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Berlin Daily 15.05.2021
Künstleringespräch mit Cornelia Renz

17 Uhr: im Rahmen der Ausstellung „Heimspiel – Cornelia Renz feat. Raya Bruckenthal, Raafat Hattab & Yara Kassem Mahajena“ in der MEWO Kunsthalle / Memmingen

Video: 8. Berlin Biennale

von ct (31.05.2014)
vorher Abb. Video: 8. Berlin Biennale

Meret Oppenheim



Dauer: ca. 5.20 min

Eine geteilte 8 ist das Logo der am Mittwoch eröffneten 8. Berlin Biennale. Sie bildet die Klammer um die von dem kolumbianisch / kanadischen Künstler und Kunsthistoriker Juan A. Gaitán und seinem Beraterteam kuratierte Veranstaltung. Verteilt auf vier Standorte: dem Haus am Waldsee, den Museen Dahlem – Staatliche Museen zu Berlin, den KW Institute for Contemporary Art und dem Crash Pad c/o KW zeigen rund 50 internationale Künstler - zum größten Teil - Neuproduktionen. Mit der Wahl der Standorte verlagert Gaitán das Geschehen raus aus der hippen Mitte-Berlins in den Südwesten der Stadt, u.a. in die Ethnologische Sammlung, die demnächst ins wieder aufgebaute Stadtschloss / Humboldtforum einzieht.

Biennalen sind immer auch Versuche, die künstlerische Gegenwart im Kontext aktueller gesellschaftspolitischer und kultureller Diskurse zu verorten. Mit welchen Themen beschäftigt sich zeitgenössische Kunst? Die Themen, die Juan A. Gaitán in den Vordergrund stellt, sind die historische Narration, die sich in der Architektur und Soziologie Berlins widerspiegelt. Berlin mit der Rekonstruktion des Schlosses als Ort für das zukünftige Humboldtforum bildet einen möglichen Ausgangspunkt einer globalen Tendenz, nach der Geschichte in ihrer politischen Dimension bemüht wird, um „die Hegemonie bestimmter vorherrschender Erzählungen zu verfestigen“ (Gaitán). Geschichte als Fiktion, Geschichte als Interpretation, Geschichte in ihren Präsentation. In diesem Sinne ist die Wahl der Standorte in Berlin-Dahlem als Statement zu verstehen, zu dem sich die Künstler - vor allem in den Museen-Dahlem - mit ihren Arbeiten positioniert haben. Einige beziehen sich wie bspw. Carsten Höller oder die mexikanische Künstlerin Mariana Castillo Deball direkt auf die Sammlung vor Ort und betreiben koloniale Spurenlese, was mit unter etwas bemüht und didaktisch wirkt. Andere wie die aus Polen stammende Goshka Macuga oder bpsw. die pakistanische Künstlerin Bani Abidi geben Einblicke in ein komplexes Universum aus Erinnerung, Imagination, Alltag, Mythos und Neuerzählung. Dabei spielt der Kontext eine eher untergeordnete Rolle.

Im Haus am Waldsee ist es die Erkundung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, die Gaitán anspricht. Eine fiktive private Sammlung bildet den Rahmen um die Werke der Biennale-Künstler. Diese Fiktion und die persönliche Vorliebe eines fiktionalen Sammlers schwebt nebulös im Raum, wenn man sich den Kunstwerken widmet. Fast scheint es ein ironisches Statement, dass der schwedische Künstler Matt Leiderstam aus der Berliner Gemäldegalerie historische Porträts für fotografische Abzüge ausgewählt hat, bei denen weder der Maler noch die porträtierte Person bekannt sind. Anders die beeindruckende Video-Rauminstallation von Patrick Alan Banfield, der mit dreißig Jahren zu den jüngsten Künstlern der Biennale gehört. Momente der Verlassenheit und einer nicht greifbaren Bedrohung verströmen seine langsamen Kamerafahrten durch menschenleere Stadt- und Naturlandschaften, begleitet von eigenständigen synthetischen Klängen.

In den KW Institute for Contemporary Art (inkl. dem Crash Pad), als dritter Station der Biennale, fällt auf, dass viele Werke Soziologisches in der zeitgenössischen Kunst in den Vordergrund rücken. Ideologie, Politik, Wissenschaft und Architektur werden in verschiedenen Varianten thematisiert. Doch was bedeutet es heutzutage zeitgenössische Kunst zu machen? Die beiden Klammern der geteilten Acht lassen den Raum nach unten und oben offen.

Bedenkt man, dass Biennalen im Zweijahresrhythmus Aktuelles präsentieren, scheint die Ausstellung von Juan A. Gaitán mit ihrem Konzept zum Zeitlosen zu tendieren. In diesem Sinne ließe sich eher von einer Ausstellung auf hohem Niveau mit einem wohl sortierten Künstlermix sprechen als von einer Biennale, die ein starkes Gewicht auf das Gegenwärtige in der zeitgenössischen Kunstproduktion legt.

Kurator
Juan A. Gaitán

Künstlerisches Beraterteam
Tarek Atoui (Künstler), Natasha Ginwala (Kuratorin / Autorin), Mariana Munguía (Wissenschaftlerin), Olaf Nicolai (Künstler) und Danh Vo (Künstler)

50 internationale KünstlerInnen

Ausstellungsorte und Öffnungszeiten:
Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
14163 Berlin
Di–Fr 10–18 Uhr; Sa–So 11–18 Uhr

KW Institute for Contemporary Art
Auguststraße 69
10117 Berlin
Di–So, 12–22 Uhr

Museen Dahlem - Staatliche Museen zu Berlin
Lansstraße 8
14195 Berlin
Di–Fr 10–18 Uhr; Sa–So 11–18 Uhr

Alle Orte montags geschlossen

Kurzführer
Der Kurzführer der 8. Berlin Biennale, erschienen im Hatje Cantz Verlag, mit einleitenden Texten und Kommentaren zu den gezeigten Arbeiten ist für 12 Euro an allen Ausstellungsorten sowie online erhältlich.

ct

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Presse: Banal oder subtil? Carsten Probst / Deutschlandfunk (5.4.2008)

Presse: Lieber artig als großartig Brigitte Werneburg / TAZ (5.4.08)

Presse: Was hinter der Faust haust Niklas Maak / FAZ (4.4.08)

Presse: Auf der Schulter der Moderne Elke Buhr / FR-online (4.4.08)

Presse: Der Kiez wird schwarzweiß Swantje Karich / Frankfurter Allgemeine FAZ Net (10.6.10)

Presse: Die Wirklichkeit spricht Körpersprache Karin Schulze / Spiegel Online (10.6.10)

Presse: Seismogramme der Verwerfungen Volkmar Draeger / Neues Deutschland (11.6.10)

Presse: Draußen wartet die Wirklichkeit NINA APIN & ULRICH GUTMAIR / TAZ (12.6.10)

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