Edle Gefühle und hehre Kunst
Einspieldatum: 16.02.2006

In Paris war sie eine Sensation und wurde von über 300.000 Besuchern gesehen: die Ausstellung "Melancholie. Genie und Wahnsinn". Jetzt wird sie - größer und umfangreicher - in Berlin in der Neuen Nationalgalerie gezeigt: "Melancholie bei Mies" wie Dr. Peter-Klaus Schuster bemerkte.
Zusammengetragen wurde alles, was in der abendländischen Kunst Rang und Namen hat und sich dem Thema auf die eine oder andere Weise zuordnen lässt: das heißt von Dürer bis Ron Mueck über Grien, Watteau, Delacroix, Goya, Rodin, Munch, De Chirico, Picasso, Beckmann, Beuys oder Warhol (um nur eine kleine Auswahl zu nennen), insgesamt über 300 Exponate aus internationalen Museen und privaten Sammlungen. Mal ergänzend, mal erhellend, mal didaktisch werden neben den Kunstwerken zudem - einem interdisziplinären Ansatz im Ausstellungskonzept folgend - wissenschaftliche Gerätschaften und andere Fundstücke gezeigt.
Übergreifend stellt die Ausstellung die Melancholie als universale Bezugsgröße, als wesentliches Gemütsmerkmal der Kreativität in Kunst und Wissenschaft von der Antike bis zur Gegenwart vor.
Entprechend dem historischen Verständnis von Melancholie in der abendländischen Tradition sind die Werke in bestimmte Themengruppen gefasst, wie z.B. Gemälde von Lucas Cranach d.Ä., Giorgione oder Johann Heinrich Füssli unter "Schwarze Galle und süßes Gift: Melancholie im Mittelalter und in der frühen Neuzeit" oder Bilder von Caspar David Friedrich, Arnold Böcklin, Vincent van Gogh unter "Melancholie der Moderne". Zu jedem Bereich und zu jedem einzelnen Werk in der Ausstellung gibt es kurze informative Texte. Insgesamt setzt sich die Schau aus 8 verschiedenen Bereichen zusammen und jeder einzelne beleuchtet anhand der Ausstellungsstücke die unterschiedlichen Facetten des thematisierten Bewußtseinszustandes.
Speziell der Gegewartskunst gewidmet ist in der oberen Halle eine 8 Meter hohe "black box", in der Künstlervideos zu sehen sind, die wöchentlich wechseln, u.a. von von Carlos Amorales, Rebecca Horn, Marc Wallinger und Ann-Sofi Sidén.
Keine Frage: In Zusammenarbeit mit der Réunion des Musées Nationaux ist es den Staatlichen Museen zu Berlin bzw. den Ausstellungsmachern gelungen, bedeutende Leihgaben aus den großen Museen der Welt sowie anderer Institutionen wie bspw. dem medizinhistorischen Museum der Charité zusammenzutragen und ein spannendes Thema zu bearbeiten. Dennoch besteht die Gefahr, dass gewisse Ermüdungserscheinungen vor der Fülle des Materials nicht ausbleiben: warum dann z.B. eine Vielzahl zumeist altbekannter Arbeiten von Anselm Kiefer im Bereich zeitgenössischer Kunst gezeigt werden müssen, bleibt fragwürdig. Aber, wie sagte eine der sympathischen "Live Speaker", die den Besuchern zukünftig in jedem Ausstellungsbereich mit erklärenden Informationen zur Verfügung stehen, fragwürdig erscheint so manches und zu kritisieren gibt es immer was.
Ausstellungsdauer: 17.2. bis 7.5.06
Abbilung: Ron Mueck, o. T. (Dicker Mann, 2000, pigmentierter Polyesterharz auf Fiberglas.
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Strasse 50
10785 Berlin
INFO-HOTLINE: Tel. 030-266 36 69
ÖFFNUNGSZEITEN:
Di., Mi. u. So. 10 - 18 Uhr
Do. 10 - 22 Uhr
Fr. u. Sbd. 10 - 20 Uhr
www.melancholieinberlin.org
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