Assoziationen, die über klischeehafte Vorstellungen von Kindlichkeit oder des Experimentellen hinausgehen. Viele der Arbeiten der 12 Finalist*innen erzählen weniger von Unbeschwertheit als von Spannung, Unsicherheit und Wehmut. Daraus ergibt sich der Gesamteindruck einer Generation, die den Ernst im Spiel erkennt.

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Playing Birthday Games (Alone), © Malte Oing

In der dokumentarischen Bildreportage Rhizom untersucht Benedikt Burger die Lebensrealität junger Männer in einem Cottbuser Jugendclub. Mit seiner Kamera tritt er dicht und fragend an die Protagonisten heran und forscht nach ihren Beziehungen untereinander, ihren Vorstellungen von Männlichkeit und ihrem Wunsch nach Selbstbehauptung in der Realität und der digitalen Welt. Die Bilder changieren zwischen Nähe und Abwehr, stellen mal intime Nähe, mal performative Aggression in den Vordergrund. Die Verunsicherung über die eigene Identität legt sich wie ein Filter über die Bilder – hier ist nicht alles schwarz und weiß.

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Rhizom, © Benedikt Burger

Playing Birthday Games (Alone) von Malte B. Oing legt den Fokus auf das Individuum. Der Titel der mehrteiligen Videoarbeit ist wortwörtlich zu verstehen. In der Performance wickelt Malte B. Oing sich selbst in Klopapier ein oder spielt allein Topfschlagen. Das Fehlen der Mitspielenden erzeugt ein Vakuum, das die Sinnhaftigkeit des spielerischen Akts ad absurdum führt. In der Isolation ist kein gemeinschaftliches Aushandeln möglich. Die Performance stellt Fragen aus einer politischen Dimension heraus.

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Halbschatten, © Lara Habor

Auch Lara Habors Fotoarbeit Halbschatten wirft einen Blick auf den Zustand einer jungen Generation. In einen partizipativen Prozess entwickelt Habor gemeinsam mit den Portraitierten Bildwelten für deren Zukunftsängste und Zweifel. So wird aus einem Flecken Grün gepaart mit einem melancholischen Blick die Trostlosigkeit über die unaufhaltbare Zerstörung der Umwelt ausgedrückt. Ein hinter einem militärischen Hut verborgenes Augenpaar kann die Zerstörung durch den Krieg nicht sehen. Niemand lacht in diesem Spiel – die Aussicht auf eine bessere Zukunft gibt es nicht zu gewinnen.

In den Arbeiten wird der Ernst der Lage zum unliebsamen Gegenspieler. Eine Verbildlichung dieses Spannungsmoments findet sich in Neela J. Kanes Fotoserie Bis einer weint. Das Spiel steht auf der Kippe: eine Sekunde noch, dann schlägt Freude in Frust um, dann tut sich einer weh. Bleibt noch Zeit, vorher einzugreifen?

Mit: Benedikt Burger, Alejandro De Paoli Padilla, Marie Eberhardt, Theresa Maria Forthaus, Haben Ghebregziabher, Jula Antonia Hack, Lara Habor, Zerina Kaps, Neela J. Keane, Charly Krüger, Zoe Linneweber, Malte B. Oing

noch bis 27. September 2026

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr (letzter Einlass 17:30 Uhr)

Stresemannstraße 28
10963 Berlin
www.fkwbh.de

Programm
27.08. Kuratorenführung
13.09. Kuratorenführung

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Serious Play – The Finalists of the BFF Advancement Award at Willy-Brandt-Haus
(Sonja Tautz)

The Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V. (BFF) awards a grant for emerging photographers every two years. The theme of this year's call for entries Playing gathers a multitude of associations that transcend clichéd notions of childhood or the experimental. Many of the works by the 12 finalists speak less of lightheartedness than of tension, uncertainty, and melancholy. The result is the overall impression of a generation that recognizes the gravity inherent in the game.

In the documentary photo essay Rhizom, Benedikt Burger examines the lived reality of young men in a youth club in Cottbus. With his camera, he approaches the protagonists closely and inquisitively, exploring their relationships with one another, their conceptions of masculinity, and their desire for self-assertion in both the physical and digital worlds. The images oscillate between proximity and defensiveness, foregrounding at times intimate closeness and at others performative aggression. The uncertainty regarding one's own identity settles over the images like a filter—here, not everything is black and white.

Playing Birthday Games (Alone) by Malte B. Oing focuses on the individual. The title of the multi-part video work is to be taken literally. In the performance, Malte B. Oing wraps himself in toilet paper or plays hit the pot (Topfschlagen) alone. The absence of fellow players creates a vacuum that reduces the meaningfulness of the playful act to absurdity. In isolation, no communal negotiation is possible. The performance raises questions from a political dimension.

Lara Habor's photographic work Halbschatten (Penumbra) also takes a look at the state of a young generation. In a participatory process, Habor works together with the sitters to develop visual worlds for their anxieties and doubts about the future. Thus, a patch of green paired with a melancholic gaze expresses the desolation regarding the unstoppable destruction of the environment. A pair of eyes hidden behind a military hat cannot see the destruction caused by war. No one laughs in this game—there is no prospect of a better future to be won.

In these works, the seriousness of the situation becomes an unwelcome antagonist. A visualization of this moment of tension can be found in Neela J. Kane's photo series Bis einer weint (Until someone cries). The game is on the brink: one more second, and joy turns into frustration, then someone gets hurt. Is there still time to intervene before it's too late?