Vom 2. Mai bis 1. Juni 2025 verwandelt das artspring Kunstfestival mit seiner 9. Ausgabe den Bezirk Pankow über den gesamten Monat Mai in eine Bühne für Kunstakteur*innen verschiedener Couleur. Mit über 350 beteiligten Kunstschaffenden umfasst das facettenreiche Programm aus zahlreichen Veranstaltungen und mehreren Ausstellungen ein breites Spektrum der Pankower Kunstproduktion. Mit Malerei, Grafik, Fotografie, Performance, Skulptur, Video und Installation ist die bildende Kunst mit allen Disziplinen vertreten und wird darüber hinaus um die Sparten Film und Literatur in jeweils kuratierten Veranstaltungsreihen ergänzt. Einen neuen Schwerpunkt setzt das Festival mit einem umfangreichen Klangkunst- und Soundprogramm: Mit Konzerten, Soundperformances und -installationen, radiophoner Kunst, Hörspielen und einem eigens betriebenen Radiokanal, der an den Wochenenden auf Sendung geht, wird die gesamte Palette künstlerischer Soundgestaltung vor Ort und online zur Aufführung gebracht. Zentraler Veranstaltungsort ist in diesem Jahr das Theater unterm Dach, wobei sich das Festivalprogramm auf weitere Schauplätze wie das Rathaus Pankow, die Galerie und das Kino in der Brotfabrik, die Magistrale der Park-Klinik, die Kleingartenanlage Bornholm und den PopUpStore im Rathaus-Center Pankow erstreckt.
Das Kunstfestival setzt mit dem diesjährigen Titel ['apga,fakt] — something is broken here thematisch den Fokus auf sich bereits abzeichnenden Auswirkungen der Kürzungen des Kultursenats auf die Situation der Künstler*innen der Stadt. Die meisten bildenden Künstler*innen sehen in den Entwicklungen eine ernsthafte Bedrohung für ihr weiteres künstlerisches Schaffen. Für viele ist die Lage durch die Folgen sich ausbreitender Krisen bereits jetzt von existentieller Tragweite. Durch den akuten Raummangel der Stadt und die sich mit jedem Jahr drastisch verringernde Zahl der Atelierräume verschwindet zunehmend die Schaffensgrundlage bildender Künstler*innen. Die jüngste Aussetzung des Fonds für Ausstellungsvergütungen (FABiK) durch die Senatsverwaltung gefährdet die gebührende Honorierung künstlerischer Arbeit. Die Zukunftsaussichten für die künstlerische Vitalität Berlins verdüstern sich dramatisch. Mit einem ambitionierten Programm macht artspring berlin das reiche künstlerische Potential Pankows und Berlins sichtbar, um dessen Erhalt und Rettung es nun zu kämpfen gilt.
Das Festival beginnt feierlich mit dem Wochenende der Offenen Ateliers (3./4. Mai), an dem rund 240 Ateliers v.a. in den Stadtteilen Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee ihre Türen für das Publikum öffnen. In diesen prekären Zeiten ist die Gelegenheit, Kunst am Ort ihrer Entstehung zu erleben und mit Künstler*innen ins Gespräch zu treten, wertvoller als jemals zuvor. Denn es ist anzunehmen, dass es sich bei manchen Künstler*innen um eine letzte Chance dieser Art handelt, da etliche Ateliers wegen Verdrängung und gekürzter Finanzierung schon nächstes Jahr aus dem Stadtbild verschwinden könnten. Ergänzend zu dem Atelier-Wochenende finden an den darauffolgenden Wochenenden begleitete Fahrradtouren zu ausgewählten Ateliers in den Stadtteilen Pankow (10./11. Mai), Prenzlauer Berg (17./18. Mai) und Weißensee (24./25. Mai) statt.
