Anzeige
Responsive image

Berlin Daily 12.11.2019
Künstlergespräch

19.00 - 20.30 Uhr: Dr. Tilman Treusch im Rahmen von Hubertus Hamms Einzelausstellung DIMENSIONING PHOTOGRAPHY im Gespräch mit dem Künstler
Euroboden Berlin | Tempelhofer Ufer 11 | 10963 Berlin

(Einspieldatum: 24.05.2006)

Kunst im Stadtraum (Teil 7) - Michaela Meise

Auf Einladung durch den Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz entwarf Michaela Meise für den Platz eine Sitzbank die zugleich auch eine autonome Skulptur ist. Ihre aus verschieden farbigen Travertinen und Granit gestaltete Bank besteht nicht nur aus sehr hochwertigen Materialien, sondern hebt sich auch durch ihre Form von üblicher Stadtmöblierung ab.
Ihre Sitzfläche ist so lang, dass man sie auch als Liege nutzen kann. Die seitlich an die Sitzfläche anschließenden turmartigen Blöcke können als Abstellfläche genutzt werden, bieten aber auch die Möglichkeit erhöht zu sitzen. Michaela Meise selbst sieht die Bank als ein Geschenk an die Bewohner, Besucher und Nutzer des Platzes, den Geschenkcharakter wollte sie auch mit der Auswahl des besonderen Materials Travertin betonen. Durch die Verwendung eines stark strukturierten Materials schafft es Michalea Meise ihre Bank zu einer "bildhaften Skulptur" werden zu lassen. Der unbehandelte Naturstein ist in Struktur und Farbe bereits ein sehr ornamentales Material. Die verschiedenen Steinfarben (schwarz, beige, braun und gelb) und Steinarten (Travertin und Granit) rhythmisieren die Bank-Skulptur in ihrer eigenen Weise durch Struktur, Farbe und Oberfläche ebenso wie durch den Materialcharakter. So entstand eine Skulptur, die im gleichen Maße komponiert wie zufällig erscheint. Die stoffliche, oder auch organische Dimension wird zu einer bildhaften Dimension, sobald man das Material als Bildträger identifiziert hat. Travertin ist ein witterungsanfälliges Material, das im Laufe der Zeit eine gewisse Patina ansetzen wird. Der bildhafte Charakter der Skulptur
wird sich somit über die Zeit verändern und die Bank auf diese Weise auch zu einem "work in progress" werden lassen.

Durch die Bank-Skulptur weist Michaela Meise einem Ort am Platz eine völlig neue Funktion zu. Die bisher ungenutzte und durch einen Zaun abgegrenzte Grünfläche, auf der die Bank nun steht, wird die Rolle eines Treffpunkt und Kommunikationsort zugewiesen, die sich über die tatsächliche Benutzung jedoch erst beweisen muss. Im Gegensatz zu vielen städtischen Sitzmöbeln, kann die Bank von Michaela Meise durch ihre lange Sitzfläche auch zum Schlafen genutzt werden. Damit schließt sie Jene, die im städtischen Raum einen Platz zum Schlafen suchen nicht von der Benutzung der Bank und dem öffentlichen Raum aus.

Im zweiten Teil ihres Projektes hat Michaela Meise veranlasst, dass die Miete ihrer Wohnung an den Frauenzimmer Verein e.V. gespendet wird. Diesen Teil des Projektes will Michaela Meise bewusst nicht durch eine Plakette o. ä. in der Öffentlichkeit visualisieren. So sieht sie ein Bezug zwischen Bank und Spende eher zufällig und nicht von ihr intendiert. Möbel sind elementare Bestandteile des menschlichen Lebens, sie sind nicht nur funktional, sondern definieren Räume auch in öffentlich oder privat und über Möbel lassen sich auch Aussagen über den sozialen Status einer Person treffen. Im Zusammenhang der von Michaela Meise veranlassten Spende an den Frauenzimmer Verein in Berlin ist die Bank, wenn auch nicht konkret bezeichnet, so doch als Möbelstück auch ein Verweis auf einen privaten Raum, der im Besonderen für Frauen in Notsituationen obsolet ist.

Michaela Meise wurde 1976 in Hanau geboren und studierte von 1996 bis 2000 an der Kunsthochschule Kassel und von 2000 bis 2003 an der Städelschule in Frankfurt. Sie arbeitet in den Medien Rauminstallation, Zeichnung, Malerei und Performance. Sie kann bereits auf eine Vielzahl von Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland zurückblicken und nimmt unter anderem in diesem Jahr an der 4. Berlin Biennale teil. Im vergangenen Jahr gewann sie den Ars Viva (Kulturpreis des BDI).
weitere Infos: www.rosa-luxemburg-platz.net

Lilian Engelmann

weitere Artikel von Lilian Engelmann

Newsletter bestellen




top

Titel zum Thema Kunst im Stadtraum:

Mehrwert Kunst am Bau: Privates Engagement und seine Motive
Veranstaltungshinweis: Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung lädt am 1.12.08, 19.00 Uhr zum 4. Werkstattgespräch "Kunst am Bau" in die Allianz-Tower, 30. Etage, An den Treptowers 1, 12435 Berlin ein.

Kunst im Stadtraum Berlin (Teil 8) - Roland Stratmann / Matthias Friedrich
Die Serie auf art-in-berlin dokumentiert ausgewählte zeitgenössische Kunstprojekte im Stadtraum. Teil 8: Roland Stratmann / Matthias Friedrich, "Neuköllner Tor", 2008, eine Lichtinstallation.

Kunst im Stadtraum (Teil 7) - Michaela Meise
Die Serie auf art-in-berlin dokumentiert ausgewählte zeitgenössische Kunstprojekte im Stadtraum. Teil 7: Michaela Meise, "Bank und Bleibe", 2006, ein Projekt für den Rosa-Luxemburg-Platz

Kunst im Stadtraum (Teil 6) - (e.) Twin Gabriel
Die Serie auf art-in-berlin dokumentiert ausgewählte zeitgenössische Kunstprojekte im Stadtraum. Teil 6: "Mind the Gap", Realisierung 1999 / Entwurf 1996, Fiberglas, etwa 110 x 180 x 130 cm

Kunst im Stadtraum (Teil 5) - Jeff Koons
Die Serie auf art-in-berlin dokumentiert ausgewählte zeitgenössische Kunstprojekte im Stadtraum. Teil 5: "Balloon Flower", 1995-99, Chromedelstahl und Transparentlack, 289 x 335 x 274 cm

Kunst im Stadtraum (Teil 4) - Micha Ullman
Die Serie auf art-in-berlin dokumentiert ausgewählte zeitgenössische Kunstprojekte im Stadtraum. Teil 4: "Bibliothek - Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933" von Micha Ullman, 1995

Kunst im Stadtraum (Teil 3) - Rainer Görß
Die Serie auf art-in-berlin dokumentiert ausgewählte zeitgenössische Kunstprojekte im Stadtraum, die mal wieder einen Blick wert sind oder die es für Berlinbesucher neu zu entdecken gilt: "Denkzeichen Modezentrum" von Rainer Görß, 2000. "

Neue Serie: Kunst im Stadtraum (Teil 2) - Richard Serra
Die neue Serie auf art-in-berlin dokumentiert ausgewählte zeitgenössische Kunstprojekte im Stadtraum, die mal wieder einen Blick wert sind oder die es für Berlinbesucher neu zu entdecken gilt: "Berlin Junction" von Richard Serra, 1987

Neue Serie: Kunst im Stadtraum (Teil 1) - Sol LeWitt
Die neue Serie auf art-in-berlin dokumentiert ausgewählte zeitgenössische Kunstprojekte im Stadtraum, die mal wieder einen Blick wert sind oder die es für Berlinbesucher neu zu entdecken gilt: Würfelskulptur von Sol LeWitt, 1993

top

zur Startseite

Anzeige
Responsive image

Anzeige
Responsive image

Anzeige
Responsive image

Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Haus am Kleistpark




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Galerie im Saalbau




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Akademie der Künste / Pariser Platz




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
ifa-Galerie Berlin




Anzeige Galerie Berlin

Responsive image
Kunsthochschule Berlin-Weißensee




Copyright © 2014 - 18, art-in-berlin.de Kunstagentur Thomessen Hartlieb-Kühn GbR.