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Berlin Daily 24.06.2024
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Dinghaft geträumt in Fischform. Elisa Duca in der Galerie im Saalbau

von Maximilian Wahlich (09.02.2024)
vorher Abb. Dinghaft geträumt in Fischform. Elisa Duca in der Galerie im Saalbau

© Elisa Duca, Credits: Stefanie Messner

Unter dem Titel Soy Dreams zeigt die Neuköllner Galerie im Saalbau derzeit drei in diesem Jahr entstandene Arbeiten von Elisa Duca. Ihre Installationen wirken wie Objekte aus einer anderen Sphäre: die Farben sind zu schrill, die Formen zu sanft und die Materialien zu geschlossen für unsere Sehgewohnheiten. Motive und Objekte scheinen in ununterbrochener Bewegung, wir sehen nur eine Momentaufnahme – sie fließen ineinander, tröpfeln, schwimmen, überschwemmen, rieseln. Ein unendliches Morphing und Überlagern, Vernetzen und Wegpixlen. Ducas Wesen beeinflussen ihre Umgebung. Ein Kirchplatz erscheint plötzlich wie aus einem Randering und Ducas Figur ist wie ein Gast aus einem Computerspiel.

Für die Kommunale Galerie des Bezirks Neukölln zeigt die Künstlerin einen Kosmos von Werken, die ein ähnliches Themenfeld umkreisen: Meer und Wasser und unsere Wirklichkeit. Lebewesen wie der Mensch bestehen selbst zu über 90 % aus Wasser. Unsere Körpersäfte sind in Organen gebunden, ein wenig wie kleine Schwämme. Man kann sich den Körper als eine Art Wasserblase vorstellen. Unsere Haut hält das Wasser drinnen. Um uns herum haben wir ein kapitalistisches System gebaut. In diesem System steigern wir den Profit und beuten aus, wir schöpfen ab, und am Ende hat das Becken kein Wasser mehr: Wüste bleibt.

© Elisa Duca, Credits: Stefanie Messner

Vorbote dieser Apokalypse ist die Klimaerwärmung: obviously. Offensichtlich ist auch die Materialschwemme der westlichen Zonen. In einer absurden Anstrengung häufen wir Dinge an, betten uns ein in den blinkend schillernden Morast alten Plastiks. Auch Duca scheint an einen ähnlichen Assoziationshorizont gedacht zu haben. Im ersten Raum der Ausstellung sehen wir auf zwei senkrecht auf dem Boden stehenden Bildschirmen Fische und Tentakel von Oktopussen. Ein Aufwärmen, ein Vorschwimmen. Die folgenden drei Räume sind jeweils mit ein bis zwei Arbeiten gefüllt, haben alle eine ähnliche Präsenz im Raum. Rechts vom Eingang befinden sich die beiden Werke Sweet Cosmic City und Attempts to Shape Togetherness Blended. Zahlreiche Polaroids liegen am Boden rund um einen leuchtenden Kühlschrank, wie er in vielen Berliner Spätis zu finden ist. Statt Bier und Mate ist er mit sonderbaren Behältern gefüllt. In ihnen befinden sich organische wie anorganische Materialien gerade im Zustand der Zersetzung. Und da wären wir beim Plastik, bei Folie und Polyester, die sich als dünnes Kissen auf die Welt legen und sie langsam ersticken.

Im mittleren Raum hat Duca die titelgebende Installation Soy Dreams platziert. Soy spielt auf Sojasoße an und der Traum ist zum Alp geworden. Wir bewegen uns am Meeresgrund. Ruhe kehrt ein. In diesen Tiefen liegen alte Boote. Hier schillert es blau und grünlich. Über allem schweben – unklar – Plastiktüten wie ein Tropf mit Kanüle oder Statthalter einer Luftblase. Ebenso symbolisch sind auch die bekannten Plastikbehälter für Sojasoße in Fischform. Der Form nach stellen sie Fische dar, die auf dem Sand und in den Ecken des Bootsbodens liegen. In ihrer Funktion als Sojasoßenbehälter stehen sie für Entsorgung und Abfall. .... Den Behältern wird eine Doppelrolle zwischen Leben/Müll zugewiesen – ein unlustiges Paar.

© Elisa Duca, Credits: Stefanie Messner

Auf insgesamt vier kleinen Bildschirmen sind bunt schillernde fließende Farben zu sehen, überlagert von grauen und eckigen eher technoid wirkenden Monstren. Bei genauerem Hinsehen wirkt dieses graue Ding wie eine kleinteilige Collage aus Fischkadaver? Ein weiterer Morphing-Effekt, den die Fantasie verlebendigt hat? Die Aussage ist dennoch unmissverständlich: Ein bunter Hintergrund fließt quicklebendig, bis eine Formation aus Chips und Technik (möglicherweise unter großen Opfern hergestellt) seinen Weg kreuzt.

Im letzten Raum finden sich ähnliche unwirtliche Topografien. Sie schweben in einer schwarzen Unendlichkeit, aus dem Nichts ins Nichts. Die architektonischen Formationen erscheinen wie Leerhülsen, Versprechen einer Ewigkeit und nun sind sie totgesiedelt und unbewohnt. Was ist hier passiert? Die Bauwerke sind Untersuchungsgegenstand und werden mit Hilfe eines Computerprogramms von allen Seiten gedreht und angeschaut. Wir nehmen jetzt nur mehr Wände und Verschalungen wahr. Sie wirken wie Relikte menschlichen Größenwahns. Sojasoße kommt als salzige Plörre daher. Plastikbehälter in Fischform nur Nachahmung des Meeres. Polyester nur Illusion und das Kühlregal nur ein hell leuchtender Kasten inmitten der Dunkelheit.

Elisa Duca. Soy Dreams

Ausstellungsdauer: 02. Dezember 2023 bis 11. Februar 2024
Öffnungszeiten: Mo-So 10-20 Uhr


GALERIE IM SAALBAU
Karl-Marx-Str. 141, 12043 Berlin
galerie-im-saalbau.de

Maximilian Wahlich

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