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Berlin Daily 20.06.2024
Gespräch

19 Uhr: u.a. mit Nina Dvorak, Stefan Grieger, Norman Harzer Grieger Harzer Dvorak. Mod.: Sebastian Feldhusen im Rahmen der Ausstellung: "Grieger Harzer Dvorak. Lustgarten". Architektur Galerie Berlin | Karl-Marx-Allee 96 10243 Berlin

Ist die Welt noch zu reparieren? Die Ausstellung The Great Repair in der AdK

von Lisa Rocke (09.01.2024)
vorher Abb. Ist die Welt noch zu reparieren? Die Ausstellung The Great Repair in der AdK

Bas Princen
Djenné Mosque, 2010
© Bas Princen


Wir leben in turbulenten Zeiten: Menschen kleben sich aus Angst vor der Klimakrise auf die Straße; es herrscht Krieg in der Welt und Menschen sterben täglich vor abgeriegelten Grenzen oder im Mittelmeer; rechtsextreme Strömungen gewinnen immer mehr Zulauf und vor einem Jahr waren wir noch mitten in einer globalen Pandemie. (Diese Liste hat bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit.) Kurz gesagt: Aktuell scheint vieles in dieser Welt kaputt zu sein. Und das ist wohl die wichtigste Einsicht, wenn Reparatur ins Spiel kommt: Sie versucht, mit dem Zerstörten umzugehen, sich ihm anzunehmen und das zu heilen, was noch zu heilen möglich ist.

Es wundert nicht, dass sich der Kunst- und Kulturbetrieb schon seit längerer Zeit den verschiedensten Reparaturarbeiten widmet wie beispielsweise die Ausstellung healing. Leben im Gleichgewicht letztes Jahr im Weltkulturen Museum in Frankfurt. Aktuell wirft die Akademie der Künste mit der Ausstellung The Great Repair erneut einen Blick auf das Thema. Bis Januar werden dazu über 40 Positionen aus Kunst, Architektur und Raumpraktiken, in denen Reparatur als neues Gestaltungsparadigma greifbar wird, gezeigt.

Was hat Reparatur eigentlich konkret mit uns zu tun? Die Ausstellung thematisiert genau diese Frage, und so beginnt The Great Repair bei der Reparatur und Pflege der Akademie der Künste. Zu sehen sind unter anderem Fotografien der Fotografin und Architektin Zara Pfeifer, auf denen sie die Arbeit der Kleinen Reinigungs- und Dienstleistungsgesellschaft dokumentiert, die für Pflege der Akademie der Künste zuständig ist. Der Gang zu den großen Ausstellungsräumen dient dazu, eine bauphysikalische Analyse des Gebäudes sowie die Sanierungspläne von Brenne Architekten zu präsentieren. Sie waren für die Renovierung der Akademie der Künste von 2009 bis 2012 verantwortlich. So weit, so gut. Es scheint sinnvoll, bei dem Thema in den eigenen vier Wänden anzusetzen.


Zara Pfeifer
Maintenance. Akademie der Künste, Berlin, 2023
© Zara Pfeifer


Was mit einer konkreten Einleitung beginnt, mündet jedoch in zwei großen Ausstellungsräumen, die überladen sind mit künstlerischen Positionen: große Installationen aus verschiedensten Materialen, Poster, Texte, Malerei und Bildschirme. Es fällt schwer, in dieser äußerst lauten und fordernden visuellen Darstellung eine klare Struktur zu erkennen. Die Besuchenden sind auf sich allein gestellt.

In den einzelnen Positionen werden große Themen angesprochen. Power to the people (2022-2023) beschäftigt sich mit dem ehemaligen Tagebau-Gelände in Hambach. In dem ca. 18 qm großen Modell zeigt der Lehrstuhl Architecture of Territory der ETH Zürich die Zerstörung der Natur durch den Braunkohleabbau des multinationalen Energiekonzerns RWE. Es beschäftigt sich mit Aktivist*innen und Bürger*inneninitiativen, die versuchen, Widerstand zu leisten und sich für einen sozialgerechten Übergang zu erneuerbaren Energien einsetzen. Reparaturarbeit - das wird hier und in der gesamten Ausstellung deutlich - bedeutet immer auch anzuerkennen, dass etwas nicht wieder in seinen Ursprungszustand kommen kann.

In A city within a building (2023), einem 21-minütigen Film, beschäftigt sich das Kiewer Forschungskollektiv Center for Spatial Technologies gemeinsam mit Forensic Architectue mit der Bombardierung des Theaters in Mariupol, in dem ca. 2000 Zivilist*innen während des russischen Angriffkriegs im März 2022 Zuflucht suchten. Hier bedeutet Reparatur etwas Immaterielles: mit Überlebenden zu sprechen und eine kollektive Erinnerung herzustellen, denn das zerstörte Theater wurde von russischen Streitkräften abgetragen, wobei auch wichtige Beweise verloren gingen.


Ausstellungsansicht
„The Great Repair“
Akademie der Künste, Berlin, 2023
Foto © David von Becker


Obwohl die einzelnen Positionen spannend sind und Gesprächsstoff bieten, springen sie inhaltlich hin und her. Die vorhandenen Texte, die Aufschluss über einen roten Faden geben könnten, sind lang und schwer zu lesen, ihre Inhalte hochakademisiert. Zugänglich ist etwas Anderes und so scheint die Ausstellung wie ein Trostpflaster, dass der Größe der Wunde nicht wirklich gerecht wird.

Diese Ausstellung lohnt sich für ein akademisches Publikum, dass die Freiheit der Interpretation schätzt und bereit ist, sich Wissen selbst anzueignen und Zugänge zu schaffen. Eine Führung zu buchen oder an einem der Workshops teilzunehmen, ist in jedem Fall empfehlenswert.


14. Oktober 2023 - 14. Januar 2024
The Great Repair

Beteiligte:
Assemble, Kader Attia, Atelier Bow-Wow, Brenne Architekten mit Jana Hainbach / TU München & HfBK Dresden und dem AdK Baukunstarchiv, Manuel Chavajay, Santiago del Hierro mit AWAI und Cabildo Inga de Mocoa, Kathrin Dörfler, Edit, Anna Heringer, Florian Hertweck / Master Architektur, Universität Luxembourg, Manuel Herz, Hans Hortig, Interboro, Folke Köbberling & Martin Kaltwasser, Lacaton & Vassal, Mierle Laderman Ukeles/Bettina Knaup, Silke Langenberg, Limbo Accra, Charlotte Malterre-Barthes, Mapping Ukraine ETH Zürich, Material Cultures, Riccardo McAvinue / Kleine Gebäudereinigung, Ana Miljački, Sarah Nichols, Fuminori Nousaku & Mio Tsuneyama, Marjetica Potrč, Bas Princen, Maksym Rokmaniko / Center for Spatial Technologies, Sakiya, Alexander Stumm, Paulo Tavares, Milica Topalović / Architecture of Territory ETH Zürich, UVW-SAW, Michael Wolf, ZAS* u. a.

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin-Tiergarten
www.adk.de

Lisa Rocke

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