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Berlin Daily 16.12.2018
Ausstellungsgespräch mit Elske Rosenfeld

16 -21 Uhr: ber das Nein hinaus/Der Anfang von Etwas, im Rahmen von Künstlerische Forschung im Archiv der DDR-Opposition. Performance von Henrike Naumann + Runder Tisch
DISTRICT Berlin | Bessemerstraße 2-14 12103 Berlin

(Einspieldatum: 16.07.2018)

Groß, Bunt, Graffiti – Absolvent*innen der kunsthochschule weißensee

bilder

Raumansicht, Foto: Anna Wegenschimmel

Pünktlich zum Semesterende eröffnete Leonie Baumann als Rektorin der kunsthochschule weißensee am Freitagabend die Ausstellung „Defying Currents“. Auf 600 Quadratmetern präsentieren 44 Absolvent*innen der Fachbereiche Malerei und Bildhauerei ihre Arbeiten in The Shelf, der ehemaligen Heimat des Autovermietungsgiganten Robben & Wientjes. Bei der Eröffnung tummelten sich außer den Professor*innen und den Studierenden samt ihrer Verwandten und Bekannten auch zahlreiche Museumsdirektor*innen, Kurator*innen und Sammler*innen. Alle wollen sie sehen, was die Nachwuchs-Kunst in den Gattungen Malerei und Bildhauerei so bringen wird. Kunst, quo vadis?

Naturgemäß handelt es sich um eine recht heterogene Masse an Kunstwerken, die unter anderem von den Professor*innen Friederike Feldmann, Else Gabriel, Werner Liebmann und Pia Linz betreut wurden. Einige Auffälligkeiten und Gemeinsamkeiten gibt es allerdings sehr wohl. So scheint zum Beispiel das Großformat beliebt. Riesige Leinwände an den Wänden treffen auf groß angelegte Installationen und Skulpturen inmitten der Hallen. Auffallen, um die Erfolgschancen auf dem mittlerweile völlig irrational gewordenen Kunstmarkt zu erhöhen, scheint ein Credo zu lauten. Im Bereich der Malerei ist es die knallig bunte Farbauswahl, die den ersten Eindruck prägt und teils an Pop Art, teils an Street Art denken lässt. Mit Sprühfarbe beziehungsweise Sprühlack arbeiten etwa Marta Vovk oder Adrian Redetzki, ebenfalls an Graffiti-Kunst erinnert die abstrakte Malerei auf Aluminium von Mohanad Adwan sowie die Arbeiten auf Plexiglas von Pascal Reinhard. „I’m missing my dead dog! Not you!“ ist in lapidarer, goldener Schrift auf einer Leinwand zu lesen. Außerdem begegnet einem in der Ausstellung (deren Titel „Defying Currents“ übrigens die Bewegung eines Körpers meint, der „im tosenden Meer den Wellen trotzt“) überraschend viel traditionelles Kunsthandwerk. Von der Hinterglasmalerei von Marisa Bihlmann über die glasierten Ton-Monster von Jana Jedermann bis zur chinesischen Tuschenmalerei in Form des riesigen, hängenden Triptychons von Yang Yanchuan.

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Veneta Androva, OASIS, 2018, Video-Installation, Foto: Anna Wegenschimmel

An zahlreichen Arbeiten der Ausstellung geht man rasch vorbei, da sie hart an der Grenze zum Kitsch schrammen und wenig Anregendes vermitteln. Einige Werke stechen hingegen hervor und lohnen den berühmten zweiten Blick. Definitiv in diese Kategorie fällt die Videoarbeit „OASIS“ von der in Serbien geborenen Künstlerin Veneta Androva. In aufwändiger Animationstechnik gepaart mit dokumentarischem Archivmaterial erzählt die Bildhauerei-Absolventin die Geschichte des titelgebenden Casinos, das 1998 in Jericho als Friedensprojekt erbaut und 2000 aufgrund des israelisch-palästinensischen Konflikts geschlossen werden musste. Die Videospiel-Ästhetik verstärkt dabei die Absurdität dieses Casino-Projektes.

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Anton Roland Laub, From the photo series "Mobile Churches", 2013-2017, Foto: Anna Wegenschimmel

Als absurd kann man außerdem die Thematik der Serie „Mobile Churches“ von Anton Roland Laub bezeichnen. Leider viel zu unscheinbar präsentiert werden die Fotografien des in Bukarest geborenen Künstlers, in denen er orthodoxe Kirchen zeigt, die im Zuge des Dorfsystematisierungsprogramms im kommunistischen Rumänien der 1980er-Jahre hochgehoben, auf Schienen gesetzt und an einen anderen Ort transportiert wurden.

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Ana Cantoni, Spacing an Continuity, 2018, Gips und Pigment, Foto: Anna Wegenschimmel

Beeindruckend in ihrer Einfachheit ist die konzeptuelle Arbeit von Ana Cantoni, die den Boden eines kleinen Raumes mit Scherben auslegt und darüber türkis-blaue Fliesen aus Gips platziert, als wollte sie den Trümmerhaufen unter den sprichwörtlichen Teppich kehren.

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Jana Jedermann, Und tschüss, 2018, Mischtechnik auf Leinwand, Foto: Anna Wegenschimmel

Von den vielen malerischen Positionen bleibt die Bildsprache von Jana Jedermann im Gedächtnis, die mit ihren monsterähnlichen Geschöpfen Rätsel aufgibt. In einem Gemälde direkt neben dem Eingang zeigt sie das Skelett einer Frau, das auf einem schwarzen, grimmigen Hundedrachen in den Sonnenuntergang reitet. Auf dem Rücken des Skeletts sitzt ein überrascht wirkender Affe, der nach der in grellem Rot leuchtenden Brustwarze der Frau greift. Diese wiederum lüftet ihren Hut und blickt dem Betrachter entgegen. „Und tschüss“ scheint sie den Besuchenden beim Verlassen der Robben & Wientjes-Hallen zuzurufen.


DEFYING CURRENTS. Abschlussausstellung Malerei, Bildhauerei

14. - 22. Juli 2018
12 bis 20 Uhr | freier Eintritt

Eröffnung am Freitag, den 13. Juli um 19 Uhr
Finissage am Sonntag, den 22. Juli um 16 Uhr

THE SHELF by PANDION, Prinzenstraße 89/90, 10969 BERLIN
Zugang zur Ausstellung über / Exhibition entrance from Ritterstr. 22

Anna Wegenschimmel

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