Raumansicht: Josephine Riemann, Detail, Foto: art-in-berlin

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Der Song Summertime beschwört jene kollektive Sehnsucht nach Unbeschwertheit herauf, die den Sommer seit jeher zur Projektionsfläche für gesteigerte Lebensfreude, aber auch für die melancholische Verdichtung flüchtiger Momente macht. Genau diese Verheißung schwebt wie ein Leitmotiv über der aktuellen Ausstellung Summer Special im Verein Berliner Künstler (VBK). Dabei verweigert sich die Ausstellung bewusst einer eindimensionalen Postkarten-Idylle. Stattdessen eröffnen die gezeigten Arbeiten der 19 Künstlerinnen und Künstler ein breites Spektrum unterschiedlicher Perspektiven auf den Sommer – von der präzisen, beobachtenden Naturstudie über die atmosphärische Verdichtung flüchtiger Augenblicke bis hin zu radikal abstrakten und konzeptuellen Zugängen.

Bereits vor dem Betreten der Galerie wird der Blick von einem der Schaufenster eingefangen, in dem zwei luftige Blusen und ein Rock mit Rosenmustern auf Bügeln arrangiert sind – ein Bild, das zunächst an ein Bekleidungsgeschäft denken lässt. Dass diese Textilien jedoch einer anderen Logik folgen, zeigt sich erst aus der Nähe: Feine, dünne Dornenzweige sind als subtile Störfaktoren fest in die Stoffe eingenäht. Die Künstlerin Josephine Riemann thematisiert in dieser Installation ein bekanntes Paradoxon unseres Alltags: die Diskrepanz zwischen unserer ästhetischen Sehnsucht nach Naturmotiven und dem gleichzeitigen Mangel an Initiative, die reale Natur zu schützen.

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Catherine Bourdon, Corbeille, Raumansicht: Detail, Foto: art-in-berlin

Dieser kritische Blick auf unser Verhältnis zur Umwelt bildet das Sprungbrett für einen zentralen Schwerpunkt der Ausstellung: Die Natur wird von vielen der teilnehmenden Künstler*innen auf höchst unterschiedliche Weise reflektiert und transformiert. So etwa bei Catherine Bourdon, deren buntfarbige, florale Keramikobjekte voller Energie stecken; sie loten auf kraftvolle Weise die Grenzen zwischen unserer Innen- und Außenwelt aus.
Einen ganz anderen, beinahe kontemplativen Zugang wählt Sandra Schmidt: In ihren feingliedrigen, an Scherenschnitte erinnernden Papierarbeiten geht sie mit großer Präzision der organischen Entfaltung von Pflanzen nach.
Einen weiteren Akzent setzt Merit Fakler mit ihrer Videoinstallation Digital Garden / Ma ha´lsh. Die Künstlerin platziert ihre Arbeit pointiert auf einer alten Malerstaffelei – ein kluger, ironischer Bruch, bei dem das traditionelle Werkzeug der Landschaftsmalerei nun als Träger für ein digitales Medium dient, das auf dem Bildschirm permanent neue, künstliche Pflanzen entstehen lässt. Ebenso eindrücklich zeigen sich die Wandarbeiten von Ade Frey. In ihrer Reihe paperpositions appliziert sie feine Holzfurniere auf dünne Holzplatten und holt das organische Material so auf ganz unmittelbare, haptische Weise in den Galerieraum.

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Raumansicht: Michael Heyers, Conversation I - IV, Detail, Foto: art-in-berlin

Doch längst nicht alle Positionen der Ausstellung wählen einen so direkten, materiellen Bezug zur Natur; oft ist es vielmehr die Übersetzung von Bewegung und Zeit, die im Fokus steht. Dies unterstreichen die vier abstrakt-konkreten Wandobjekte von Michael Heyers mit dem Titel Conversation I - IV. Seine Arbeiten fangen einen Moment der Flüchtigkeit ein, der wesentlich durch die optische Interaktion der Objekte untereinander entsteht. Zu sehen sind vier Scheiben, deren einfarbiger Innenkreis jeweils von vierfarbigen Ringen umschlossen wird – eine reduzierte Formensprache, durch die sich eine feine Dramaturgie aus Nuancen und farblichen Kontrasten im Raum entfaltet.