Mit dem umfassenden Programm von artspring Klangkunst (Eröffnung: 7.5., 19 Uhr) beschreitet artspring neue Wege und rückt ein Kunstgenre ins Zentrum der Aufmerksamkeit, das oftmals ein Nischendasein fristet. Ab dem 7. Mai musizieren, performen, rezitieren, experimentieren, tanzen und improvisieren etablierte und junge Soundakteur*innen und -Initiativen Pankows auf der Bühne des Theaters unterm Dach. Parallel dazu beleuchten zwei Ausstellungen die Wechselbeziehung zwischen Klang bzw. Sound und visueller Kunst: schallern im Theater unterm Dach und Über Klang in der BrotfabrikGalerie. Zusätzlich sendet das artspring radio an den Wochenenden über den Online-Austrahlungsweg der Freien Radios Berlin-Brandenburg und über einen Webplayer auf der artspring Webseite.
Bereits seit Jahren zählen darüber hinaus artspring film und artspring Lesungen, eine Film- und eine Literaturreihe, zum festen Bestandteil des artspring Festivals. Beiden gehen Open Calls voraus, die sich an Pankower Film- und Literaturschaffende richten. Das Filmprogramm hält eine spannende Auswahl an Kurzfilmen bereit, die von Künstler*innengesprächen begleitet werden. Bei den Lesungen werden sowohl Lyrik als auch szenisch-schauspielerische Rezitationen und Auszüge aus Essays und Romanen vorgetragen.
In weiteren Ausstellungen konzentriert sich artspring auf die Präsentation künstlerischer Arbeiten aus dem Bezirk und bringt sie auch an ungewöhnliche Orte Pankows. Eine thematische Ausstellung findet unter dem Titel Das gebrochene Licht in der Magistrale der Parkklinik Weißensee statt. Darin stehen die Eigenschaften des Lichts und die Lichtmetapher im Vordergrund künstlerischer Betrachtung. Open Air kann man Kunst erleben, die mit der Natur- und Pflanzenwelt der Kleingartenanlage Bornholm I und II in Beziehung tritt. Bei einem geführten Eröffnungsspaziergang am 11. Mai, 12 Uhr wird diese in Anwesenheit der beteiligten Künstler*innen vorgestellt. Die junge Kunstgeneration präsentiert sich in der Ausstellung Junge Szene im artspring PopUpStore im Rathaus-Center Pankow. Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Lage um den Atelierbestand Berlins lädt artspring ausdrücklich diejenigen Künstler*innen, die kürzlich ihr Atelier verloren haben und nun ihr Schaffen in den privaten Wohnbereich verlegen mussten, zur Teilnahme an der Ausstellung IST SITUATION 25 in die Galerie im Rathaus Pankow ein. Bei der zugehörigen Podiumsdiskussion (15. Mai, 18 Uhr) wird darüber debattiert, welche Möglichkeiten in Pankow und ganz Berlin noch vorhanden sind, um die betroffenen Kunstschaffenden bei der Erschließung neuer Räume zu unterstützen.
Erstmalig lädt zudem eine Ausstellung nach Brandenburg ein: In der Klostergalerie Zehdenick findet der zweite Teil von Ashkelon Pankow – 2884 km bis Bat Galim statt, wo Arbeiten von Künstler*innen aus Ashkelon und aus Pankow zu sehen sind.
Als einziges Berliner Kunstfestival, dessen Initiierende und Organisierende selbst Kunstschaffende sind, widmet sich artspring stets Fragestellungen, die sowohl für die künstlerische Auseinandersetzung als auch für die Kunstschaffenden selbst von besonderer Relevanz sind. Das beachtliche Programm reicht dabei über die Festivallaufzeit hinaus und erstreckt sich mit weiteren Projekten auf das gesamte Jahr: Der PopUpStore im Rathaus-Center Pankow bietet regelmäßige Ausstellungen; in der artothek berlin kann man Arbeiten von Pankower Kunstschaffenden ausleihen und an einer Artist-Talk-Reihe in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek teilnehmen; das wiederkehrende Lichtkunstfest lädt im Winter zum Kunstgenuss ein.
Das Programm ist kostenfrei mit Ausnahme einiger Veranstaltungen im Theater unterm Dach, die auf Spendenbasis stattfinden.
Veranstalter: artspring berlin
Festivalplanung/-Leitung: Jan Gottschalk, Judith Kuhlman
Das detaillierte Programm des artspring Kunstfestivals finden Sie in der gedruckten Festivalzeitschrift und online
Gefördert durch den EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), INP (Innovatives Potential Kultur) und die Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt






