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Berlin Daily 27.06.2022
Vortragsreihe +dimensions mit

17-18h: Christine Reeh-Peters (Filmemacherin und Kunstphilosophin, Potsdam). »+dimensions« der weißensee kunsthochschule berlin erforscht neue hybride Lehrformate und Lernräume, die analoge und digitale Methoden verbinden.

Berlin Biennale: Ich bin Mensch. Eine Masse, die wächst.

von Maximilian Wahlich (21.06.2022)


Berlin Biennale: Ich bin Mensch. Eine Masse, die wächst.

Raumansicht Akademie der Künste, Hanseatenweg, im Hintergrund: Forensic Architecture, CLOUD STUDIES [Wolkenstudien], 2022 2-Kanal-Videoinstallation, Farbe, Ton, approx. ca. 30? Courtesy Forensic Architecture, Foto: kuag

Prolog – Zerstörung

Alle zwei Jahre findet die Berlin Biennale statt, diesmal kuratiert von dem Künstler Kader Attia und seinem Team. Die Ausstellung verteilt sich auf sechs Standorte in ganz Berlin, darunter auch die Akademie der Künste am Hanseatenweg. Hier werden 19 Positionen gezeigt.
Gemeinsamer Nenner sämtlicher Arbeiten ist die Natur und unser Umgang mit ihr. Fragen nach ihrer Bedeutung und der Definition von Natur werden gestellt. Dabei fallen unterschiedliche Paradoxien auf. Beispielsweise sind unsere Körper einfach organische Materie, davon 98% Wasser. Trotz dessen missbrauchen wir Wasser auch als Waffe (Wasserwerfer) oder als globales Machtinstrument (Wassermangel).
Wir sind eigentlich nur Teil eines Systems. Doch dehnen wir uns darin immer mehr aus, indem wir uns als gesondert wahrnehmen und damit unseren Zugriff auf „die Natur“ begründen. Wir grapschen in sämtliche Prozesse und versuchen sie uns dienlich zu machen. Wir glauben zu wachsen. Und irgendwann ist das Ackerland leergefegt, dann machen wir uns selbst kaputt.

Ausdehnung

Wolken waren einst romantisches Motiv oder malerische Herausforderung. Sie wandeln stets ihre Form, sind eilig und langsam, ihre Konturen verwaschen vor dem blauen Hintergrund. Wolken werden romantisiert, sie wirken weich und ruhig. Und so scheint die „cloud“ noch heute über sämtlichen Unruhen zu schweben und Daten sicher zu verwahren.
Zugleich entpuppen sich die Geschwader am Himmel als giftige Gase spätkapitalistischer Gier. Ein großangelegtes Rechercheprojekt des bekannten Kollektivs Forensic Architecture begreift die vergifteten Wolken als „Kolonisierung“ der Umwelt. Wir vergiften die Luft und nehmen sie einfach ein, machen sie uns nützlich. Verursacher sind Weltkonzerne, westlicher Lebensstil und Kriege.

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Raumansicht Akademie der Künste, Hanseatenweg: Mai Nguy?n-Long, SPECIMEN (PERMEATE) [Probe (Permeat)], 2022 Remade adaptation from Neuadaption von SPECIMEN [Probe], 2013, Haushaltsgefäße, gefundene Objekte, organische Materialien, Maße variabel Courtesy Mai Nguy?n-Long, Foto: kuag

Gegenwart

Über zwei lange Regalböden erstrecken sich zahllose Gläser mit rotfarbenem, organisch anmutenden Inhalt. Darunter Puppen, Flüssigkeiten, Textiles und Kunststoff. Alles in allem erinnert die Inszenierung an Gruselfilme, wo ein Frankensteinmonster Menschen mit rostigen Nägeln seziert. Doch mahnt die Installation Specimen (Permeate) [Probe (Permeat), 2022] von Mai Nguyễn-Long an den ganz realen Horror grässlicher Kriegsverbrechen, namentlich Agent Orange in Vietnam. Bis heute leiden die Menschen an den unvorstellbaren Folgen eines kriegerischen Expansionsdrangs. Unsere Gegenwart ist der Schrecken einer ausgeträumten Utopie.
Aber Kader Attia will die Gegenwart reparieren – seine Strategie sind Kunst und Traum. Sie etablieren ihre Zeitlichkeit, ermöglichen die bewusste Wahrnehmung von Gegenwart und schaffen einen eigenen Ort.

Epilog – Kunst und Traum

Auf komisch skurrile Weise erzählt Tuấn Andrew Nguyễn in seiner Zweikanal-Videoarbeit My Ailing Beliefs Can Cure Your Wretched Desires [Meine kränkelnden Überzeugungen können deine elenden Wünsche heilen, 2017] von dem Bedeutungswandel von Natur in unserer Gesellschaft. Wir sehen Szenen einer Schlachterei, einer Arbeitsstätte, wo Tierknochen gesäubert werden sowie Skelette in Naturkundemuseen. Dazu hören wir aus dem Off einen amüsiert-schockierten Dialog einer Schildkröte, einst ein heiliges Tier in Vietnam und eines Java-Nashorns, welches gerade ausstirbt. Schildkröte und Nashorn sprechen über Misshandlungen, unsere Gräueltaten gegenüber der Natur. Sie beide waren vermutlich Opfer von Plünderung und Ausrottung und schauen aus der Ferne auf unsere wahnsinnige „Normalität“.
Eines wird deutlich: Wir müssen der Natur die Natur zurückgeben. Vor allem sollten wir uns selbst als Teil der Natur begreifen. Wir sind nur ein molekularer Haufen im Meer anderer Haufen.