Summer Special im Verein Berliner Künstler erweist sich als eine klug kuratierte Sommerausstellung. Den teilnehmenden Kunstschaffenden gelingt es, die flüchtige Essenz des Sommers in materieller wie medialer Vielfalt festzuhalten und das Publikum zu einer facettenreichen Reflexion über eine Jahreszeit einzuladen. Den teilnehmenden Kunstschaffenden gelingt es, die flüchtige Essenz des Sommers in materieller wie medialer Vielfalt festzuhalten und das Publikum zu einer facettenreichen Reflexion einzuladen – ein inspirierender Besuch, nicht nur an heißen Tagen.

Mit: Catherine Bourdon, Aenne Burghardt (Gast), Christian Ebel, Merit Fakler, Ade Frey (Gast), Gerlind Hentze (Gast), Michael M. Heyers, Kama Jackowska, Michael Koch, Stefan Kraft (Gast), Maviie Mauer, Bodo Niggemann, Kirstin Rabe, Josephine Riemann (Gast), Sandra Schmidt, Sabine Schneider, Helga Wagner, Gerard Waskievitz und Martin Wellmer.

Ausstellungsdaten:
noch bis 12. Juli 2026

Öffnungszeiten der Galerie: Mittwoch bis Sonntag, 15–18 Uhr

Verein Berliner Künstler
Schöneberger Ufer 57
D-10785 Berlin Tiergarten-Mitte


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The song “Summertime” evokes that collective yearning for lightheartedness that has always made summer a projection screen for heightened joie de vivre, but also for the melancholic condensation of fleeting moments. It is precisely this promise that floats like a leitmotif over the current exhibition “Summer Special” at the Verein Berliner Künstler (VBK). In doing so, the exhibition consciously rejects a one-dimensional postcard idyll. Instead, the works on display by the 19 artists open up a broad spectrum of different perspectives on summer—from precise, observant nature studies to the atmospheric condensation of fleeting moments and radically abstract and conceptual approaches.

Even before entering the gallery, one’s gaze is captured by one of the display windows, in which an airy blouse and a skirt with rose patterns are arranged on hangers—an image that initially brings a clothing store to mind. However, the fact that these textiles follow a different logic only becomes apparent upon closer inspection: fine, thin thorny branches are firmly sewn into the fabrics as subtle disruptors. In this installation, the artist Josephine Riemann addresses a familiar paradox of our everyday life: the discrepancy between our aesthetic longing for nature motifs and the simultaneous lack of initiative to protect the real environment.

This critical look at our relationship with the environment forms the springboard for a central focus of the exhibition: nature is reflected and transformed by many of the participating artists in highly diverse ways. This is evident, for example, in the work of Catherine Bourdon, whose vibrantly colored, floral ceramic objects are bursting with energy; they powerfully explore the boundaries between our inner and outer worlds. Sandra Schmidt chooses a completely different, almost contemplative approach: in her delicate paper works, reminiscent of silhouettes, she traces the organic unfolding of plants with great precision. Another accent is set by Merit Fakler with her video installation “Digital Garden / Ma ha´lsh.” The artist pointedly places her work on an old painter’s easel—a clever, ironic break where the traditional tool of landscape painting now serves as a support for a digital medium that causes new, artificial plants to constantly emerge on the screen. Equally impressive are the wall works by Ade Frey. In her series “paperpositions,” she applies fine wood veneers to thin wooden panels, bringing the organic material into the gallery space in a very direct, haptic way.

However, by no means do all positions in the exhibition choose such a direct, material reference to nature; often it is rather the translation of movement and time that takes center stage. This is underscored by the four abstract-concrete wall objects by Michael Heyers titled “Conversation I - IV.” His works capture a moment of transience that arises essentially through the optical interaction of the objects with one another. On view are four discs, whose monochromatic inner circles are each enclosed by four-colored rings—a reduced formal language through which a fine dramaturgy of nuances and color contrasts unfolds in the space.

“Summer Special” at the Verein Berliner Künstler proves to be a cleverly curated summer exhibition. The participating artists succeed in capturing the fleeting essence of summer in both material and medial diversity, inviting the audience to a multi-faceted reflection—an inspiring visit, and not just on hot days.