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Gegen die Wand geklimpert. Die Ausstellung outsource 2 in den Weddinger Uferhallen

von Maximilian Wahlich (03.05.2023)
vorher Abb. Gegen die Wand geklimpert. Die Ausstellung outsource 2 in den Weddinger Uferhallen

Peter Dobroschke, Entgleiste Wand, 2023, Theaterpodeste, Aluminium, Estrich, Schaltafeln(Holz), 80 x 900 x 500 cm, Foto: Matthias Lindner

Für die nächsten drei Wochen ist auf dem Vorplatz der Weddinger Uferhallen eine Klangarbeit des Soundkünstlers Ronnie Deelen (*1979 in Nieuw-lekkerland, NL) zu hören und mittig des Platzes steht ein Podest des Künstlers Peter Dobroschke (*1977 in Lich). Die Arbeiten entstanden im Rahmen der Ring-Ausstellung outsource 2, wo von April bis Juli 2023 insgesamt acht Künstler*innen vertreten sind.

Klimpern

Gebäude haben eine Akustik. Das Knarzen der Dielen, das Knacken des Gebälks, das leise Scheppern der Fensterrahmen bei starkem Wind. Wenn wir lange an einem Ort sind, gewöhnen wir uns daran und nehmen den architektonischen Chor nicht mehr wahr. Häuser verändern ihre Geräusche mit einer anderen Nutzung. In einer Fabrik stoßen schwere Metalle aufeinander, Eisengelenke strecken und dehnen sich, ab und an pfeift ein Hochdruckventil. In einer Werkstatt klimpern metallene Zangen und Schrauben, Hammer knallen laut und beim Löten faucht es.
Ronnie Deelen erweckt diese alte Klangkulisse der Uferhallen zum Leben. Einst wurden hier die Bahnen der BVG-Betriebe repariert. Über den gesamten Vorplatz der Uferhallen hören wir über mehrere Lautsprecher Schellen, Klirren, Pfeifen und Rascheln. Es klingt kühl, metallen und geschäftig.
Die Uferhallen, heute beherbergen sie Ateliers, heißen uns willkommen. Es ist ein angenehmes Geräusch. Kommen mehrere Töne zusammen, klingt es nach munteren Regentropfen.

Wand

Auf dem Vorplatz befindet sich ein gebautes Podest von Peter Dobroschke. Eine Bühne? Ein Display? Eine umgekippte Wand? In jedem Fall eine Fläche, die markiert ist durch eine Erhebung. Heute nutzt Ronnie Deelen den Bereich als Tischfläche, als Ablage für sein technisches Equipment. Für andere Ausstellungen wird der Bereich zum Sockel für Skulpturen oder zum Treffort der Nachbarschaft.
Eine hervorgehobene Fläche wird zum kollektiven Ort. Zu einem Fleck, wo communities entstehen. Eine vergleichbare Idee, mit großem Erfolg, hatte bereits das Darmstädter Gestaltungs-Büro DIESE Studio in der Siedlung Kranichstein. Auch dort entstand eine ähnlich Architektur, die schließlich als neues Element der Wohngegend aktiv angenommen wurde.
Die Bühne vor den Uferhallen hat einen ganz unmittelbaren Bezug zu dem Ort. 2007 wurden hier unter anderem Atelierflächen geschaffen. Seit der Übernahme einer Aktiengesellschaft sind für dieses Gelände zahlreiche Bebauungsabsichten entstanden, sie dienen der „Aufwertung“ der Gegend und der Bereicherung einiger Aktionär*innen. Dobroschke bezieht sich mit dem Podest konkret auf seinen Arbeitsplatz, thematisiert übergreifend die prekären Atelierräume sämtlicher Künstler*innen der Uferhallen. (Über die Situation haben wir mehrfach auf art-in-berlin berichtet.)

Der Wedding kommt

Klänge sind politisch. Der Lautpegel in der Fabrik ist unerträglich, leise Sprechen dient der Distinktion. Klassische Musik an Bahnhöfen soll Obdachlose vertreiben, schrille Töne die Jugendlichen aus Shoppingmeilen.
Direkt gegenüber der Gleise des S-Bahnhof Wedding entstanden eine Reihe hochpreisiger Luxusbauten. Dort ist es laut, doch scheint der Flair urbaner Mitte mit schallisolierten Fenstern und Panoramablick durchaus lukrativ. Der Wedding, lange vernachlässigt, holt bei der Verteuerung Berlins auf. Noch immer belächeln Leute aus anderen Bezirken seine Gentrifizierung. Dabei machen sie die strukturellen Probleme klein. Auch die Atelierflächen der Uferhallen sind bedroht. Es gab bereits zahlreiche Kampagnen und politische Aktivitäten der Künstler*innen, dennoch werden die Umbaupläne weiterhin vom Bezirk bewilligt. Das geht nur, weil die Folge dieser „Aufwertungsprozesse“, die zwangsläufig mit Verdrängung und hässlichen Mieterhöhungen einhergehen, von Politik und vielen Menschen nicht ernst genug genommen werden. Die Ausstellungsreihe outsource 2 mobilisiert gegen diese Prozesse. Sie macht den Ort sichtbar, den politischen Engpass bewusst und lädt die Anwohner*innen zu einem Dialog ein.

Ronnie Deelen, Inside-Outside (Multispeaker Soundpiece)
Peter Dobroschke, Entgleiste Wand (Basis-Skulptur)

weitere Eröffnungen Layla Nabi 11.05.2023, 17:00
Nicola Staeglich/Anke Völk 25.05.2023,  18:00
Tilman Wendland 08.06.2023, 18:00
Elisabeth Rosenthal 22.06.2023, 18:00
Andrea Pichl 06.07.2023, 18:00

vorhergehende Eröffnungen:
Felix Kultau – The Future Smiled Bright 06.04.2023

Ein Projekt des Uferhallen e.V., kuratiert von Antje Blumenstein und Christian Henkel

Uferhallen e.V.
Uferstraße 8-11
13357 Berlin
uferhallen-ev.de

Maximilian Wahlich

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Nachricht: Die Zukunft der Uferhallen im Berliner Wedding für Künstlerinnen und Künstler ist gesichert

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