Künstler*innen: Ammar Bouras, Calida Garcia Rawles, Clément Cogitore, DAAR – Sandi Hilal und Alessandro Petti, Dana Levy, Đào Châu Hải, Florian Sông Nguyễn, Forensic Architecture, Imani Jacqueline Brown, Lamia Joreige, Mai Nguyễn - Long, Sammy Baloji, Susan Schuppli, Sven Johne, Tammy Nguyen, Tejswini Narayan Sonawane, Temitayo Ogunbiyi, Tuấn Andrew Nguyễn, Yuyan Wang

Mehr über die Berlin Biennale in unserem Text Fakten und erste Einblicke zur 12. Berlin Biennale für Zeitgenössische Kunst

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin
info@adk.de
Öffnungszeit: Mi – Mo von 11 – 19 Uhr

www.berlinbiennale.de

Maximilian Wahlich

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Titel zum Thema Berlin Biennale:

Berlin Biennale: Ich bin Mensch. Eine Masse, die wächst.
Besprechung zur Berlin Biennale am Standort Akademie der Künste im Hanseatenweg:
Kader Attia will die Gegenwart reparieren – seine Strategie sind Kunst und Traum.

Umfangreiches Programm zur Berlin Biennale
Die Berlin Biennale wird von einem umfassenden Programm begleitet. Es finden thematische Rundgänge, sogenannte Fokus-Touren, Workshops, Künstler*innengespräche, Performances, Filmvorführungen sowie eine Reihe von Konferenzen statt.

Fakten und erste Einblicke zur 12. Berlin Biennale für Zeitgenössische Kunst
Ein kurzer Überblick

Berlin Biennale: Künstler*innenliste
Kurzinfo: Nächste Woche beginnt die 12. Berlin Biennale. Sie wird von Kader Attia in Zusammenarbeit mit Ana Teixeira Pinto, Đỗ Tường Linh, Marie Helene Pereira, Noam Segal und Rasha Salti kuratiert. Folgende Künstler*innen sind vertreten:

Zu den Ausstellungsorten der 12. Berlin Biennale
Kurzinfo: Die nächste Berlin Biennale, die vom 11. Juni bis zum 18. September 2022 stattfindet, konzentriert sich auf folgende Ausstellungsorte:

Das künstlerische Team der 12. Berlin Biennale
Infos: Jetzt steht das künstlerische Team um Kader Attia, der die nächste Berlin Biennale in enger Zusammenarbeit mit dem Team kuratiert.

Die 12. Berlin Biennale gibt Termine bekannt
Kurzinfo: Die 12. Berlin Biennale, die von Kader Attia kuratiert wird, gibt Laufzeit bekannt und stellt Erscheinungsbild vor.

Kader Attia wird Kurator der 12. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
Die Berlin Biennale hat für ihre kommende 12. Ausgabe 2022 den Kurator bekanntgegeben.

Die Berlin Biennale 11 - Nichts in der Welt läuft synchron
Heute endet die Berlin Biennale 11


Teilnehmer*innen der 11. Berlin Biennale
Kurzinfo

11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst mit neuem Termin
Die 11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst gibt die neue Laufzeit der Ausstellung im Herbst 2020 bekannt.

Termine und Ausstellungsorte der 11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
Kurzinfo: Die Kurator*innen der kommenden Biennale María Berríos, Renata Cervetto, Lisette Lagnado und Agustín Pérez Rubio haben heute die Ausstellungsorte und Termine bekanntgegeben.

exp. 1: Das Gerippe der Welt
Besprechung: Der Name eines Reiseberichts, den der brasilianische Künstler Flávio de Carvalho Mitte der 1930er-Jahre verfasste, bildet den Titel der Auftaktveranstaltung der kommenden Berlin Biennale.

Berlin Biennale gibt Kurator_innenteam bekannt
María Berríos, Renata Cervetto, Lisette Lagnado und Agustín Pérez Rubio sind die nächsten Kurator*innen der 11. Berlin Biennale.

Presse: Hallräume der Kunst Tobias Timm / DIE ZEIT, 03.04.2008a

Presse: Banal oder subtil? Carsten Probst / Deutschlandfunk (5.4.2008)

Presse: Lieber artig als großartig Brigitte Werneburg / TAZ (5.4.08)

Presse: Was hinter der Faust haust Niklas Maak / FAZ (4.4.08)

Presse: Auf der Schulter der Moderne Elke Buhr / FR-online (4.4.08)

Presse: Der Kiez wird schwarzweiß Swantje Karich / Frankfurter Allgemeine FAZ Net (10.6.10)

Presse: Die Wirklichkeit spricht Körpersprache Karin Schulze / Spiegel Online (10.6.10)

Presse: Seismogramme der Verwerfungen Volkmar Draeger / Neues Deutschland (11.6.10)

Presse: Draußen wartet die Wirklichkeit NINA APIN & ULRICH GUTMAIR / TAZ (12.6.10)

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