Pressekonferenz vor der Eröffnung des documenta fifteen, u.a. mit ruangrupa und Sabine Schormann

Gestern gab der Aufsichtsrat der documenta die Erklärung ab, dass man sich einvernehmlich mit den Gesellschaftern und der Generaldirektorin Sabine Schormann darauf geeinigt habe, dass die Generaldirektorin zurücktritt.

Ob mit dieser personellen Entscheidung die Antisemitismusdebatte eine Wende erfährt und Vertrauen zurückgewonnen werden kann - wie es als Ziel in der Erklärung des Kassler Oberbürgermeisters Christian Geselle und der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn in Vertretung des Aufsichtsrates heißt - ist fraglich. Man will diesen Vorfall um die Aufhängung des Banners von Taring Padi mit antisemitischen Motiven zeitnah aufklären, Schlussfolgerungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Umgang mit antisemitischen Vorgängen im Kultur und Kunstkontext ziehen und weiteren Schaden für die documenta abwenden. Alles soll nochmals genau überprüft und Verfehlungen beim Thema Antisemitismus und strukturellen Defiziten aufgearbeitet werden. Zugleich äußerte man nochmals seine tiefe Betroffenheit über den Vorfall und sieht es als Aufgabe:

"... Antisemitismus und gruppenbezogene Formen von Menschenfeindlichkeit auch in Kunst und Kultur wirksam zu bekämpfen. Außerdem bekräftigt er seine Erwartungshaltung, dass Hinweisen auf mögliche antisemitische Bildsprache und Beförderung von israel-bezogenem Antisemitismus unter Berücksichtigung der grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit nachgegangen werden soll...."

Einzig Aufklärung und Bildung können Antisemitismus vorbeugen. Rücktritte helfen dabei wenig.